Zweibrücken. Thomas Zehfuß, Trainer der Läufergruppe des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken verlässt zum Jahresende das Bundesleistungszentrum und wechselt nach 17 Jahren zum LAZ Zweibrücken. Merkur-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem 53-jährigen A-Lizenz-Trainer.

Thomas Zehfuß
Thomas Zehfuß
(Foto: Kruber)

Herr Zehfuß, fällt Ihnen der Abschied schwer, das LAZ Zweibrücken nach 17 Jahren zu verlassen?

<blockquote><strong>Thomas Zehfuß:</strong> Mit Sicherheit fällt dieser Abschied nicht leicht. Ich denke schon, dass wir in den vergangenen Jahren in Zweibrücken eine Ära geprägt haben und das LAZ auch im Bereich Lauf regional und überregional bekannt gemacht haben. Ich habe 1996 in Zweibrücken als angefangen, nachdem ich zuvor im LAZ-Stützpunkt Thaleischweiler eher Co-Trainer mit drei Läufern war. Über die Jahre hinweg ist es uns gelungen, unsere Laufgruppe zu einer der stärksten im Südwesten oder gar im Bundesgebiet zu machen. Dies mache ich nicht an Deutschen Meisterschaften fest, sondern an der Vielzahl von Athleten, die die Qualifikation zur DM geschafft haben. In diesem Jahr waren es allein sieben Sportler. Wir sind in der Breite sehr gut aufgestellt.</blockquote>

Was gab den Ausschlag, zum LAZ Saarbrücken zu wechseln?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Nach losen Kontakten während der Läuferabende der LSG-Sulzbachtal kam es zu konkreteren Gesprächen, in deren Verlauf uns klar wurde, dass hier etwas Neues heranreifen könnte. Das Aushängeschild des LAZ ist seit Jahren der Stabhochsprung mit seinen nationalen und internationalen Erfolgen. Dazu hat sich der Bereich Wurf gesellt. Wir glauben, dass wir uns in einem Verein, bei dem das Laufen eine gewichtigere Rolle einnimmt, besser weiterentwickeln können. Viele unserer Sportler wurden sofort in den SLB-Landeskader aufgenommen. Das beinhaltet künftig diverse medizinische Betreuungen, wie Leistungsdiagnostik. Zunächst gehen wir die neue Aufgabe offen und positiv an, da während der Gespräche die Chemie im zwischenmenschlichen Bereich gestimmt hat.</blockquote>

Der Wechsel der talentierten Mittelstrecklerin Aline Krebs ist ein harter Schlag für das Bundesleistungszentrum. Werden noch weitere Läuferinnen und Läufer mit Ihnen nach Saarbrücken wechseln?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Mit Sicherheit lag es nicht in unserer Absicht, dem Bundesleistungszentrum einen Schlag zu versetzen. Die Laufgruppe ist ein Kind der Vorstands-Ära Dieter Kruber und Karl-Heinz Werle. Überrascht hat mich, dass fast die gesamte Laufgruppe mit rund 40 Personen den Weg nach Saarbrücken antreten wird. Dieser Zusammenhalt hat auch den Verantwortlichen des LAZ Saarbrücken imponiert.</blockquote>

Sie können mit Ihrer Kaderathletin Aline Krebs weiter im Bundesleistungszentrum trainieren. Werden Sie diese Chance wahrnehmen, oder das Training gänzlich nach Saarbrücken verlegen?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Wir werden zweigleisig fahren. Ein Großteil des Trainings wird in Zweibrücken abgehalten. Wir werden versuchen, eine Art LAZ Saarbrücken/Außenstelle Zweibrücken zu entwickeln, da die Gruppe in dieser Form erhalten bleibt und ihre Eigenständigkeit nicht verlieren soll. Dies war für uns sehr wichtig, da wir die meisten unserer Athleten aus Zweibrücken und dem näheren Umland rekrutieren, sodass keine übermäßigen Fahrten entstehen.</blockquote>

Was waren Ihre größten Erfolge beim LAZ?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Wenn es um Erfolge geht, könnte ich jetzt die vielen Titel meiner Athleten bei diversen Meisterschaften aufzählen. Für mich sehe ich es bereits als riesigen Erfolg an, aus dem Nichts eine solch erfolgreiche Gruppe aus dem Boden gestampft zu haben. Stolz macht es mich, welche Solidarität die Eltern der Läufer zeigen. Als großen Erfolg sehe ich es aber auch an, dass wir es geschafft haben, durch unsere Arbeit viele junge Talente in den Verein zu locken.</blockquote>

