Gestern Vormittag haben sich Raphael Holzdeppe und sein Trainer Andrei Tivontchik die Stabhochsprunganlage im „Vogelnest“ angeschaut, heute um 18.40 Uhr Ortszeit (12.40 Uhr MESZ) gilt es für Titelverteidiger zum ersten Mal. Die Qualifikation steht an. Das Finale ist am Montag.

Mit welcher Höhe der Zweibrücker heute einsteigen wird, wird er erst vor Ort je nach Wind und Wetter entscheiden. Die Qualifikationshöhe ist 5,70 Meter. „Wir sind seit Samstag hier, haben uns gut akklimatisiert“, sagt Tivontchik. Der Trainingsplatz ist eine halbe Stunde vom Hotel entfernt, die letzte Technikeinheit am Mittwoch verlief vielversprechend.

Knapp zwei Jahre war das Erfolgsduo getrennt, als Holzdeppe seinen Wohnort nach München verlegt hatte, im letzten Winter war er, nach einem unglücklichen Jahr 2014, zurückgekehrt und brauchte sehr viel Zuwendung von Tivontchik. „Raphael springt, seit er 18 ist, auf sehr hohem Niveau, hatte mit Olympiabronze 2012 und dem WM-Titel 2013 in Moskau zwei erfolgreiche Jahre, da ist es fast normal, dass er mal ein Jahr Pause brauchte“, nahm Tivontchik seinen Schützling in Schutz. Er glaubte immer an ihn. Schon im Winter hatte sich im Training angedeutet, dass der Champion auf dem richtigen Weg ist. Er musste das nur in Wettkämpfen zeigen. Was er auch tat. In Baku und in Nürnberg sprang er Bestleistung: 5,92 und 5,94 Meter. Schon 2008 war er mit 5,80 Meter Junioren-Weltrekordler, wurde im gleichen Jahr in Peking Olympiaachter, wo er schon 2006 gestartet war: als 16-Jähriger bei der Junioren-WM. Mit 5,30 Meter hatte er Platz fünf belegt.

Holzdeppe habe mit der Rückkehr quasi wieder von vorne angefangen, mit kurzen Anläufen, mit viel Stabkoordination, um die Technik zu verbessern, jetzt sei er auf extrem hohem Niveau. „Es haben viele Faktoren eine Rolle gespielt, er ist umgezogen, kam wieder ins gewohnte Umfeld zurück, hat sein privates Glück gefunden, wohnt jetzt in Saarbrücken. Mit meiner Erfahrung habe ich das hingekriegt, man kennt als ehemaliger Athlet die Problemchen. Ich musste ihm Zeit und Vertrauen zubilligen, damit er wieder die Sicherheit bekam“, erzählte gestern im Hotel „Beijing Conference Center“ Tivontchik, selbst Olympiadritter in Atlanta 1996 und mit einer Bestleistung von 5,95 Meter.

Holzdeppe liegt einen Zentimeter darunter, aber das interne Duell ist gar keins. „Er ist bereit, sechs Meter zu springen, wenn alles passt, Wetter, Stab, Anlage, Abstand. Am besten natürlich am Montag im Titelkampf“, sagte Tivontchik lapidar. Er war 1993 aus Weißrussland nach Zweibrücken gekommen und fühlt sich seitdem in der Pfalz sehr wohl. Nur für kurze Zeit arbeitete er als Nationaltrainer in Katar, heute ist der 45-Jährige Damen-Bundestrainer.

Tivontchik gesteht, dass Holzdeppe als Titelverteidiger einen gewissen Druck verspürt, „aber er ist sehr gut vorbereitet. Wenn er die Qualifikation gut springt, ist das sehr viel wert.“ Aus 18 Schritten wird er anlaufen, seinen 5,15 Meter langen Karbonstab greift er bei 5,05 Meter, er gilt als einer der schnellsten im Feld. 10,02 Meter legt er pro Sekunde zurück. Zum Vergleich: Tivontchik lief in einer Sekunde 9,64 Meter weit.

Der verständnisvolle Trainer: Andrei Tivontchik.
Der verständnisvolle Trainer: Andrei Tivontchik. (Foto: Kunz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)