Manchmal haben die Redakteure mehr zu lachen als die Leser: Wenn nämlich Stilblüten durch aufmerksames Korrekturlesen rechtzeitig vor dem Druck entfernt werden. Damit auch Sie, libe Leserinnen und Leser, etwas von diesen Stilblüten haben, hier eine Auswahl der schönsten Prachtexemplare des Jahres.

Zweibrücken. Größere Texte im Merkur haben zwei Überschriften. Die „Hauptüberschrift“ und die „Unterüberschrift“ verweisen oft auf verschiedene Aspekte des darunter folgenden Artikels. Dabei gibt es aber böse Fallen. Wenn nämlich die „hü“ und die „uü“ zwar getrennt gemeint sind – aber als Sinn-Einheit lesbar sind. So hat „Dienstags geht es im Dorfgemeinschaftshaus hoch her – Biedershausen hat dem Bevölkerungsrückgang bisher erfolgreich getrotzt“ ebensowenig die Qualitätskontrolle bestanden wie die erste Überschriften-Idee für einen Bericht über die Zweibrücker Mülldeponie und eine personelle Veränderung beim UBZ – welche durch die „uü“ völlig unbeabsichtigt abschätzig wirkte: „Weiter Abfall aus Italien – Nicole Hartfelder wird stellvertretende Chefin des Umwelt- und Servicebetriebs“.

Ein wichtiges Qualitätskriterium für Tageszeitungen ist Verständlichkeit. Den Satz „zwischen rund 300 Zuschauern zu Beginn um 11.30 Uhr am Ende um 14 Uhr, folgten gut doppelt so viele Gäste im Zenit einer Sinuskurve den beeindruckenden Darbietungen“ etwa hat der bearbeitende Redakteur nach Rücksprache mit dem Autor geändert in „insgesamt kamen etwa 600 Besucher“.

Natürlich haben auch unsere Redaktionscomputer ein Korrekturprogramm, das etliche Tippfehler erkennt. Auf die Verbesserungsvorschläge verlassen tun wir uns aber nicht. Sonst wäre zum Beispiel aus einer Walsheimerin eine „Schleimerin“ geworden, aus Wallhalbern „volllabern“. Und der Zweibrücker Stabhochsprung-Held Raphael Holzdeppe hieße „Holztreppe“. Kein Problem hat das Korrekturprogramm auch mit der „Verbandsgemeinde Zweibrücken“. Wir haben „Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land“ daraus gemacht. Obwohl die erste Version womöglich die zukunftsweisendere war . . .

Besonders gefährlich sind Tippfehler, wenn sie das Korrekturprogramm nicht erkennt, weil durch den Tippfehler ein anderes (orthographisch korrektes) Wort entsteht. „Erfolg ist das beste Bindeglied, scheißt zusammen“ – im Falle einer Veröffentlichung wäre nur die Hoffnung geblieben, dass dieses Bindeglied nicht zu dünnflüssig war. Und der Vorwurf „gebrochener Versprechen“ ist schon schlimm genug – zum Glück bemerkte der Korrekturleser noch rechtzeitig die „gebrochenen Verbrechen“. Die wären dann ein Fall für die Polizei gewesen. Eine Polizeiinspektion hatte in einer Pressemitteilung wohl ein ähnliches Problem, dort war von einem Überfall „am heiligen Tage die Rede“. Da der Überfall im September geschah, sind wir ohne Nachfrage davon ausgegangen, dass „am helllichten Tage“ gemeint war.

Ist die Fischerhütte in Rieschweiler wirklich ein „schmackhafter Geheimtipp“? Und sollte beim Zweibrücker Oktoberfest der berühmte Komponist Georg Friedrich Händel verzehrt werden? Die Speisekarte jedenfalls klang im Manuskript unseres Mitarbeiters nach einem Leichenschmaus: „Die Speisekarte bietet Schmankerl vom halben Händl bis zum Krustenbraten.“ Zu feuilletonistisch hätte auch geklungen, dass „die Verfolger dem Tabellenzweiten dicht auf den Versen“ sind. Unsportlich dagegen hätte „Nürburgrind“ geklungen, das wäre dann wohl eine journalistische „Brutgrätsche“ gewesen.

Beinahe in der Zeitung geständen hätte auch, dass ein Zweibrücker ehrenamtlich „Stottern“ hilft – natürlich hilft er „Stotterern“.

Für einen „Werbespott“ nur bedingt geeignet war dagegen leider die Merkur-Ausgabe vom 9. Mai. Da hieß nämlich der Lokalteil-Aufmacher über die begonnenen Kita-Streiks in Zweibrücken: „Haubetreuung ist angesagt“. Zwar stand daneben immerhin ein inhaltlich passend überschriebener Kommentar („Familienfreundliche Stadt? So nicht!“) – gemeint war aber nicht Hau-, sondern Hausbetreuung.

In diesem Fall lief auch sonst einiges völlig anders als sonst: Der Fehler wurde nicht nur übersehen – der Korrekturleser hat ihn selbst erst eingebaut. Nicht etwa, um sich selbst Material für diese StilblütenSammlung schaffen: Ich habe das Wort zu schnell gelesen – und tröste mich nun mit einer angeblichen Studie. Lesen Sie mal diesen Satz möglichst schnell: „Ncah enier Sduite enier elingshcen Unvirestität ist es eagl, in wlehcer Rienhnelfoge die Bcuhtsbaen in eniem Wrot sethen. Das eniizg Wcihitge dbaei ist, dsas der estre und lzete Bcuhtsbae am rcihgiten Paltz snid. Der Rset knan ttolaer Bölsdinn sien, und man knan es torztedm onhe Porbelme lseen. Das ghet dseahlb, wiel wir nchit Bcuhtsbae für Bcuhtsbae enizlen lseen, snodren Wröetr als Gnaezs.“

Was für uns aber selbstverständlich kein Freibrief für weitere Sünden dieser Art ist. Weshalb die Zweibrücker Stadträtin Gertrud Schanne-Raab auch künftig so heißt, und nicht wie einem Manuskript „Gertrud Schaab“ . . .