Was hat Sie vor 17 Jahren bewogen, das Traineramt beim LAZ Zweibrücken anzunehmen?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Eigentlich war die Sache aus der Not geboren. Ende 1996 wurde die Außenstelle Thaleischweiler aufgelöst. Für die Läufer stand kein Trainer zur Verfügung. Der damalige LAZ-Vorsitzende Dieter Kruber fragte mich, ob ich bereit wäre, in Zweibrücken eine neue Gruppe aufzubauen. Dies erfüllte mich als Trainer ohne Lizenz und aktiver Fußballer mit Stolz, sodass ich anfing, mich in dieses Abenteuer zu stürzen.</blockquote>

Den ehemaligen Langlauftag haben Sie in eine attraktivere Crossveranstaltung rund um die Dieter-Kruber-Halle umgewandelt. Was waren Ihre Beweggründe für diesen Wechsel?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Wir absolvieren jedes Jahr eine komplette Crosslauf-Saison. Bei diesen Veranstaltungen sind die Teilnehmerfelder richtig voll, die Kinder haben Spaß am Laufen. Beim Langlauf-Tag mussten sich viele Schüler ab der Hälfte der Stecken über 800 und 100 Meter quälen. Die Begeisterung und der Eifer, den die Kinder aber beim Cross-Lauf offenbarten, haben gezeigt, dass dies der richtige Weg war.</blockquote>

Welche Talente haben Sie bei Ihren Sichtungen für das LAZ entdeckt?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Aus dieser Sichtung entstammen alle Läufer, die heute zum Kreis der erweiterten nationalen Spitze gehören, wie zum Beispiel Eileen Bischoff, Lisa Sewohl, Laura Müller, Aline Salzmann und im Erwachsenenbereich Aline Krebs. Aktuell entstammt die sehr talentierte Anke Schmidt dieser Sichtungsmaßnahme. Die Liste ließe sich problemlos über Sina Laborenz, Daniel Guth oder Aisha Freyler, die viel zu früh ihre Laufbahn beendet haben, verlängern.</blockquote>

Sie bezeichnen Aline Krebs als ein Ausnahmetalent. Was zeichnet die 23-jährige Einöder Studentin aus, und welche Leistungen erwarten Sie von der B-Kaderathletin in der kommenden Winter- und Sommersaison?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Ein Ausnahmetalent ist der, der mit dem geringsten Aufwand zunächst im Training sehr gute Resultate erzielt, betreibt er seinen Sport profihaft oder wird nebenher studiert oder eine berufliche Lehre absolviert. Aline Krebs hat mit weit weniger Aufwand ähnliche Resultate erzielt, als andere Läuferinnen der deutschen Spitze. Hervorstechende Eigenschaften sind ihr Trainingsfleiß und vielleicht auch die Härte gegen sich selbst. Sie besitzt die Fähigkeit, sich richtig zu quälen. Was sie ebenfalls auszeichnet, ist ihre Vielseitigkeit. So deckt sie das gesamte Spektrum von 200 bis 10 000 Meter ab. Im Sommer peilen wir über 800 Meter eine Zeit und 2:02, über 1500 von 4:10 sowie über 3000 unter 9:30 an.</blockquote>

Sie haben eine ganze Reihe von Talenten in Ihrem Pool. Wem von ihnen trauen Sie zu, es eventuell bis in die nationale Spitze zu packen?

<blockquote><strong>Zehfuß:</strong> Es ist schwer, Prognosen zu stellen, da die Entwicklung eines Talentes nicht linear verläuft. Es wird immer wieder Dellen geben. Zur erweiterten nationalen Spitze gehören Laura Müller, Eileen Bischoff, Aline Salzmann, die einen Spitzenplatz in der 3×800-Meter-Staffel einnehmen, sowie Lisa Sewohl. Auch im Sprintbereich sind wir mit Jannis Wolff, Lilly Preusse, Lukas Hein, Daniel Nagel oder Sandro Carrino sehr gut aufgestellt.</blockquote>
Aline Krebs, überragende Athletin im Team von Trainer Thomas Zehfuß, beim Training im Westpfalzstadion
Aline Krebs, hier beim Training im Westpfalzstadion, ist die überragende Athletin im Team von Trainer Thomas Zehfuß. Foto: voj