Eigentlich hätte der in Saarbrücken lebende Stabhochspringer Raphael Holzdeppe gar nicht nach Rio de Janeiro reisen dürfen – trotzdem träumt der Vize-Weltmeister vom LAZ Zweibrücken von einer Medaille.

Rio de Janeiro. Die Seuchen-Saison ist abgehakt. Die Form stimmt. Das Selbstvertrauen ist zurück. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe peilt bei den Olympischen Spielen eine Medaille an. „Die Chance ist auf jeden Fall da. Daran glaube ich, das ist kein Wunschdenken von mir“, sagt der Vize-Weltmeister vom LAZ Zweibrücken.

Dabei hätte Holzdeppe streng genommen nicht den Flieger nach Rio de Janeiro betreten dürfen. Bis zum Ablauf der Nominierungsfrist Mitte Juli hatte der 26-Jährige die Qualifikations-Höhe von 5,70 Meter nicht gemeistert. Weil aber nur zwei Athleten die Höhe gesprungen waren, machte der Deutsche Olympische Sportbund auf Vorschlag des deutschen Leichtathletik-Verbandes für den Ex-Weltmeister eine Ausnahme. „Ich muss gestehen: Ich war extrem nervös“, sagt Holzdeppe über die Stunden, in denen er um die Teilnahme bangen musste: „Die Erleichterung danach war natürlich sehr groß.“

Seitdem die Last abgefallen ist, läuft es auch wieder. Bei einem letzten Test vor der Abreise nach Brasilien sprang Holzdeppe 5,70 Meter. Er tankte nach seiner schweren Verletzung Selbstvertrauen. An diesem Samstag (1.20 Uhr) darf der Freund von Weitspringerin Sosthene Moguenara vom LAZ Saar 05 Saarbrücken zur Qualifikation für das Finale am Montag (1.35 Uhr) ran. Im vergangenen Winter hatte sich Holzdeppe einen Anriss des Außen- und Innenbandes im Sprunggelenk sowie der Syndesmose im Absprungbein zugezogen. Lange war nicht klar, ob er es zu seinen dritten Olympischen Spielen schafft. Es seien die „am härtesten erkämpften meiner Karriere“, sagt er. Und weil die Probleme mittlerweile „völlig ausgestanden“ sind und Holzdeppe wieder „alles“ trainieren konnte, traut er sich zu, Weltmeister Shawn Barber aus Kanada und den französischen Überflieger Renaud Lavillenie zu ärgern.

„Diesen Sommer hat es überraschenderweise noch keiner über sechs Meter geschafft. Das ist Novum im Vergleich zu den vergangenen Jahren“, sagt Holzdeppe, der 2015 seine Bestleistung auf 5,94 Meter geschraubt hatte: „Aber dafür gibt es wiederum eine Menge Athleten, die über 5,90 gesprungen sind. Dementsprechend wird es nicht einfach werden, in die Medaillenränge vorzudringen, aber auch nicht unmöglich.“

Mit seinen 5,70 Meter liegt Holzdeppe nur auf Rang 17 der Weltrangliste, aber der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska sagt, Holzdeppe werde „aus der Verfolgerposition heraus angreifen“.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)