Raphael Holzdeppe weiß, was er kann. Mit einer gewagten Wettkampfstrategie hat gestern Nachmittag der 22-jährige Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Helsinki gewonnen.

Raphael Holzdeppe hat bei der Europameisterschaft 2012 in Helsinki richtig zugepackt
Richtig zugepackt hat gestern der LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe. Dieser Kraftakt wurde mit der Bronzemedaille bei der EM in Helsinki belohnt. Foto: Birkenstock

Zweibrücken/Helsinki. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe hat Nerven wie Drahtseile. Und der 22-jährige Bundeswehrsoldat ist gestern Nachmittag mit der Bronzemedaille bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki mit der Einstellung seiner Saisonbestleistung von 5,77 Meter nach nur drei Sprüngen belohnt worden. An seiner neuen persönlichen Bestleistung von 5,82 Meter, die bisherige steht bei 5,80, scheiterte er wie schon bei den Deutschen Meisterschaften, drei Mal. Für die Qualität des Wettkampfes spricht, dass sich Renaud Lavillenie (Frankreich) den Titel erst mit 5,97 Meter vor Björn Otto (5,92 m) sicherte. Komplettiert wurde der deutsche Erfolg durch den vierten Platz von Malte Mohr, der höhengleich mit dem Zweibrücker einen Fehlversuch mehr aufwies.

„Raphael ist absolute Weltklasse“, geriet der LAZ-Vorsitzende Josef Scheer bei der Merkur-Anfrage ins Schwärmen, nachdem ihm bereits Werner Schröter, Vizepräsident Leistungssport beim Landessportbund in Mainz, telefonisch zur Leistung gratuliert hatte. „Dieser Erfolg ist wichtig für den Athleten, für Rheinland-Pfalz, für die Stadt und den Verein.“ Und Scheer ist sich sicher, dass die Athleten, die den Sieg bei der EM unter sich ausgemacht haben, auch um den Olympiasieg in London kämpfen werden.

Dabei hatte Raphael Holzdeppes langjähriger Trainer Andrei Tivontchik die Wettkampftaktik des Zweiten der Deutschen Meisterschaften (5,77) teilweise kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln kommentiert. Der Zweibrücker hatte nach seinem erfolgreichen Einstieg über 5,50 Meter die folgenden beiden Höhen ausgelassen, und anschließend die 5,72 und 5,77 jeweils im ersten Versuch überquert. Nachhaltig hat er sein neu gewonnenes Selbstbewusstsein nach der DM demonstriert, unterstützt vom Jubel Tivontchiks auf der Tribüne. Bereits im Vorfeld hatte der Zweibrücker Student für „Internationales Management“ einen Platz unter den ersten Fünf prognostiziert und damit seine Ansprüche untermauert. Bereits am Samstag hatte er sein Potenzial in der Qualifikation angedeutet, als er bereits nach einem Versuch über 5,50 Meter seine Stäbe wieder einpacken durfte. „Es war das Ziel, mit so wenig Sprüngen wie möglich auszukommen“, lautet die Strategie Holzdeppes schon bei der Qualifikation, die er auch im Finale beherzigte. Das war auch notwendig, nachdem erstmals an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gesprungen wurde.

Kristina Gadschiew
Kristina Gadschiew

Während gestern die Stabhochspringer, von den wechselnden Winden abgesehen, fast optimale Bedingungen hatten, kämpften sich die Damen am Samstag bei strömendem Regen durch den Wettkampf, den Martina Strutz mit der Silbermedaille mit 4,60 Meter krönte. „Ich habe mir den Wettkampf überhaupt nicht angesehen“, erklärte LAZ-Stabhochspringerin Kristina Gadschiew, nachdem sie bei der DM mit 4,30 Meter alle Hoffnungen auf die EM und Olympia begraben musste. „Aber gestern habe ich Raphael die Daumen gedrückt“, bekannte die 27-Jährige, die sich von ihrem Schock in Wattenscheid erst langsam erholt hat. „Am Mittwoch werde ich in Reims springen, nachdem sie mich einfach gemeldet haben“. Für die gute Harmonie innerhalb der Trainingsgruppe Tivontchiks spreche, dass alle versucht haben, sie nach dem DM-Debakel wieder aufzurichten.

Till Wöschler
Till Wöschler

Enttäuscht von den Leistungen bei der EM in der Speerwurfkonkurrenz zeigte sich LAZ-U 23-Europameister Till Wöschler, der wegen seiner Ellenbogenverletzung zum Zuschauen verdammt war. Den tschechischen Europameister Vitezslav Vesely (83,72 m) hatte er schon aufgrund seiner Vorleistungen auf der Rechnung. Doch zeigte der 21-Jährige Verständnis für die Durchhänger des höher gehandelten Andreas Thorkildsen (Norwegen) als Vierter (81,55 m). „Der EM-Termin rund vier Wochen vor der Olympiade ist äußerst unglücklich. Es ist einem Athleten mit der Qualifikation und den beiden hochkarätigen Wettbewerben kaum möglich, über drei Monate die Maximalleistung abzurufen.“

Hoch konzentriert war dagegen Raphael Holzdeppe, der bei seinem „super Wettkampf“ keinerlei Probleme mit dem Wind hatte und erst bei 5,82 Meter etwas Gegenwind verspürte.