Es gibt nur wenige Leistungssportler, die ihre Erfolge derart vermarkten können, dass sie nach der Karriere auch finanziell abgesichert sind. Besonders bei den Schwimmern sind die Heroen dünn gesät, wenn man einmal von Michael Groß und Franziska van Almsick absieht, die ihre Erfolge in Bares ummünzen konnten.

Doch diese geringen Chancen, sich auf seinen früheren Lorbeeren ausruhen zu können, hat sicherlich auch den frischgebackenen Polizei-Europameister der vergangenen Woche im spanischen Avilon, Frank Schmidt, dazu bewogen, sich eine gesicherte berufliche Existenz zu schaffen, ohne sich allein auf seine sportliche Erfolge zu stützen. Deshalb hat der frühere Deutsche Meister über 200 Meter Brust von der Wassersportfreunde Zweibrücken auch nach seinem Abitur Mittel und Wege gesucht, um Beruf und Sport miteinander zu verbinden. Das schien ihm am besten bei der Polizei zu gelingen, und wie der jüngste Erfolg gezeigt hat, ist ihm der Spagat zwischen den beruflichen und den sportlichen Anforderungen gelungen.

Dabei hat der angehende Polizei- Kommissar billigend in Kauf genommen, dass er sein ursprüngliches Pensum von bis zu zehn Trainingseinheiten pro Woche unter Landestrainer Fischer und seinem Assistenten Hannes Vitense an der Sportschule in Saarbrücken auf nunmehr zwei zurückgeschraubt hat. Mehr lässt der Dienst am Ausbildungszentrum der rheinlandpfälzischen Polizei auf dem Flughafen Hahn nicht zu. Extrawürste gibt es nicht.

Doch die Liebe zum Schwimmen hat Frank Schmidt nicht verloren. Allerdings ist der Leistungsgedanke etwas nach hinten gerückt, und er ist für die Startgemeinschaft Max Ritter in Saarbrücken nur noch in den Mannschaftsrennen der Bundesliga am Start. Dabei hat der Zweibrücker unterstrichen, dass er trotz eines deutlich geringeren Trainingsaufwandes immer noch zu den besten Brustschwimmern in Deutschland gehört. Wenngleich er in den vergangenen drei Jahren nicht mehr bei Deutschen Einzel-Meisterschaften angetreten war. Doch wird sein Erfolg auf europäischer Ebene keineswegs dadurch geschmälert, dass einige Spitzenschwimmer bei der WM in Italien an den Start gegangen sind. Vielmehr hat dieser Erfolg erneut gezeigt, dass auch Leistungssportler im Schwimmen hie und da festen Boden unter den Füßen brauchen. Zumindest beruflich. Das macht zumindest in den entscheidenden Phasen Kräfte frei, wenn die Konzentration gezielt auf die anstehende Aufgabe gelenkt wird. Deshalb darf Frank Schmidt für sich in Anspruch nehmen, dass er bei den Europameisterschaften den vermeintlichen Favoriten ein Schnippchen geschlagen hat. Er war auf die Minute topfit.

Das macht aber gleichzeitig den übrigen Zweibrücker Leistungssportlern Mut, die duale Ausbildung zu forcieren, sprich Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen. Mut hat bereits im Frühjahr der Hürdensprinter des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, Jens Werrmann gemacht. Er hatte durch seine Verletzungsserie in den vergangenen beiden Jahren hautnah erfahren, wie vergänglich die vorherigen Erfolge sind, wenn der Körper streikt. Ist nun einmal der Körper das Kapital der Leistungssportler. Und Verletzungen sind mit der derzeitigen Wirtschaftskrise zu vergleichen. Das Kapital lässt sich nicht mehr verzinsen.

Deshalb ist bei den Wassersportfreunden als auch dem LAZ hervorzuheben, dass die Verantwortlichen klare Verfechter der dualen Ausbildung sind. Sie stärken den Athleten den Rücken, selbst wenn sie für kurze Zeit aufgrund der Doppelbelastung nicht mehr an ihre Höchstleistungen anknüpfen können. Doch Werrmann und auch Frank Schmidt, der in den letzten Urlaubswochen noch einmal sein Trainingspensum an frühere Umfänge herangefahren hat, haben gezeigt, dass sie ruckzuck wieder Höchstleistungen abrufen können, wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind, die ein Leistungssportler braucht.

Jens Werrmann hat auf Anhieb wieder den Sprung in die deutsche Spitze geschafft und darf sich gar noch Hoffnungen machen, als Ersatzmann zur WM nach Berlin zu fahren. Und auch Frank Schmidt hat gezeigt, dass er zumindest auf den Bruststrecken als Paradedisziplinen noch nicht abgeschrieben werden darf. Das haben seine Konkurrenten bei der Polizei-EM deutlich zu spüren bekommen.