Zum letzten Mal misst sich Kristina Gadschiew heute Abend mit der Stabhochsprung-Konkurrenz, zum letzten Mal setzt die Athletin des LAZ Zweibrücken in Jockgrim zu Höhenflügen an. Danach ist Schluss.

Zweibrücken. Ein etwas mulmiges Gefühl beschleicht Kristina Gadschiew schon. Allein bei dem Gedanken, dass es nun wirklich ihr letzter Wettkampf sein wird. Vor 16 Jahren ist sie erstmals für das LAZ Zweibrücken gestartet, heute Abend greift die 32-Jährige in Jockgrim zum letzten Mal zum Stab. Zumindest in einem Wettbewerb. "Es ist ganz komisch, so richtig vorstellen kann ich mir noch nicht, dass es das danach war. Aber ich habe es mir so vorgenommen und mache das jetzt auch so“, erklärt die 1984 in Wassiljewka (Kirgisistan) geborene und heute in Hornbach lebende Athletin gestern. "Ein bisschen traurig bin ich aber schon, obwohl ich weiß, dass es jetzt Sinn macht.“

Das Olympiajahr 2016 wollte die angehende Gymnasiallehrerin für Sport und Chemie noch mitnehmen. Auch nach dem Achillessehnenabriss im Sommer 2014 wollte sie diese letzte Chance auf eine Teilnahme an den Spielen nicht einfach verstreichen lassen, hat sich auch nach Rückschlägen immer wieder herangearbeitet. Doch für diesen einen unerfüllten Traum hat es nicht mehr gereicht, weit weg von der Norm für Rio (4,50m) habe zuletzt einfach auch die Konstanz gefehlt. "Leider ist es nicht das Ende, das ich mir vorgestellt habe, natürlich fehlen mir die Olympischen Spiele“, erklärt Gadschiew, aber nachtrauern will die lebensfrohe Höhenfliegerin dem nicht mehr. Denn viel hat sie in ihrer Karriere gemeinsam mit Trainer Andrei Tivontchik erlebt. Startete bei Welt- und Europameisterschaften sowie zwei Universiaden. Ihren größten internationalen Erfolg feierte Gadschiew im März 2011 mit Bronze bei der Hallen-WM in Paris, kurz zuvor hatte sie ihre Hallenbestmarke auf 4,61 Meter hochgeschraubt. Nur ein Jahr später allerdings verpasste sie bei der DM die Quali zu den Olympischen Spielen in London knapp. 2013 folgte der Sieg bei der Hallen-DM mit 4,60 Metern. Die Freiluft-Bestmarke von Gadschiew liegt bei 4,66. In ihren Anfängen hatte sie selbst an solch eine "tolle“ Karriere nicht geglaubt. Mit großem Ehrgeiz und viel hartem Training hat es Kristina Gadschiew aber geschafft, sich mit den Besten messen zu können.

Dass ausgerechnet in Jockgrim diese Karriere enden soll, hat zwei Gründe. Zum einen habe es vom Zeitpunkt her einfach gut gepasst, zum anderen "ist in Jockgrim immer eine wirklich coole Stimmung. Das machen die Veranstalter richtig gut“, freut sich Gadschiew trotz allem Wehmut auch auf den letzten Auftritt. "Ich will einfach noch einmal positiv in den Wettkampf gehen – und hoffentlich auch einen positiven Sprung zeigen“, formuliert Gadschiew, die bei der DM in Kassel einen salto nullo hingelegt hatte, lachend ihr Ziel für heute Abend. "Hoffentlich gelingt das und ich zerbreche nicht gleich in Trauer.“

Danach ist für Kristina Gadschiew erst einmal Urlaub angesagt, einmal abschalten, die Eindrücke auf sich wirken lassen. Gleich am Donnerstag geht es mit ihrem Mann nach Menorca. Doch ganz ohne Training kann sie sich ihr Leben auch danach nicht ausmalen. "Ich kann es mir nicht vorstellen, nicht zu trainieren. Das ist einfach im Tagesablauf drin. Es ist einfach ein Teil von meinem Leben, der mir Spaß macht. Das ist ja keine Arbeit, ich mache das für mich“, erklärt Kristina Gadschiew und schiebt mit ihrem gewohnt ansteckenden Lachen nach: "Ich will ja nicht fett werden.“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
18.–19.07.2016 Stabhochsprung-Meeting Jockgrim 2016 Jockgrim (Deutschland)