Merkur-Interview mit Karl-Heinz Werle, sportlicher Leiter des Leichtathletikzentrums Zweibrücken

Zweibrücken. Auch in dieser Saison haben die Athleten des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken für herausragende Leistungen auf nationaler und internationaler Bühne gesorgt. Merkur-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem sportlichen Leiter, Karl- Heinz Werle (Foto: pma).

Wie lautet Ihr Fazit der Leichtathletik-Saison?

Karl-Heinz Werle
Karl-Heinz Werle
Werle: Wir können in diesem Jahr auf die wohl erfolgreichste Saison in der Geschichte des LAZ nach 21 Jahren zurückblicken. Bei den Aktiven haben wir mit Kristina Gadschiew eine WM-Teilnehmerin im Stabhochsprung und mit Jens Werrmann einen Hürdensprinter der zwei Mal die A-Norm für die Weltmeisterschaft erfüllt hat und bei den Deutschen Meisterschaften auf den vierten Platz sprintete. Sein Vereinskamerad Marlon Odom sowohl in der Halle als auch im Freien Sechster. Aline Krebs wurde im 800- Meter-Lauf Fünfte bei den Frauen. Mit Raphael Holzdeppe stellt des LAZ den Europameister im Stabhochsprung der U 23. Ein Muskelverletzung im Vorfeld der DM verhinderte bei ihm eine mögliche WM-Teilnahme. In den Jugendklassen wurden Daniel Clemens und Michaela Donie Deutsche Meister im Stabhochsprung und qualifizierten sich für die U 18 Weltmeisterschaften in Brixen. Daniel Clemens gewann dort die Bronzemedaille. Ebenfalls eine Medaille, eine Silberne, errang Speerwerfer Till Wöschler bei der U 20-EM. Bei den Deutschen Jungendmeisterschaften fehlte ihm genau ein Zentimeter zum Titelgewinn. Ich könnte noch eine ganze Reihe guter Leistungen nennen, die von Athleten des LAZ erzielt wurden.- Was will man mehr?

Hat das LAZ seine Stellung innerhalb des Deutschen Leichtathletik- Verbandes behauptet oder gar noch ausgebaut?

Werle: Wir nehmen im Kreis der Spitzensport fördernden Vereine im DLV einen guten Platz ein. Man schätzt unsere Arbeit in Zweibrücken. Durch die Erfolge in diesem Jahr haben wir unserer Position im Verband weiter gefestigt haben.

Hat die Olympia-Teilnahme von Raphael Holzdeppe eine Initialzündung unter Ihren Athleten ausgelöst?

Werle: Mit seinem Auftreten bei den Olympischen Spielen in Peking hat Raphael Holzdeppe der Leichtathletik in unserer Region ein besonders sympathisches Gesicht gegeben. Mit seinem bescheidenen Auftreten und der Beharrlichkeit in der Trainingsarbeit ist er sicherlich zu einem Vorbild geworden. Von einer Initialzündung möchte ich nicht unbedingt sprechen, sondern mehr einem Ansporn, die eingeschlagenen Wege konsequent und zielstrebig zu verfolgen.

Hat Stabhochspringerin Kristina Gadschiew als EM- und WMTeilnehmerin den internationalen Durchbruch geschafft?

Werle: Kristina hat vor einem Jahr die Qualifikation zu den Olympischen Spielen als Vierte bei der DM nur knapp verpasst. Sie hat damals schon auf dem internationalen Parket ihr Potenzial gezeigt. In diesem Jahr ist sie stabiler und auch besser in ihren Leistungen geworden und die Teilnahme am WM-Finale in Berlin mit Platz zehn ist schon ein Durchbruch.

Das LAZ war bei der U 18-WM sowie der U 20 und U 23-EM vertreten. Zeigt dies auf, dass die Aufbauarbeit stimmt?

Werle: Eindeutig ja! Unsere jungen Sportler werden frühzeitig mit der richtigen Technik leichtathletischer Fertigkeiten vertraut gemacht und behutsam von unseren qualifizierten Trainern in ihren konditionellen und koordinativen Eigenschaften vorangebracht.

