„Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ – das ist bei den Fußballern ein geflügeltes Wort, wenn mal wieder ein Kleiner einen Großen schlägt. Ihre eigenen Gesetze hat auch die Sportlerwahl der RHEINPFALZ Zweibrücken. Gestern Abend wurde überraschend das Voltigierdoppel Jasmin Glahn und Mara Marschall als Mannschaft des Jahres 2015 ausgezeichnet. In den Einzelwertungen gab’s dagegen kein Vertun, da lagen Marlene Hüther und Raphael Holzdeppe klar vorne.

Zweibrücken. „Wir haben schon viel Werbung für uns gemacht“, berichtete Mara Marschall nach der Siegerehrung. Und so kam es, dass sich die beiden jungen Frauen vom Reit- und Fahrverein Bundenbacherhöhe gegen Mannschaften mit einer vermeintlich größeren Fanbasis durchsetzten. „Wir dachten, dass sich die beiden Handballteams Stimmen wegnehmen. Wenn wir dann Vierter werden ...“, legte die Homburgerin, deren familiäre Wurzeln in Kleinbundenbach sind, ihre Gedankenspiele offen. Die Süße des Mannschaftssieges kennt ihre Partnerin Jasmin Glahn bereits, vor drei Jahren gewann sie die Wahl mit der Turnmannschaft des Helmholtz-Gymnasiums.

Die 18-jährige Großbundenbacherin Jasmin Glahn, die gerade ihr schriftliches Abitur hinter sich gebracht hat und ihren mündlichen Aufgaben in Englisch und Sozialkunde entgegenfiebert, und die 21-jährige Einöderin Mara Marschall waren 2015 das beste Doppel im Land, wurden Pfalz- und Rheinland-Pfalz-Meister. Seit vier Jahren turnen sie als Doppel auf dem Pferderücken und schätzen sich. „Jasmin ist turnerisch sehr stark, sie turnt das super gut“, sagte Marschall. „Mara hat sehr viel Kraft, sie ist ein zuverlässiger Partner, mit ihr habe ich keine Angst“, bemerkte Glahn. Die Ziele für die Saison 2016 sind klar: „Wir wollen bei einem internationalen Turnier starten und endlich bei der deutschen Meisterschaft“, erklärte Marschall. Die Fahrt zur DM war ihnen 2015 nicht vergönnt, weil ihr Pferd Dandy verletzt war. „Er ist wieder fit und wir trainieren auf ihm“, sagte Glahn. Das lässt auf eine Fortsetzung der Erfolge hoffen.

Ihre Serie hat Marlene Hüther fortgesetzt. Nicht nur bei der Sportlerwahl, die sie jetzt zum dritten Mal in Folge gewann. Auch die Serie ihrer Erfolge im Schwimmsport, die sie erstmals zu Medaillen im Erwachsenenbereich führte. Dass das – wie bei allen Leistungssportlern – mit einem gehörigen Trainingsaufwand verbunden ist, nimmt Hüther in Kauf. Selbst wenn der 17-Jährigen der Reiseaufwand, der mit den Trainingslagern verbunden ist, ein wenig groß erscheint. „Im Training läuft’s richtig gut“, sagte sie, „so gut war es bislang selten.“ Dass sie derzeit den Schwerpunkt aufs Schwimmen legt, hat mit dem Großereignis im Sommer zu tun – die olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Schulisch tritt sie ein bisschen kürzer. „Ich bin in der Schule ja nicht schlecht, im Trainingslager haben wir ja auch Unterricht“, fügte sie an.

Dass sich die Familie Hüther nach dem offiziellen Teil an den Tisch der Voltigierer stellte, hat einen Grund. „Ich hab früher, mit sieben oder acht Jahren, in Kleinbundenbach voltigiert“, erzählte Marlene Hüther. Als dann die Schwimm-Trainingslager übers Wochenende kamen, blieb fürs Voltigieren keine Zeit mehr.

