Landessporthilfe-Präsident Streuber lobt Holzdeppe, zieht insgesamt aber eine zwiespältige Olympia-Bilanz

Zweibrücken. Die Olympischen Spiele in Peking sind zu Ende. Unter den deutschen Athleten waren auch Teilnehmer, die von der Sporthilfe Rheinland-Pfalz/Saarland unterstützt werden. Merkur-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem Präsidenten der Sporthilfe, Hans Otto Streuber (Foto: pma) aus Zweibrücken.

Wie sieht Ihr persönliches Fazit der Spiele von Peking aus?

Hans Otto Streuber: Mein Eindruck war, dass die Wettkämpfe bestens organisiert waren, die Sportstätten neue Maßstäbe gesetzt haben, dass es aber an Fröhlichkeit, Lockerheit und Improvisation gefehlt hat. Vieles war mir zu perfekt. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so wenig interessiert an Olympischen Spielen gewesen zu sein wie dieses Mal. Peking ist halt doch weit weg.

Welche Disziplinen haben Sie besonders aufmerksam verfolgt?

Streuber: Als Präsident der Sporthilfe Rheinland-Pfalz/ Saarland habe ich natürlich auf unsere Sportler besonders geachtet. Ansonsten gab es dieses Mal keine speziellen Schwerpunkte. Fasziniert haben mich Beachvolleyball und die amerikanischen Basketballer.

Welches waren für Sie die größten Überraschungen und welches die größten Enttäuschungen?

Streuber: Von der größten Überraschung zu sprechen ist schwer. Erstaunlich waren natürlich die vielen Weltrekorde im Schwimmen und des Jamaikaners Usain Bolt im Sprint. Irgendwie bleibt da aber schon ein seltsames Gefühl. Besonders schön sind natürlich Medaillen, mit denen niemand gerechnet hatte. Noch schwerer ist es, von der größten Enttäuschung zu sprechen. Es gab zu viele Riesenenttäuschungen, beispielsweise bei den Leichtathleten, den Schwimmern, den Ruderern, den Radfahrern oder den Springreitern. Leider ließe sich diese Liste noch fortsetzen.

Sind Sie mit dem Abschneiden der Athleten, die von der Sporthilfe Rheinland-Pfalz/Saarland unterstützt werden, zufrieden?

Streuber: Ich bin ganz sicher, dass jede Athletin und jeder Athlet sein Bestes gegeben hat. Dass das Beste nicht immer gut genug war, ist besonders für die Athleten enttäuschend. Insgesamt gesehen, können wir sicher nicht zufrieden sein.

Haben Sie auch mit dem Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe mitgefiebert?

Streuber: Raphael Holzdeppe ist eine der ganz positiven Erscheinungen in der deutschen Leichtathletik. Seine sportliche Entwicklung, aber auch sein Auftreten und seine Nervenstärke sind bewundernswert. Sein achter Platz ist für mich eine herausragende Leistung und eine ‚gefühlte Medaille‘. Natürlich habe ich bei seinen Wettkämpfen mitgefiebert und mitgezittert.

Welche nachhaltige Wirkung hat der Olympiasieg des Triathleten Jan Frodeno aus Saarbrücken?

Streuber: Für die Sportart Triathlon wird der Olympiasieg sicher eine weitere Schubwirkung entfalten. Auch für den Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland und besonders den Standort Saarbrücken ist der Erfolg von Jan Frodeno sehr hilfreich.

Wie sieht der Honorierungsschlüssel für die Olympia-Athleten bei der Sporthilfe aus?

Streuber: Die Sporthilfe hat ein erfolgsabhängiges Prämiensystem. Bei Olympischen Spielen werden Prämien gezahlt für die Plätze eins bis acht. Für einen Olympiasieg ist eine Prämie von 40 000 Euro ausgelobt.

Hat Sie die ständige Diskussion um Menschenrechtsverletzungen in China genervt oder standen bei Ihnen die sportlichen Leistungen im Vordergrund?

Streuber: Die Diskussion hat mich nicht genervt. Sie war und bleibt notwendig. Auch wenn immer wieder gesagt wird, Sport und Politik müssten getrennt werden: Dies ist doch Illusion. Sport findet eben gerade nicht im politikfreien Raum statt. Der Sport und jeder Sportler haben das Recht, sich auch politisch zu äußern. Am einfachsten wäre doch, es gäbe die Menschenrechtsverletzungen nicht. Dann müsste man nicht darüber sprechen. Auch die Sportler nicht.

Wie haben Sie die teilweise herausragenden Weltrekorde bei den Schwimmern und den Sprintern bewertet?

Streuber: Ich habe vorhin schon gesagt, dass ein seltsames Gefühl bleibt. Natürlich gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Es müssen weltweit verbindliche Regeln her. Wer keine nationalen Anti-Doping-Agenturen hat und wer regelmäßige Kontrollen im Training nicht durchführt, sollte auch bei internationalen Meisterschaften nicht antreten dürfen.
LAZ-Stabhochspringer und Olympia-Teilnehmer in Peking 2008 Raphael Holzdeppe
Den LAZ-Stabhochspringer und Olympia-Teilnehmer Raphael Holzdeppe bezeichnet Streuber als „bewundernswert“. Foto: dpa

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–24.08.2008 Olympische Sommerspiele 2008 Peking (China)