Welchem der jüngeren Athleten trauen Sie eigentlich in der kommenden Saison den Durchbruch zu?

Werle: Unsere etablierten Athleten gehören alle noch zur jungen Garde im DLV. Neben den bereits Genannten, zu denen auch Natasha Benner und Ann-Katrin Schwarz zu zählen sind, stehen eine Reihe Athletinnen und Athleten aus den verschiedenen Disziplinen bereit.

Welche sportlichen Ziele strebt das LAZ in der nahen Zukunft an?

Werle: Wir möchten weiter Leistungssport auf einem hohen Niveau in Zweibrücken betreiben und unsere Aktiven auf nationalen und internationalen Bühnen präsentieren.

Wirken sich die sportlichen Erfolge auf die Mitgliederzahlen und die Sponsoren aus?

Werle: Welchen Einfluss die Erfolge auf die Mitgliederentwicklung nehmen, vermag ich nicht zu sagen. Wir verzeichnen einen leichten Zuwachs, welcher sicherlich auch auf die Qualität unserer Angebote zurückzuführen ist. Wir leben hier in einer strukturschwachen Gegend. Deshalb stehen bei uns die Sponsoren nicht Schlange, obwohl sich hier interessante Partnerschaften anböten. Mit uns ließe sich werben! Ich hoffe aber auch auf die Einsicht von Mäzenen, die unsere Anstrengungen in der olympischen Zentralsportart erkennen und uns stützend unter die Arme greifen.

Wie viele Kaderathleten hat das LAZ?

Werle: Die genaue Zahl der Kaderathleten wird erst am Ende der Saison feststehen. Wir rechnen mit neun bis zwölf Nominierungen im Bundeskader.

Haben Sie als LAZ-Trainer noch Visionen?

Werle: Ich glaube, dass wir weiterhin in Konzert der Spitzenvereine eine Rolle spielen und hoffe, dass es uns einmal gelingt, unsere Athleten in Zweibrücken und im Rahmen einer großen Stadionveranstaltung präsentieren zu können. Dazu sind wir aber auf die Hilfe von Sponsoren und Mäzenen angewiesen.

Teilen Sie als Sprint- und Hürdentrainer die Vorbehalte gegen den zweifachen Weltmeister über 100 und 200 Meter Usain Bolt aus Jamaika?

Werle: Wenn man die biomechanische Perfektion, die Leichtigkeit und die Freude sieht, mit denen Bolt seine Weltrekorde zelebrierte, möchte man wünschen, dass die Wettkampf- und Trainingskontrollen, wo immer sie auch durchgeführt wurden, korrekt waren. Solange hier noch die geringsten Zweifel bestehen, bleibt ein fader Beigeschmack.

Haben sich die deutschen Leichtathleten nach der Pleite bei der Olympiade in Peking bei der WM in Berlin rehabilitiert?

Werle: Kurz vor Peking fand ein Generationenwechsel in der deutschen Leichtathletik statt. Die Etablierten hatten ihren Leistungshöhepunkt überschritten und die Jungen waren noch nicht so weit, dass sie in der Weltspitze vorne mitmischen konnten. In diesem Zusammenhang erinnere ich an Raphael Holzdeppe, der als 19-Jähriger als Achter bei der Olympiade unter den weltbesten war. Die WM in Berlin hat gezeigt, dass sich der Wechsel immer mehr vollzieht und die deutsche Leichtathletik wieder auf dem Vormarsch ist. Es gilt also nicht zu rehabilitieren, sondern abzuhaken und gezielt nach vorne zu schauen.
LAZ-Stabhochspringerin Kristina Gadschiew
Kristina Gadschiew gehört mit ihrem zehnten Platz bei der EM in Berlin, dem fünften Platz bei der Hallen-EM und Platz zwei bei der DM zu den herausragenden Athleten des LAZ in dieser Saison. Gleichzeitig steigerte sie ihre Bestleistung auf 4,58 Meter. Foto: dpa

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–24.08.2008 Olympische Sommerspiele 2008 Peking (China)