LAZ-Stabhochspringer Nicolas Dietz schafft bei seinem Debüt im Elitefeld des vereinseigenen fünften Hallenstürmer-Cups vor rund 500 Zuschauern eine neue Bestleistung von 5,35 Metern. In den Höhen fühle sich das wie Fliegen an, meinte der Bottenbacher hinterher zufrieden. Sein Vereinskollege Raphael Holzdeppe wurde Vierter und scheint gerüstet für das Duell bei der Hallen-EM mit dem Sieger und polnischen Überflieger Piotr Lisek.

Zweibrücken. Ob es der schönste Tag in seinem Stabhochsprung-Leben war? Nicolas Dietz muss kurz überlegen. Man merkt, wie die Gedanken kreisen, wie er überlegt, abwägt. Immerhin ist er 2015 Deutscher U20-Meister geworden – und das damals in Jena ziemlich überraschend. Dietz also überlegt und überlegt, dann sagt er: „Ja, das war schon der schönste Tag in meinem Stabhochsprung-Leben.“ Dann lächelt der 20-Jährige.

Nicolas Dietz hat am Samstagabend ziemlich oft Grund zum Lächeln. Es ist das erste Mal, dass der Bottenbacher, der für das LAZ Zweibrücken startet, in so einem erlesenen Feld von TopSpringern mitmachen darf. Bis auf Vereinskamerad Raphael Holzdeppe, der mit 5,55 Metern Vierter wird, kannte er eigentlich keinen Springer vorher. „Aber sie waren alle sehr nett zu mir und haben mir ständig Tipps gegeben“, erzählt Dietz.

Das erste Mal Grund zum Lächeln hat er, als er die Anfangshöhe von 5,05 Metern im ersten Versuch überwindet. „Man ist vor so einem Wettkampf natürlich mega aufgeregt. Solch ein Starterfeld. Ein Heimspiel. Man will sich natürlich nicht blamieren“, sagt Dietz. Und: „Natürlich hat man Angst, dass man die Anfangshöhe nicht schafft.“ Doch die ist kein Problem – und dann meistert Dietz auch 5,20 Meter im zweiten Versuch: „Da ist schon ein bisschen Anspannung abgefallen. 5,20 Meter zu schaffen, hatte ich mir vorgenommen.“

Doch das war ja erst der Auftakt zur Flugshow von Dietz, er agiert jetzt wie im Flow. 5,30 Meter ist er in dieser Saison in der Halle schon gesprungen. Nun liegen 5,35 Meter auf. Die zu überspringen, würde eine neue Bestleistung bedeuten. Und Dietz überspringt die Höhe – gleich im ersten Versuch. Er reißt die Arme nach oben, jubelt – und lächelt. Die Zuschauer in der Halle toben. „Das ist natürlich der Wahnsinn, beim Heimspiel in der Trainingshalle eine neue Bestleistung zu springen“, sagt Dietz. „Ich hatte vor dem Wettkampf ein super Gefühl, das hat mich zum Glück nicht getäuscht.“

Vor der Hallensaison stand seine Bestleistung bei 5,00 Metern, er hat sich also schon um 35 Zentimeter gesteigert, ist in neue Höhenbereiche vorgedrungen. Auch die 5,45 Meter geht er ohne Angst an. Beim zweiten und beim dritten Versuch scheitert er nur knapp. „Schade. Aber ich habe gesehen, dass solche Höhen in Zukunft möglich sind.“ Hätte die Latte auf 5,42 oder 5,43 Meter gelegen, Dietz wäre vermutlich drüber gesprungen. Aber das ist am Ende eines genialen Wettkampfes egal – oder zumindest nicht schlimm. Die Zuschauer sind bei seinem dritten Versuch über 5,45 Meter aufgestanden, spendeten dicken Applaus. Und Dietz lächelte natürlich wieder. Er wird am Ende Neunter in einem Feld von elf Springern.

Auf dem Weg zurück zur Anlaufmarke gibt es Gratulationen von den Kollegen. Auch von Raphael Holzdeppe. Der Weltmeister von 2013 ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in den Wettbewerb eingestiegen. Er beginnt als letzter Springer, bei 5,55 Metern. Dass es an diesem Abend nicht für mehr als die Anfangshöhe reichen soll – der 27-Jährige scheitert dreimal an 5,75 Meter, nachdem er 5,65 Meter ausgelassen hat – ist schnell abgehakt. Natürlich hätte er den Vorjahressieg bei seinem Heimspiel gerne wiederholt, hätte den Zuschauern gerne ein bisschen mehr geboten, als die 5,55 Meter, die zu Platz vier reichen. Aber der Fokus liegt natürlich auf der Hallen-EM am kommenden Wochenende in Belgrad. „Es war noch mal ein guter Test für die Europameisterschaften am Freitag“, sagt Holzdeppe. Und sein Trainer Andrei Tivontchik meint: „Die Stäbe zum Schluss sind zu weich geworden.“ Der Übungsleiter ist zuversichtlich, dass es für Holzdeppe am Freitag hoch hinausgeht.

Nicolas Dietz befindet sich dann vermutlich schon in der Vorbereitung auf den Sommer, die in dieser Woche starten soll. Denn in der Freiluftsaison will der Bottenbacher noch ein bisschen höher springen als in der Halle: „Das sind nun Höhen, da fühlt es sich nach Fliegen an“, sagt er. Und wenn es im Sommer gut läuft, könnte er bis zu den U23-Europameisterschaften Mitte Juli im polnischen Bydgoszcz (Norm 5,40 Meter) fliegen .

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.–26.02.2017 Hallenstürmer-Cup 2017 Zweibrücken (Deutschland)