Peking. Am Dienstag ist Christin Hussong in Peking gelandet, am Mittwochmorgen hat die Speerwerferin ihren Papa und Trainer Udo zum ersten Mal in China getroffen und am Mittwochnachmittag dann schon leicht trainiert. Heute wird sie bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften ab 14.25 Uhr MESZ (live in ZDF und Eurosport) in der zweiten Qualifikationsgruppe werfen.

„Man hat ja nicht die Wahl, aber wenn ich sie gehabt hätte, hätte ich auch die zweite, spätere Gruppe gewählt. Da weiß ich, was ich werfen muss. Ich glaube nicht, dass ich dann verkrampfe, sondern dass mich das dann eher noch mehr pusht“, sagte die 21-Jährige. Die Regel lautet: Wer 63,50 Meter wirft, ist direkt im Finale am Sonntag. Ansonsten schaffen es die zwölf Besten. 33 Speerwerferinnen treten an, die Südafrikanerin Sunette Viljoen führt mit 66,62 Metern das Feld an. Keine Frage: Christin Hussong hat vorerst ein Ziel; sie will die Qualifikation überstehen, was kein Selbstläufer ist. Zwar steht sie mit 65,60 Metern(erzielt im Juli beim Gewinn der U23-EM) auf Platz sieben der Weltjahresbestenliste, aber Papier ist geduldig, das weiß sie.

Auf der südkoreanischen Insel Jeju weilte sie gemeinsam mit Katharina Molitor (Bayer Leverkusen) zum Vorbereitungscamp, Titelverteidigerin Christina Obergföll (Offenburg) kam direkt nach Peking, Linda Stahl (Leverkusen) flog früher in Jeju los. „Das Camp war gut, wir hatten aber Angst, dass wir nicht fliegen können, weil ein Taifun angekündigt war, der ist aber nach Japan abgedriftet“, berichtet die LAZ-Athletin. „Jetzt geht es einfach darum, dass man die Spannung behält, dass man fit wird in den Beinen, dass oben rum alles funktioniert, und dann steht immer wieder die Physiotherapie an.“

Ihre Eltern sind am Montag gekommen, Vater Udo ist über den Verband offiziell akkreditiert. Er ist so oft wie möglich um sie herum, und wenn nicht, gibt es ja das Telefon. „Wenn ich mit ihm was abklären muss, dann rufe ich ihn an, dann sind mir die Kosten egal, auch wenn’s mal 20 Euro kostet“, erzählt die Herschbergerin.

Am Montag waren ihre Eltern live dabei, als ihr Vereinskollege vom LAZ Zweibrücken, Raphael Holzdeppe, Silber im Stabhochsprung holte. Am Mittwoch sahen sie die Speerwurf Entscheidung der Männer. „Der Druck liegt sicherlich auf den anderen“, sagte Hussong. Dass sie ihrer ersten Weltmeisterschaft bei den Aktiven gelassen entgegenschauen kann, hat mehrere Gründe: Hussong ist die jüngste Starterin im Feld. Bleibt sie gesund, liegen noch viele internationale Herausforderungen vor ihr. Sie hat ihren ersten Saisonhöhepunkt mit Bravour gemeistert: Im Juli sicherte sie sich in Tallinn den Titel als U23-Europameisterin.

„Das Teilnehmerfeld ist hochklassig und liegt ganz eng beisammen“, schätzt Hussong die Lage wie ihre Mannschaftskollegin Obergföll ein, die kürzlich in einem Interview feststellte, dass sehr viele Athletinnen um die Medaillen werfen werden. Der goldene Traum, der eine Wurf, bei dem alles stimmt. „Darauf arbeiten wir im Training ja immer hin“, sagt Udo Hussong. Auf den perfekten Moment, in dem alles stimmt im Ablauf und der Speer weit fliegt. Zwei solche Momente hatte Hussong in ihrer Karriere schon. Im Juli 2011, als sie in Lille U18-Weltmeisterin wurde. Und im Juli in Tallinn. Hussong kennt auch andere Momente. 2010 bei den Youth Olympic Games in Singapur passte nichts. Platz vier. Einer Konkurrentin gelang der Wurf ihres Lebens. „Auch das ist möglich“, sagt Hussong aus leidvoller Erfahrung und fügt lachend an: „Warum soll nicht mir dieser Wurf gelingen?“

Dass sie in Peking startet, sei zu Jahresbeginn bereits der Plan gewesen, erzählt Udo Hussong. Vier Startplätze für Deutschland gibt es, da Obergföll als Weltmeisterin eine Wildcard hat. „Die Saison lief richtig gut für mich“, bilanziert Christin Hussong. Das Wichtigste ist neben dem U23-EMTitel „die Konstanz“, sagt die Sportstudentin. Im Mai in Jena 60,81 Meter, im Juni in Prag 60,96 Meter, in Wetzlar bei der U23-DM 61,57 Meter. Es folgten der Traumwurf von Tallinn und im Juli bei den deutschen Meisterschaften 61,19 Meter. Die hätten Selbstbewusstsein gegeben, erklärt Hussong. Sie war nicht in Top-Form– und trotzdem flog der Speer weit.

Sie freut sich auf das Olympiastadion, Vogelnest genannt. Nervosität? Auf dem Weg zum Stadion sei sie immer nervös. Sobald sie ein Stadion betrete, egal wie groß und gut gefüllt es sei, „bin ich auf den Wettkampfbereich fokussiert“, sagt sie.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)