Hürdensprinter Marlon Odom startet ab 2009 für das LAZ – Deutsch-Amerikaner fast so schnell wie Blaschek

Ab Januar 2009 geht ein weiterer Hürdensprinter für das LAZ Zweibrücken an den Start. Der Deutsch-Amerikaner Marlon Odom hat in Schwäbisch-Hall das Licht der Welt erblickt, und freut sich darauf, jetzt für sein Geburtsland starten zu dürfen.

Zweibrücken. Konzentriert steigt Marlon Odom über die Hürden. Im schnellen Rhythmus, aber auf eine perfekte Ausführung konzentriert. Kaum ist er fertig, räumt er die fünf Hürden gleich weg – damit sie niemandem im Weg stehen. „Ich bin eben gut erzogen“, sagt er und lacht. Dass er als Profisportler einmal in Deutschland landen würde und auch für sein Geburtsland bei internationalen Meisterschaften an den Start gehen darf – damit hätte Marlon Odom vor ein paar Jahren nicht gerechnet.

Bis zum vorletzten Wochenende weilte der Hürdensprinter zum Training beim Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken, ab Januar wird er auch für den Verein bei Wettkämpfen an den Start gehen. „Ich bin in Schwäbisch-Hall geboren worden, aber als ich fünf Jahre alt war, ist meine Familie in die USA gegangen“, erzählt der 25-Jährige, dem man sowohl einen amerikanischen, als auch einen leichten schwäbischen Akzent anhört. Zum Beispiel, wenn er vom „letschten“ Jahr spricht. 2007 machte er seinen Abschluss an der Universität von Lubbock in Texas. Durch ein Sportstipendium konnte er dort Sportwissenschaft und Sportmedizin studieren. „Ich arbeite zwar ab und zu noch als Personal Trainer, aber das geht nicht mehr so oft“, berichtet Marlon Odom. Danach wagte er den Schritt in den Profisport.

Die Leistungsdichte im US-amerikanischen Hürdensprint ist jedoch sehr groß, einige Läufer schaffen die 110 Meter Hürden knapp über 13 Sekunden. Odoms Bestzeit liegt allerdings bei 13,52 Sekunden, „mit Rückenwind war ich auch schon 13,45 Sekunden schnell“. Zum Vergleich: Der Leipziger Thomas Blaschek führt die deutsche Jahresbestenliste mit 13,49 Sekunden an. Den Wechsel nach Deutschland hatte Marlon sich schon lange gewünscht. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater war als Soldat in Deutschland stationiert, er hat viele Verwandte in Schwäbisch-Hall. „Bis ich 14 Jahre alt war, bin ich im Sommer immer zu Besuch gewesen. Aber seit zehn Jahren bin ich nicht mehr Deutschland gewesen“, erzählt der Hürdensprinter. Als ihm seine Mutter erzählte, dass er auf Grund seiner zwei Staatsbürgerschaften auch für Deutschland startberechtigt ist, stand sein Entschluss fest. Also erzählte Marlon Odom seinem Manager davon. „Aber der hat nichts gemacht, da hab ich selbst Kontakt mit dem Verband aufgenommen.“ Der Deutsche Leichtathletik-Verband stellte dann den Kontakt nach Zweibrücken her. Schließlich trainiert mit Jens Werrmann ein deutscher Spitzenhürdenläufer hier. „Jens habe ich noch nicht kennen gelernt, aber ich freue mich schon darauf, mit ihm zu trainieren“, erzählt der 25-Jährige. Werrmann weilt zur Zeit in Cottbus bei einem Ausbildungslehrgang der Bundespolizei.

Am vergangenen Wochenende flog er zurück in die USA. Odom: „Ich trainiere in Columbo in South Carolina bei Curtis Frye, dem Trainer von Weltmeister und Olympiasieger Allen Johnson.“ Für die Wettkämpfe im Winter fliegt er aber zurück nach Deutschland.

In der Halle möchte Odom über die 60 Meter Hürden eine neue Bestleistung schaffen, „so um die 7,4 oder 7,4 Sekunden wäre gut. Und im Sommer dann 13,1 oder 13,2 Sekunden über die 110 Meter“. Für realistisch halte er diese Ziele schon, immerhin habe er die letzten sechs Monate gut und verletzungsfrei trainieren können. „Was er vorweisen kann, ist schon gut“, meint auch Trainer Karl-Heinz Werle, „im Sprint ist er besser als Jens“. Beide Sportler könnte seiner Meinung nach nur voneinander profitieren, zumal Jens Werrmann in Zweibrücken bisher keinen gleichwertigen Trainingspartner gehabt habe.

In Zweibrücken fühlt sich Marlon Odom bisher sehr wohl. „Schwäbisch-Hall ist auch so eine kleine Stadt und das gefällt mir viel besser. Großstädte sind einfach nichts für mich“, sagt der Deutsch-Amerikaner. Die Dieter-Kruber-Halle hat er schon ins Herz geschlossen. In seinem Trainingsort Columbia in South Carolina gibt es keine Leichtathletik-Halle, nur ein Stadion. „Im Winter wird es aber schon um ein Grad kalt.“ Und noch etwas hat Marlon in Zweibrücken ins Herz geschlossen: die LAZ-Trikots. „Blau ist nämlich meine Lieblingsfarbe.“

Marlon Odom bei einer Koordinationsübung über Hürden
Konzentriert meistert Marlon Odom seine Koordinationsübung über dicht aneinander gereihte Hürden in der Dieter-Kruber-Halle. Ab 2009 startet der Deutsch-Amerikaner für das LAZ. Foto: sad