Ehrlich, ich kann das Wort Hitze nicht mehr hören. Um es vorweg zu sagen: Ich habe mich akklimatisiert, kein Problem, alles gut. Richtig ist: Ja, es ist heiß. Sauheiß. Was ich ja wusste. Die Einheimischen bemühen sich, die Fremden von der Straße zu kriegen, zum Beispiel, wenn wir Journalisten auf ein Taxi warten, schicken sie dich dafür ins Hotel. Man sieht auch fast keine Fußgänger. Ein paar wenige beobachtete ich beim Verlegen der Pflastersteine für einen Gehweg, dick vermummelt unter Kopftüchern. Ein Knochenjob. Und andere legten sich einfach in den Schatten und pennten. Ihre Maschinen zum Pflastersteinschleifen ließen sie einfach mal stehen.

Nein, ich mag „Hitze“ nicht mehr hören, weil hier ein unglaublicher Terz gemacht und sehr tendenziös berichtet, Äpfel mit Birnen verglichen wird. Kenenisa Bekele ging in Berlin nicht auf Weltrekordkurs, weil es ihm in Doha zu heiß war, sondern weil er dort mehr Kohle bekam.

Die meisten Athleten sind in Doha zusammengebrochen, weil sie einfach zu schnell die Rennen angingen. Ich fand die Einordnung der drei deutschen Geher am Sonntag nach dem Rennen ziemlich realistisch (siehe WM-Magazin).

Und überhaupt: Nur 40 von 68 Marathonfrauen erreichten das Ziel, aber – zum Vergleich – in Yorkshire erreichten nur 46 von 197 Radrennfahrer das Ziel. Dort zerplatzten im Dauerregen Träume (leider auch der von Pascal Ackermann), für die Sportler spielt es dabei keine Rolle, ob Hitze hier oder Regen dort vorhersehbar waren. Freiluftveranstaltungen halt. Die Leichtathleten konnten sich wenigstens auf das Dilemma vorbereiten. Kein Mensch geht nun hin und macht den Briten Vorwürfe. Das Radrennen wird wohl abgehakt werden. Nach dem Motto: dumm gelaufen.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass Katar, nicht zuletzt wegen den korrupten Vergaben der Weltmeisterschaften, an den Pranger gestellt werden soll. Das mangelnde Zuschauerinteresse indes finde ich schon sehr imageschädigend.

Gestern war Stop and Go angesagt. Eine Stunde Fahrzeit vom Hotel zum Stadion. Interessant: In diesem Land sind Rot- und Grünphasen an den Ampeln gut drei Minuten lang! Zeit genug, um mit Serghei Donets zu palavern. Im Taxi, wir wohnen im gleichen Hotel. Ich betreue vor allem vier Pfälzer, er vier Moldawier. Als einziger aus „meinem armen Land“. Kommt aus Chisinau, ist Fußball- und Deutschland-Fan, weilte zur Fußball- und Leichtathletik-WM in Berlin und Frankfurt und konnte genau ein Wort Deutsch. Welches? RIESLING!! Echt jetzt!

Am kommenden Wochenende ist ein riesengroßes Weinfest in Chisinau (den Wurstmarkt kennt er nicht). Wir leiden beide. Gar nicht mal wegen der Hitze.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)