Beim grandiosen Sieg des Niederländers Menno Vloon samt Landesund Meeting-Rekord muss sich Lokalmatador Raphael Holzdeppe ohne gültigen Versuch früh geschlagen geben. Der Ex-Weltmeister bleibt aber gelassen. Für Vereinskollege Daniel Clemens läuft es beim Heimspiel nach überstandener Magen-Darm-Grippe gar nicht schlecht: Der Mörsbacher überspringt 5,20 Meter und wird Elfter, die DM-Norm riss er zweimal.

Zweibrücken. Die Sieger waren andere (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete), aber natürlich stand Lokalmatador Raphael Holzdeppe am Samstagabend im Westpfalzstadion im Mittelpunkt. Das merkte man daran, dass für den Weltmeister von 2013 der Applaus bei der Vorstellung der Athleten am lautesten war. Das merkte man daran, dass es doch den einen oder anderen Zuschauer gab, der nach dem Ausscheiden des aktuellen Deutschen Hallenmeisters frühzeitig den Weg nach Hause antrat. Und daran, dass Holzdeppe nach dem Wettbewerb das beliebteste Ziel von Schnappschussund Autogrammjägern war.

Holzdeppe erfüllte diese Aufgaben mit der für ihn typischen Gelassenheit, auch wenn er daher sicher den einen oder anderen Sprung der Konkurrenz verpasste, den er vielleicht gerne gesehen hätte, und meinte: „Das macht ja Spaß, und es ist ja schön, wenn man den Kindern eine Freude machen kann.“

Weniger Freude hatte Holzdeppe zuvor am eigenen Wettkampf, in dem er seine Einstiegshöhe von 5,50 Metern nicht schaffte. Natürlich wird er sich mit seinem Trainer Andrei Tivontchik die Fehler noch mal anschauen (falls das nicht schon geschehen ist) und daran feilen, dass beim nächsten Wettkampf der Anlauf – Holzdeppe lief erstmals in dieser Saison aus 16 Schritten an – besser klappt. Aber für den Athleten des LAZ Zweibrücken war der Himmelsstürmer-Cup trotz des Heimspieles natürlich nicht der wichtigste Wettkampf des Jahres, auch wenn er anmerkte: „Es macht immer Spaß hier zu springen, und es waren auch echt viele Leute da. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Hallenstürmer-Cup im Winter und den Himmelsstürmer-Cup 2018.“

Der nächste richtig wichtige Wettkampf sind für Holzdeppe die deutschen Meisterschaften in vier Wochen in Erfurt, davor stehen noch die Springen in Dessau, Paris und Lausanne an – und vielleicht ein Einsatz bei der Team-EM im Nationaltrikot in zwei Wochen. Welcher Stabhochspringer Deutschland dort vertritt, entscheidet sich erst nach dem Springen in Dessau am Donnerstag.

Holzdeppes Vereinskollege Daniel Clemens erlebte am Samstag eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Beim Aufwärmen hatte der 25-Jährige das Gefühl, „dass es ein richtig guter Wettkampf werden kann“. Im Einspringen klappte beim Mörsbacher dann ziemlich wenig – er lief beim Anlauf meist durch: „Da habe ich mir schon gedacht, wenn ich im Springen wenigstens einmal abheben, dann wäre es schon ein Erfolg.“

Das gelang ihm dann gleich bei seiner Einstiegshöhe von 5,00 Metern. Die 5,20 Meter sprang der Deutsche Hochschulmeister im zweiten Versuch. Die 5,35 Meter, das wäre eine neue Saisonbestleistung gewesen, riss er zweimal, bevor er beim dritten Versuch den Anlauf abbrechen musste – ein Krampf in der Wade. „Das ist natürlich ärgerlich“, sagte Clemens, der die Probleme auf einen Mineralstoffmangel als Nachwirkung von Magen-Darm-Problemen vor rund einer Woche zurückführte: „Ich habe den Anlauf abgebrochen, bevor etwas kaputt geht.“

Clemens hätte die 5,35 Meter gerne überquert, weil er dann auch die Qualifikationsnorm für die deutschen Meisterschaften abgehakt hätte (5,30). Der springt er nach seiner Außenbandverletzung vom Vorjahr weiter hinterher, ist aber zuversichtlich, sich für die nationalen Titelkämpfe zu qualifizieren. „Ich habe ja noch ein paar Wochen Zeit.“ Druck verspürt er jedenfalls keinen. So wie er am Samstag keinen Druck verspürte – trotz des Heimspiels. „Ich konnte ja eigentlich in meiner Situation nur etwas gewinnen“, meinte Clemens.

Wörtlich beim Himmelsstürmer-Cup

„Wir sind richtig voll heute.“

Meeting-Moderator Michael Werling. Gemeint waren die Zuschauerplätze.

„Ich fahre auf jeden Fall nach London. Entweder als Athletin, wenn ich mich für die WM qualifiziere. Ansonsten als Zuschauerin.“

Anjuli Knäsche, die Siegerin bei den Frauen.

„Die WM ist mein Traumziel, die Universiade wäre mehr so eine Art Trostpflaster.“

Noch mal Frauen-Siegerin Knäsche, diesmal über ihre Hoffnungen bezüglich eines Starts im Nationaltrikot in diesem Jahr.

„Die Kulisse bei so einem Heimspiel pusht einfach unglaublich.“

Daniel Clemens vom LAZ Zweibrücken.

„Ich weiß auch nicht, wie der Bernhard das macht. Er zaubert da immer einen Springer aus dem Hut, der voll einschlägt.“

Alexander Vieweg über Bernhard Brenner, seinen Partner in der Organisationsleitung des Himmelsstürmer-Cups sowie im LAZ-Vereinsvorstand, und dessen glückliches Händchen bei der Verpflichtung des Männer-Siegers Menno Vloon, der am Samstag mit 5,85 Metern Meeting-Rekord sprang.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
10.–11.06.2017 Himmelsstürmer-Cup 2017 Zweibrücken (Deutschland)