Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist ein Werbeträger. Aber nicht nur für das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken, sondern für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) schlechthin. Deshalb kommt es nicht von ungefähr, dass sich der gebeutelte DLV in den Erfolgen des gerade 19 Jahre alt gewordenen Stabhochspringers sonnt. War es doch gerade der Abiturient am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium, der in dieser Saison für einen der wenigen Lichtblicke im DLV sorgte.

Nicht, dass man Raphael Holzdeppe nicht auf der Rechnung hatte. Doch eine solche Leistungsexplosion hatten ihm die wenigsten zugetraut. Außer vielleicht sein Trainer Andrei Tivontchik. Doch er ist einer der ganz Stillen, ein akribischer Arbeiter, der aber nur sehr ungern Aufsehen um seine eigene Person macht. Er lässt lieber die Erfolge seiner Athleten sprechen. Dabei ist es der Olympiadritte von Atlanta 1996 im Stabhochsprung, der die Fäden hinter den Kulissen zieht. Nicht umsonst ist er auch Bundestrainer des Stabhochsprung-Nachwuchses.

Doch alle übrigen Leichtathletik-Talente, sei es bundes- und seit der vergangenen Woche europaweit, hat Raphael Holzdeppe in den Schatten gestellt. Die European Athletic Association (EAA) hat den 19-Jährigen zum besten Nachwuchsathleten Europas gekürt. Das kommt nicht von ungefähr, hat er doch in dieser Saison neben dem Deutschen Jugendrekord auch die beiden Junioren-Weltrekorde in der Halle und im Freien pulverisiert. Ganz zu schweigen von seinem achten Platz bei den Olympischen Spielen in Peking, als er weltweit für Aufsehen sorgte. Sein Alleinstellungsmerkmal in seiner Altersklasse hatte er bei der U 20-WM in Polen mit dem Titel unterstrichen. Er stieg erst in den Wettkampf ein, ohne an seine Leistungsgrenze von 5,80 Meter zu gehen, als die Konkurrenz schon ausgestiegen war.

Wohl wurde Raphael unmittelbar nach den Olympischen Spielen in allen Kanälen herumgereicht, wurde bei der Ehrung durch die Stadt Zweibrücken von Oberbürgermeister Helmut Reichling als „der berühmteste Zweibrücker derzeit“ tituliert, doch scheint das alles an ihm abzuprallen. Freundlich, aber ohne abzuheben, was in seiner Sportart ja zum Tagesgeschäft gehört, hat er alle Lobeshymnen über sich ergehen lassen. Allerdings steht ihm die größte noch bevor. Am 18. Oktober wird er in Amsterdam pffiziell zum europäischen Top-Talent des Leichtathletik-Nachwuchses gekürt.

Doch wie steht es eigentlich mit der Vermarktung? Stehen die Sponsoren Schlange? Mitnichten. Wohl gehört er schon seit der vergangenen Saison zu einem Team, das Nachwuchstalente mit einem Ausbildungsstipendium fördert. Doch sind das bescheidene Beträge, wie etwa auch die 1500 Euro, mit dem nach dem Schlüssel des DOSB der achte Platz in Peking honoriert wurde.

Als Leichtathlet muss man in erster Linie Idealist sein. Sicherlich werden auch Raphaels Erfolge in der kommenden Saison mit höheren Antrittsprämien bei den nationalen und internationalen Meetings aufgestockt. Doch das ist vorerst nebensächlich. Denn, im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern, setzt er zunächst einmal auf die berufliche Schiene. Und die sieht vor, dass er zu Beginn des kommenden Jahres zunächst sein Abitur macht, bevor er wieder sogenannte „Häuser“ über der Stabhochsprunglatte baut.

Das ehrt Raphael Holzdeppe und seinen Trainer. Sie setzen nicht auf den augenblicklichen Erfolg, sondern denken über den Tellerrand hinaus. Ihre Sicherheit in der sportlichen Entwicklung fußt auf einer fundierten beruflichen Basis. Hier ist Raphael bei seiner Familie und seinem Trainer gut aufgehoben. Ein Konzept, das auch für Talente in anderen Sportarten richtungsweisend sein könnte. Wie schnell ist der sportliche Höhenflug beendet, der sportliche Ruhm verblasst. . .