Ein echter Serientäter ist der Mörsbacher Radsportler Felix Drumm, dem in diesem Jahr das Kunststück gelang, zum dritten Mal in Folge deutscher Meister der U23 im Crossfahren zu werden. „Das wird dauern, bis das wieder einer schafft“, sagte er mit Blick auf seinen Sprung in das Radsport-Geschichtsbuch. Derzeit hat er Pause, in der er darauf wartet, eine Ausbildung bei der Polizei beginnen zu können. Bald beginnt das Training für die Straßensaison, im Winter ist er erstmals im Elitefeld der Crosser unterwegs. „Mal sehen, wie es mir dann ergeht“, bemerkte Drumm. Vielleicht muss er sich doch einmal entscheiden, ober er sich auf eine Disziplin spezialisiert.

Das Jahr 2016 steht im Zeichen der olympischen Spiele. Es kann für Zweibrücker Sportler ein bemerkenswertes Jahr werden. Denn unter den gestern Geehrten sind einige mit Olympia-Chancen. Raphael Holzdeppe, der sich gestern Abend entschuldigen ließ, weil er seine Tasche für einen Wettkampf in Frankreich packte, ist der heißeste Kandidat für Rio. Marlene Hüther und die Judoka Jasmin Külbs könnten ihn begleiten. Vom LAZ kämpft die Speerwerferin Christin Hussong um ein Ticket, ebenso die luxemburgische Stabhochspringerin Gina Reuland. Vielleicht sind das die Gesichter der Sportlerwahl 2016.

Zum Abstimmen hatten Sie, liebe Leser, diesmal rund vier Wochen Zeit, von Dezember bis Ende Januar. Zwischenzeitlich konnten Sie auch zwölf Tage lang Ihre Stimme online abgeben. Wie immer standen je fünf Sportler, Sportlerinnen und Mannschaften zur Wahl, die Redaktion hatte aufgrund der Leistungen im Jahr 2015 eine Vorauswahl getroffen. Insgesamt sind bei der 26. RHEINPFALZ-Sportlerwahl 2102 gültige Stimmen eingegangen, 933 als Original-Stimmzettel, 1169 Klicks bei der Online-Wahl. Die Sieger bei den Männern und Frauen, Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Schwimmerin Marlene Hüther, siegten jeweils mit deutlich Vorsprung auf die Zweitplatzierten: Holzdeppe kam auf 842 Stimmen, Hüther auf 820. Der Sieger bei den Mannschaften war am ehesten eine Überraschung, das Ergebnis war hier auch knapper: Hier gewann das Voltigier-Duo Jasmin Glahn/ Mara Marschall vom Reitund Fahrverein Bundenbacherhöhe (586) vor dem EHC Zweibrücken (523).

Wörtlich

„Nächste Woche ist Kabinenfest, das würde ja ganz gut passen.“ Andreas Langner, Trainer des SV Großsteinhausen, als er erfuhr, dass die beiden Voltigiererinnen Jasmin Glahn und Mara Marschall ihre 50 Liter Bier gegen die 20 Liter der Fußballer getauscht haben.

„Eigentlich ist es nicht nötig, nach Thailand ins Trainingslager zu fahren. Das könnte man auch in Saarbrücken machen.“ Schwimmerin Marlene Hüther, die derzeit viel in der Welt herumkommt.

„Mit 100 Kilo tanzt man nicht mehr.“ Boxerin Alisa Dahler über ihre männlichen Sparringspartner.

„Ganz viele Leute haben uns die Zettel vorbeigebracht oder in den Briefkasten geworfen.“ Die Voltigiererin Jasmin Glahn versucht, den Erfolg bei der Sportlerwahl zu erklären.

„In diesem Jahr klebt uns die Sch... an den Händen.“ Aris Wöschler, Kapitän der Handballer des SV 64 Zweibrücken, erklärt, warum es in dieser Saison in der Dritten Liga nicht läuft.

