Zweibrücken. „Das musste ich einfach versuchen. So was erlebst du nie wieder“, sagt Salome Schlemer, Stabhochspringerin des LAZ Zweibrücken. Während Disziplinkollege Raphael Holzdeppe bei Olympia in Rio um Medaillen springt, Bundestrainer Andrei Tivontchik die Frauen berät und Christin Hussong ihren Speer fliegen lässt, nimmt Schlemer gemeinsam mit Hammerwerferin Hanna Luxenburger und Sprinterin Sina Mayer am Olympischen Jugendlager der Sportjugend Rheinland-Pfalz teil. Am Montag hebt das Trio in Frankfurt ab – und hat drei Wochen in Brasilien vor sich.

1999 Euro Eigenanteil hat jede von den Dreien geleistet, um in Rio dabei zu sein – und dafür wohnen sie im Kloster, Übernachtung mit Frühstück. „Im Norden von Rio de Janeiro, einen Kilometer entfernt vom bekannten Maracana-Stadion, das Viertel heißt Bairro Tijuca“, erzählt die Niederauerbacherin Hanna Luxenburger. Nicht selbstverständlich: Das Olympia-Jugendlager kam erst durch die Kontakte eines Sportwissenschaftlers aus Mainz, der mit Kontakten für eine günstige Unterkunft geholfen hatte, überhaupt zustande. 2012, in London, war es sogar erstmals ausgefallen.

Die 20-jährige Luxenburger, die beim LAZ eine eigene, neue Gruppe für Werfer ab zwölf Jahren leitet und LAZ-Trainer Klaus Klein bei den Mehrkämpfern unterstützt, war durch ein Flugblatt in der Dieter-Kruber-Halle auf das Jugendlager aufmerksam geworden. Das Kuriose: Keine der drei Sportlerinnen wusste, dass sich die anderen auch beworben hatten. Erst in der heißen Anmeldephase sickerte durch: „Wie, du hast dich auch beworben?“ „Wir mussten das einfach probieren, sonst würden wir es später sicher bereuen“, meinte Salome Schlemer.

Nach Ablauf der Anmeldefrist saß das Trio auf glühenden Kohlen, rund 75 Bewerbungen gab es für am Ende nur 40 Teilnehmerplätze. Neben der Belohnung für sportlichen Leistungen zählte vor allem soziales Engagement im Verein und Verband. Wie noch kurz vor der Abfahrt nach Rio de Janeiro: Da halfen alle drei beim vereinseigenen Sommercamp rund um die LAZ-Halle, rund 40 Kinder zu hüten – bei der Wasserbombenschlacht, beim Obst schnippeln für den Obstsalat und beim Filmabend samt Übernachtung in der Halle.

Am 23. Dezember vergangenen Jahres erhielten zuerst Sina Mayer aus Schönenberg-Kübelberg, die Gesundheitsmanagement in Saarbrücken studiert und beim LAZ ihren praktischen Teil der Ausbildung absolviert, und dann Luxenburger, die Jurastudentin in Saarbrücken im zweiten Semester, die Zusagen für ihre Rio-Tickets. Bei der 21-jährigen Schlemer war es ungleich schwieriger. Sie war über Weihnachten gerade auf Heimaturlaub in Breitbrunn am Chiemsee – und die Post lag in Zweibrücken im Briefkasten. „Ich konnte nicht bis Januar abwarten, hab’ meine Nachbarin angerufen und gesagt, sie soll ins Brieffach langen und nachschauen“, meinte die Studierende der Medieninformatik im vierten Semester an der Fachhochschule lachend. Die Bayerin hatte vor eineinhalb Jahren einen Ort gesucht, wo sie weiter Stabhochsprung machen kann – und erst dann mal geschaut, was man in Zweibrücken so studieren kann.

Das Programm der Sehenswürdigkeiten wollen die Drei gleich in den ersten Tagen, noch vor Beginn der eigentlichen Wettkämpfe am 5. August, abhaken: Christus-Statue, Copacabana, Zuckerhut. Wie sie sich dabei verhalten sollen, wurde ihnen bei einem Vorbereitungstreffen der Sportjugend Mitte Juli in Mainz ans Herz gelegt. „Immer mindestens zu dritt unterwegs sein“, sei eine der Regeln. „Man hat das schon alles im Hinterkopf“, sagt Sina Mayer zu den Terroranschlägen der jüngsten Zeit quer durch Deutschland und Europa. „Aber wir wollen uns davon nicht abschrecken lassen“, meinte Luxenburger. Auch nicht vom Zika-Virus; gegen was man sich sonst alles impfen lassen sollte, bekam das Trio vorher ebenfalls mitgeteilt.

Sieben Eintrittskarten haben sie bereits: für Wettkämpfe im Fechten, Rudern, Beachvolleyball, Turnen und die Leichtathletik – und wollen sich vor Ort noch weitere besorgen. Live dabei zu sein, sei einfach was anderes, findet Mayer. Schlemer möchte gerne auch andere Sportarten sehen, wie zum Beispiel Gewichtheben. „Auf die Leichtathletik freuen wir uns natürlich am meisten. Da ist das 200-Meter-Halbfinale der Frauen und das Stabhochsprung-Finale der Männer dabei. Wir wollen ja auch unsere Leute anfeuern“, sagt Sina Mayer, die nach der Hallensaison den Trainer wechselte. „Ich bin seit 2009 bei Karl-Heinz Werle gewesen und ihm sehr dankbar für alles. Aber ich brauchte einfach neue Impulse“, sagt sie mit Blick auf den neuen Coach Christian Stütze.

Daneben hoffen die Drei, auch das olympische Dorf mal von innen sehen zu können. „Raphael (Holzdeppe) und Andrei (Tivontchik, Anm.d.Red.) dürfen pro Tag ja eine Person angeben, die sie mit reinnehmen können“, erklärt Luxenburger. Mitnehmen nach Rio muss Sina Mayer ihre BWL Unterlagen, nach der Rückkehr am 19. August steht gleich montags eine Klausur an. Die anderen müssen ihre Klausuren zum Teil im September nachschreiben. Zurzeit alles Nebensache: „Die ganze Zeit musste nur einer Rio sagen, danach konnte ich einfach nicht mehr schlecht drauf sein“, stellt Schlemer lachend fest.

Im offiziellen Polo-Shirt der Sportjugend Rheinland-Pfalz (von links): Die drei Sportlerinnen des LAZ Zweibrücken, Salome Schlemer, Hanna Luxenburger und Sina Mayer, freuen sich riesig auf ihre Reise nach Rio.
Im offiziellen Polo-Shirt der Sportjugend Rheinland-Pfalz (von links): Die drei Sportlerinnen des LAZ Zweibrücken, Salome Schlemer, Hanna Luxenburger und Sina Mayer, freuen sich riesig auf ihre Reise nach Rio. (Foto: Steinmetz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)