Leipzig. „Endlich der Rekord! Wenn man 6,52 Sekunden läuft, muss man vieles, ja eigentlich alles richtig gemacht haben. Ich habe eine tolle Hallensaison gehabt“, sagte der 28 Jahre Sprinter, der gestern bei den Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig den Uralt-60-Meter-Rekord von Sven Matthes (6,53, 1988) zu den Akten legte. Für richtig hält er auch, nicht bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Portland zu starten. „Sie sind zu spät in der Olympiasaison“, sagte Reus. Morgen macht er einen Tag Pause und dann geht es weiter auf dem Weg nach Rio, wo er vor allem mit der deutschen Staffel Großes vorhat.

Innerhalb von 50 Minuten zündeten die Sprinter und Hürdler eine Rakete nach der anderen. Zum Finale die Frauen: 7,19, 7,11, 7,07 Sekunden – drei Starts, drei Bestzeiten in der Halle. Endlich mal wieder nach drei Jahren. Tatjana Pinto ist damit die viertschnellste deutsche Frau aller Zeiten, und die waren beileibe nicht frei von zweifelhaften Leistungen. Nur eine aus der „Neuzeit“ war fast so schnell, die zurückgetretene Verena Sailer (7,08, 2015). Und jetzt ist die 23-Jährige Pinto aus ihrer größten Krise, ihrer schlimmsten Zeit fulminant nach acht Monaten zurückgekehrt. „Das hätte ich nicht für möglich gehalten“, sagte die 23-Jährige, die Ende Juni 2015 in Mannheim noch 23,02 Sekunden über 200 Meter gelaufen war. Dann verlor Anfang Juli ihre Mutter bei einem Familiendrama ihr Leben.

„Sie hat ganz schwierige Monate hinter sich, aber sie ist eine sehr starke und tapfere junge Frau“, sagte ihr Manager Klaus Kärcher, der sie seit zwei Jahren managt, aber gestern erstmals bei einem Wettkampf dabei war. „Sei einfach da, wenn du da sein musst“, macht er ihr Mut. Er ist dann auch da, wenn es sein muss, wenngleich er sagt: „Es gibt viel wichtigere Menschen als mich.“ Zum Beispiel ihr junger Trainer Thomas Prange. „Danke, Thomas“, fiel sie ihm um den Hals und drückte ihn lange. Und zu den Journalisten meinte sie: „Es war ein harter Weg, ich habe hart gearbeitet.“

Natürlich sind viele Leipziger auch wegen ihr gekommen, dem „Covergirl“ dieser Hallen-DM – Cindy Roleder (27). Freudestrahlend gab sie die ganze Energie, die sie aus dem Jubel heraus aufsaugte, wieder in die Zuschauermenge zurück: „Ihr seid einfach klasse“, jubelte sie über das Mikrofon. 7,88 Sekunden sind ein Wort. Damit steht sie auf Platz fünf der ewigen deutschen Bestenliste über 60 m Hürden, aber auch diese Zeit hat ihr die Hallen-WM in Portland nicht schmackhafter machen können. Sie fliegt jetzt ins Trainingslager, hat nur noch Rio im Blick. Wie so viele in diesen kalten Tagen, die es in die Wärme zieht. „Zehn plus“ vermutet Chefbundestrainer Idriss Gonschinska die Mannschaftsstärke für Portland.

Hinter der wieder erstarkten Nadine Hildebrand, die trotz WM-Norm (8,01) auch nicht in die USA will, kam die Landauerin Ricarda Lobe im Trikot der MTG Mannheim auf den starken dritten Platz. „Ich hatte mich anfangs an Cindy orientiert, das hat mir geholfen, aber am Ende dachte ich, ich sei Vierte. Bestzeit in 8,10 Sekunden und Bronze, ich bin doppelt glücklich“, sagte die 22-Jährige.

Beim Stabhochsprung-Sieg von Silke Spiegelburg (4,56 m) kam Anna Felzmann vom LAZ Zweibrücken auf Platz sechs, ebenso mit persönlicher Bestleistung wie ihre LAZ-Kollegin Sina Mayer, die Siebte im Sprint wurde, sich auf sehr starke 7,32 Sekunden steigerte. Die beiden lagen sich dann in den Armen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.–28.02.2016 Deutsche Hallenmeisterschaften 2016 Leipzig (Deutschland)