„Wenn mal kein Wetter zum Fußballspielen ist, gehe ich in die Halle an die Geräte.“ Turner Erik Bischof, der mittlerweile lieber für die B-Junioren des 1. FC Saarbrücken Fußball spielt.

„Unser Oberbürgermeister hat es als Reiter, Marathonläufer und Boxer versucht. Als Politiker muss er Hindernisse überwinden, schnell und ausdauernd sein, austeilen und einstecken können.“ Georg Altherr, Leiter der RHEINPFALZ-Redaktion Zweibrücken, über die sportlichen Qualitäten von Kurt Pirmann.

„Ich komme seit 24 Jahren in den unterschiedlichsten Ausrüstungen. Ich war mal mit dem Pferd da. Danach hab ich jahrelang Hafer geschenkt bekommen.“ Oberbürgermeister Kurt Pirmann über die Folgen seiner Vielseitigkeit.

„Sport ist sehr wichtig für unsere Region. Wir haben hier Sportler, die es bis in die Weltspitze schaffen. Das ist eine Auszeichnung für diese überschaubare Region.“ Roald Pauli, Alleinvorstand der Brauerei Park-Bellheimer.

Anzahl der Stimmen

Sportlerinnen

Marlene Hüther (Schwimmen): 820

Alisa Dahler (Boxen): 475

Elisa Burkholder (Handball): 453

Anke Schmitt (Pferdesport): 227

Jasmin Külbs (Judo): 92

Sportler

Raphael Holzdeppe (Leichtathletik): 842

Felix Drumm (Radsport): 460

Erik Bischof (Turnen): 336

Moritz Bartels (Schwimmen): 300

Till Pallmann (Schwimmen): 139

Mannschaften

Jasmin Glahn/Mara Marschall (Pferdesport): 586

EHC Zweibrücken (Eishockey): 523

SV 64 Zweibrücken, Herren (Handball): 398

SV Großsteinhausen (Fußball): 340

SV 64 Zweibrücken, A-Jugend (Handball): 203

Die Sieger 2006-2015

2006

Frauen: Kerstin Müller (Pferdesport)

Männer: Jens Werrmann (Leichtathletik)

Mannschaft: Helmholtz-Gymnasium Zweibrücken (Turnen)

2007

Frauen: Ingeborg Franke (Leichtathletik)

Männer: Helmut Dehaut (Leichtathletik)

Mannschaft: TTC Riedelberg (Tischtennis)

2008

Frauen: Lena Zimmermann (Fußball)

Männer: Florian Schmidt (Schwimmen)

Mannschaft: VB Zweibrücken (Fußball)

2009

Frauen: Kristina Gadschiew (Leichtathletik)

Männer: Neil Pallmann (Schwimmen)

Mannschaft: Wsf Zweibrücken (Schwimmen)

2010

Frauen: Isabell Leiner (Klettern)

Männer: Till Wöschler (Leichtathletik)

Mannschaft: SG Rieschweiler (Fußball)

2011

Frauen: Johanna Becker (Turnen)

Männer: Felix Bartels (Schwimmen)

Mannschaft: SV Stambach (Sportschießen)

2012

Frauen: Anne Oberle (Pferdesport

Männer: Felix Bartels (Schwimmen)

Mannschaft: Helmholtz-Gymnasium (Turnen)

2013

Frauen: Marlene Hüther (Schwimmen)

Männer: Erik Durm (Fußball)

Mannschaft: SV 64 Zweibrücken (Handball)

2014

Frauen: Marlene Hüther (Schwimmen)

Männer: Erik Durm (Fußball)

Mannschaft: SV 64 Zweibrücken (Handball)

2015

Frauen: Marlene Hüther (Schwimmen)

Männer: Raphael Holzdeppe (Leichtathletik)

Mannschaft: Jasmin Glahn/Mara Marschall (Pferdesport)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)