Bom Dia! Ich habe am Montag gleich mal zwei Flaschen Forster Kirchenstück kalt gelegt. Einen Riesling Spätlese trocken. In diesem nagelneuen Kühlschrank, dem neben den Betten größten Stück in unserem nagelnagelneuen Apartment. Kunz und Kulle sind mal wieder olympisch unterwegs, und es gibt einiges zu feiern in diesen olympischen Tagen. Versprochen!

Es war Ende April, als wir, meine Frau und ich, mit Helga, Volker und all unseren anderen Freunden aus meinem Ludwigshafener Stadtteil Melm dort oben im Zeter Berghaus Geburtstag feierten und den nebenstehenden Wegweiser nach Rio de Janeiro fanden: 9501 Kilometer von Diedesfeld oder Maikammer über den Atlantik. Seit 1680 lebt die Familie Zeter, das ist nachgewiesen, in Diedesfeld. 1957 hat sie das Berghaus neben dem Hambacher Schloss erworben.

Nur mal zum Vergleich: Der portugiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral war 1500 an der brasilianischen Küste gelandet. Und wir, Bernhard Kunz und ich, jetzt am Montag, 16.15 Uhr Ortszeit. Fast in die frühe Nacht hinein, denn bis wir das Flughafengebäude verließen, war es stockdunkel, was hier im brasilianischen Winter um die 18 Uhr herum verdammt schnell geht. Sie wissen ja: Je näher am Äquator, desto kürzer die Dämmerungszeit – oder so.

Mit uns an Bord des Fliegers zum Beispiel Mikkel Hansen, dieser geniale dänische Handballer, und seine Kollegen. Oder die gesamte schwedische Handball-Nationalmannschaft. Oder Nathan Taylor von den Virgin Islands, ein Leichtathletikcoach, mit dem wir uns diskutierend die Wartezeit bei der Ankunft verkürzten.

Eine freie Olympic Lane verschaffte dem Busfahrer ein rasendes Vergnügen an einem dreispurigen Stau vorbei in Richtung Barra, wo wir, drei Kilometer vom charmefreien, grünbefreiten und zubetonierten Container- und Zeltplatz, genannt Olympiapark, für 22 Tage wohnen werden. Wir haben schnell was gegessen und kehrten in unsere Wohnanlage zurück. Unten im Treppenflur gab uns eine Volunteer, vielleicht 22 und mit Namen Maria, noch schnell die WLAN-Kennung, nicht ohne Bernhard zu bewundern: Your blue eyes are beautiful. Ach, dieser Kerl. Er hatte mal wieder geschäkert, ist dann aber umso schneller einfach eingeschlafen.

Gestern dann die übliche Hektik im Main Press Center, dem Hauptpressezentrum, bis all der technische Kram funktionierte. Nervenaufreibend war das. Aber es läuft alles. Wir haben unserer pfälzischen Olympiasiegerin Miriam Welte und ihrer Teamsprintpartnerin Kristina Vogel mitsamt Ersatzfrau Emma Hinze die Ehre erwiesen. Zwischen 13 und 15 Uhr hatten die deutschen Bahnradfahrer Trainingszeit im neuen Velodrom. Fast kein Mensch war da. Wir durften aber ein paar Fotos machen, ein Wortwechsel war nicht möglich. Nur Winkewinke und ein fröhliches Zulächeln.

Ein paar Horrorgeschichten von Fotografen, die mit Benzin besprüht und einem Feuerzeug gedroht worden sein wollen, haben wir zur Kenntnis genommen und verdrängt. Hoffen wir, dass keiner in diesen Tagen Zeter und Mordio schreien muss. Wir sind zwar nicht mehr im Mittelalter, aber immerhin in Rio, einem heißen Pflaster.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)