Kristina Gadschiew vom Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken gehört zu den weltbesten Stabhochspringerinnen. Das hat die 25-jährige Lehramtsstudentin für Chemie und Sport an der Uni Kaiserslautern nicht erst bei der jüngsten Hallen-Weltmeisterschaft in Doha, der Hauptstadt von Katar am Persischen Golf, bewiesen. In dem erlesenen Springerfeld mit der neuen Weltmeisterin Fabiana Murer (4,80 Meter) aus Brasilien und der Weltrekordlerin Yelena Isinbajewa (Russland/4,60 Meter) wurde die Hornbacherin mit 4,40 Metern Siebte unter den besten Acht. Als einzige Deutsche hatte sich die Zweite der Hallenmeisterschaften von Karlsruhe (4,60 Meter) für das Finale qualifiziert.

Auf leisen Sohlen ist Kristina Gadschiew, die am 3. Juli 1984 in Wasiljewka in Russland als Tochter einer Deutschen und eines Russen geboren wurde, in die Weltspitze vorgedrungen. Entscheidenden Anteil an der Leistungsentwicklung der Stabhochspringerin, die unter Helmut Kruber ihre ersten Stabhochsprungversuche unternahm, hat der heutige Bundestrainer der Frauen, Andrei Tivontchik. Bei einem Sichtungstraining des LAZ im Gymnasium war das Talent entdeckt worden.

Unter Tivontchik hat sich die Studentin, die zu den Vielspringerinnen in Europa gehört, kontinuierlich von einst 4,22 Metern (2005) gesteigert. Von den Olympischen Spielen in Peking 2008 abgesehen, die sie nur am Fernseher verfolgen konnte, war die zweifache Deutsche Hochschulmeisterin seit zwei Jahren bei allen hochkarätigen internationalen Wettbewerben am Start. Die Silber und Bronzemedaillengewinnerin der Universiade (WM der Studenten) von Bangkok (2007) und Zagreb (2009) war Fünfte bei der Hallen-Europameisterschaft von Turin, Zehnte der Weltmeisterschaft von Berlin und nunmehr Siebte in Doha.

Diese Steigerung der sympathischen Athletin, deren Markenzeichen die geschwärzten Hände sind, mit denen sie ihre Griffigkeit am Stab erhöht, verdient schon deshalb Anerkennung, weil sie, im Gegensatz zu vielen Weltklasseathletinnen, ihre berufliche Ausbildung nicht vernachlässigt. Wenngleich sie hie und da den Spagat zwischen Uni-Prüfungen und ihren internationalen Einsätzen wagen muss, so hat sie stets den Abschluss ihres Studiums vor Augen. Vielleicht ist die Leichtigkeit, wie sie mit ihrem Sport als schönste Nebenbeschäftigung umgeht, der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Wobei es ihr aber keineswegs an Zielstrebigkeit mangelt. Sie baut jeweils auf der Höhe des Vorjahres auf. Damit legt sie bereits zu Beginn der Hallen- oder Sommersaison ihre Messlatte fest.

In die Hallensaison 2009/2010 war die Stabhochspringerin allerdings mit geringen Erwartungen gegangen, da sie sich zu Beginn mit einer hartnäckigen Oberschenkelverhärtung herumplagen musste. Doch anschließend steigerte sie ihre bisherige Bestleistung von 4,40 Metern kontinuierlich, bis sie schließlich 4,60 Metern bei der DM in Karlsruhe überquerte. Nur aufgrund der Mehrversuchsregelung musste sie sich hier Carolin Hingst (USC Mainz) geschlagen geben.

Mit dieser Höhe hat Kristina Gadschiew ihre Freiluftbestleistung von 4,58 Meter übertroffen. Und Trainer Andrei Tivontchik ist sich sicher, dass sie noch Potenzial nach oben hat. Denn das erklärte Saisonziel ist die Europameisterschaft in Barcelona Ende Juli/Anfang August. Das ist keine utopische Mission, denn sie hat beileibe noch nicht ihren Leistungszenit erreicht. Erreicht hat die Stabhochspringerin, dass sie neben dem Olympia-Achten von Peking im Stabhochsprung, Raphael Holzdeppe, und dem EM-Sechsten von 2006, Jens Werrmann, mit der Mittelstrecklerin Alin Krebs zu den Aushängeschildern des LAZ bei den Aktiven gehört.

Der Vorsitzende des LAZ, Josef Scheer, ist voll des Lobes über seine Vorzeigeathletin, die keinerlei Allüren kennt. Sie engagiert sich auch innerhalb des Vereins, hilft bei der Organisation von Veranstaltungen und trainiert bei Bedarf den Stabhochsprung-Nachwuchs und gibt Hilfestellung. Kristina Gadschiew ist eine Spitzenspringerin zum Anfassen. Sofern man die 25-Jährige nicht gerade beim Training mit ihren geschwärzten Händen antrifft. Hier reicht sei vorsichtig ihren rechten Unterarm zur Begrüßung hin, um bei ihrem Gesprächspartner keine eindeutigen Spuren zu hinterlassen. Sie setzt lieber ihre Duftmarken in den Wettkämpfen, wobei das erklärte Ziel der A-Kader-Athletin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes die Olympischen Spiele 2012 in London sind.

Was die Stabhochspringerin so sympathisch macht: Kristina hebt in den Wettkämpfen erfolgreich ab, ohne aber jemals die Bodenhaftung beim LAZ verloren zu haben.