Mainz. Mehr als ein halbes Jahrhundert gibt es die Sportplakette schon. Rheinland-Pfalz hat keine höhere Auszeichnung für Sportler und Funktionäre. Wirklich gut sieht sie aus. Und: „Sie ist ein ganz wichtiges Dankeschön für diejenigen, die sich engagieren und erfolgreich sind im Sport“, sagte Malu Dreyer, die Ministerpräsidentin, gestern Abend.

Denis Kudla gehörte zum auserwählten Kreis. Unfreiwillig erfuhr er besondere Aufmerksamkeit. Er war erst einmal nicht da im Festsaal der Staatskanzlei in Mainz. Als er dann ein paar Minuten zu spät kam, fragte Moderator Marius Zimmermann: „Und Stau?“ „Nee, ich stand draußen am Büffet.“ Ha, Denis Kudla, der 22jährige Schifferstadter, ist nicht nur ein Weltklasseringer, er ist auch nicht auf den Mund gefallen.

Dann der Film aus Rio de Janeiro. 15. August 2016. Kudlas Tag. Sieg gegen Viktor Lörincz. Bronze. Unglaublich. „Es ist immer wieder etwas Schönes, die Bilder zu sehen. Ich habe da so viel Blut, Schweiß, Tränen reingesteckt“, sagte Kudla, der betont: „Man kann nie zu 100 Prozent sagen, wie es ausgeht. Die Tagesform, Auslosung, wie man das Gewicht runterschrubbt, all das spielt eine Rolle. Mein Ziel ist, in Tokio ganz oben zu stehen. Wenn ich Olympiagold hole, würde ich sofort aufhören. Eine Olympiamedaille jedenfalls ist die Kirsche auf dem Eis.“ Kudla lebt die Leidenschaft. Und, so betonte Malu Dreyer, „Leidenschaft ist ein wichtiger Bestandteil des Sports, ob man am Rand steht und jubelt oder man zittert und bibbert wie die FCK-Fans. Die Mainzer haben ja die Kurve gekriegt. Das wünschen wir dem FCK auch, dann ist die Welt in Rheinland-Pfalz wieder in Ordnung“.

Christin Hussong, die amtierende deutsche Meisterin im Speerwerfen, war die zweite ausgezeichnete Sportlerin aus der Pfalz. Sie musste die Ehrung wegen Prüfungen an der Universität in Saarbrücken absagen.

Dreyer betonte, welch sympathische und faire Botschafter „die Sportler und Ehrenamtler“ sind: „Einfach Vorbilder. Mit Disziplin und Fleiß, Verantwortung und auch Demut.“

Einer davon ist Alfred Zimmermann (68). Der Speyerer ist seit mehr als zehn Jahren Sportkreisvorsitzender in Speyer und Präsident des Ruderverbandes Pfalz. „Das Ehrenamt ist mein Leben, aber nicht nur im Sport, sondern auch in der Kirche und in Schulen, wo ich einige Förderkreise gegründet habe“, erzählte er.

Die Ministerpräsidentin ließ überhaupt keinen Zweifel daran, welche besondere Rolle der Sport in Rheinland-Pfalz spielt. Und mit Karin Augustin, der Präsidentin des Landessportbundes (LSB), spielte sie sich gekonnt die Bälle zu. Beide betonten den guten Weg, der immer wieder zu einer Einigung führe, wenn es darum gehe, mit Geld den Sport zu fördern.

Also, eitel Sonnenschein im organisierten Sport? Keine wollte die Feierlaune mit den Querelen, die es derzeit gibt, stören. Kein Wort über den Landesrechnungshof, keines über die Neuordnung der Geschäftsführung. Gut so. Aber all die LSB-Präsidialen steckten doch den Abend über die Köpfe zusammen. Es ist etwas im Busch. Sieht nach einer baldigen Lösung aus. „Ich will alles dafür tun, die Sache vernünftig über die Bühne zu kriegen“, sagte Augustin der RHEINPFALZ.

Die Geehrten:

Christin Hussong (LAZ Zweibrücken, deutsche Speerwurfmeisterin), Denis Kudla (VfK 07 Schifferstadt, Olympiadritter Ringen), Alfred Zimmermann (Speyer, Sportkreisvorsitzender und Präsident Ruderverband Pfalz), Roland Leroux (Stadecken-Elsheim, Präsident Basketballverband Rheinhessen), Moritz Moos/Jason Osborne (Mainz, EM-Silber Rudern), Marion Pangsy (Koblenz, Vizepräsidentin Arge Ringen Rheinland-Pfalz), Jörg Roos (Neuwied, Leichtathletikverbandstrainer Rheinland), Hartmut Schäfer (Mainz, Präsident Südwestdeutscher Baseball und Softballverband), Claudia Schmidt (Darmstadt, Paradressurreiterin, IG Therapeutisches Reiten Rhein-Main), Julia und Nadja Thürmer (Budenheim, Kunstrad-Weltmeisterinnen).