Der gefürchtete Londoner Regen, er prasselte gestern wie aus Eimern. Oder wie Bindfäden. Oder, wie der Engländer sagt: „It’s raining cats and dogs.“ Ich habe mich eigens bei Jane, einer überaus engagierten Volunteer, rückversichert, ob der Engländer tatsächlich heute noch die schon im 17. Jahrhundert nachgewiesene Redewendung benutzt (Es regnet Katzen und Hunde), wie ich sie mir aus meiner Schulzeit gemerkt habe. „Ja klar“, sagte sie, und machte einen erfreuten wie erstaunten Eindruck, weil ich sie darauf ansprach. „Blöder Tag heute, oder?“, sagte sie noch. Natürlich habe ich nachgeschlagen, wie es zu dieser Redewendung kam. Nichts Genaues weiß man nicht. Vielleicht, weil früher nach starkem Regen tote Tiere durch die Gassen gespült wurden.

Gestern regnete es nur einmal. 30 bis 50 Liter auf den Quadratmeter und 17 Stunden am Stück prophezeite wetter.com schon in der Nacht. Zum Glück ging’s erst nach meinem superschönen Lauf an den Docks, mit Supertramp im Ohr und guter Laune im Herzen, los. Die Wolken dort ... puh, egal.

Ein starker Mann nimmt ja keinen Schirm. So hab’ ich zwar nicht unter einer Brücke gepennt, aber unter einer solchen zehn Minuten gewartet, bis ich weiterrannte. Genau an der DLR-Station Pudding Mill Lane, wo neuerdings die West-Ham-Fans aussteigen. Und mit mir stand da ein pudelnasser Langer. Dachte mir gleich, das muss ein Hochspringer sein, der zum Trainingsplatz will, der direkt neben dem Stadion liegt, für jedermann von oben einsehbar und deshalb täglich von großem Interesse.

Also, ich bin mit Tihomir Ivanov ins Gespräch gekommen, einem 23 Jahre alten Bulgaren, 1,97 Meter groß und ziemlich nass und frustriert. Er fluchte gen Himmel, das werde heute nichts mehr, meinte er und zuckte mit Achseln. Gerade für Hochspringer, die dann voll in eine nasse Matte klatschen, keine schöne Vorstellung. Heute ist die Qualifikation, auch für den Olympiazehnten (2,30 Meter), der seine ersten WM erlebt.

Einen Schirm hatte er natürlich auch nicht. Starker Mann halt. Ein schlauer Mann aber hat im Spind wenigstens die doppelte Ausrüstung an Kleidern. Schuhe, Socken, Hosen (nur kurze zwar), Mütze, Schal, Pullover. Alleine dafür hat es sich gelohnt, so beharrlich auf Spind 204 zu warten. „Du bist so trocken, wie das?“, fragte Kollege Joachim Mölter von der Süddeutschen und schimpfte mich einen alten Fuchs. Lange waren wir beide die einzigen im Presseraum so früh am Morgen.

Am Nachmittag nahm ich mir meinen Shopping Day. Drüben im Westfield. Ein paar CDs, z.B. die neue von Coldplay, und zur Teatime eine halbe Stunde Tap East mit einem Pint „Oakham Scarlet Macaw“. „I’m Jack, this is Nick and this John“, meinte mein Stehtischnachbar. Da war wenigstens der Nachmittag in trockenen Tüchern. Ich liebe die Briten für ihre Trinkkultur und ihre Gastfreundschaft.

P.S.: Auf dem Rückweg bin ich dann schwach geworden und kaufte einen Schirm. Im Store von West Ham United. Britische Schirmqualität muss ja super sein, dachte ich mir.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)