Baden-Baden. Der Sportler des Jahres 2015 ist der Triathlet Jan Frodeno, Ironman-Sieger von Hawaii. Die Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz wurde zur Sportlerin des Jahres gewählt. Bei den Mannschaften gingen die Nordischen Kombinierer als Erste durchs Ziel. 720 Gäste waren gestern Abend bei der ZDF-Gala im Kurhaus Baden-Baden, darunter 75 Medaillengewinner und 50 Ehemalige.

„Ich bin gerade eher im Wettkampfmodus als im Ruhemodus“, kommentierte der 34-jährige Triathlet Jan Frodeno innerlich aufgewühlt die Wahl. Der gebürtige Kölner verwies den Skispringer Severin Freund und den Nordischen Kombinierer Johannes Rydzek auf die Plätze. „Der Start in die neue Saison war noch nicht so optimal, nach der letzten Saison weiß ich aber,was ich kann“, sagte Rydzek.

Vier, nur vier Stimmen Unterschied entschieden bei den Frauen das Rennen um Platz eins: Die sehr auskunftsfreudige Kugelstoßweltmeisterin Christina Schwanitz setzte sich gegen die Speerwurfweltmeisterin Katharina Molitor durch. Und der Gatte der Kugelstoßerin, eingeweiht in das Wahlergebnis, erzählte, dass es ziemlich schwer gewesen sei, vorher nichts raus zu lassen.Moderator Rudi Cerne machte dann erst einmal deutlich, wie weit 20,37 Meter sind. Die Kugel der leidenschaftlichen Biertrinkerin würde an einem Tisch am Ende des Saals landen, gestern dort, wo Ulrike Nasse-Meyfarth mit ihrem Mann saß.

Kathrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne führten wieder durch die Ehrungs-Gala, ein eingespieltes Team. „Du siehst heute eher nach Traumschiff aus“, meinte die ZDF-Moderatorin zu ihrem Kollegen mit dem weißen Jackett. Dabei, so verriet Cerne, haben allein die Knöpfe 120 Euro gekostet. Ein Höhepunkt der Veranstaltung: die Sportbilder des Jahres, der Jahresrückblick mit allen Höhen und Tiefen. Die Pointe: der Weltrekord des 105-jährigen Japaners über 100 Meter in 42,22 Sekunden. Allerdings war der rüstige Sprinter mit seiner Zeit nicht zufrieden und ärgerte sich, weil er den Startschuss nicht gehört hatte.

28 Jahre lang waren die Nordischen Kombinierer nicht Weltmeister. Aber in diesem Jahr klappte es. „Wir waren zuvor schon oft sehr, sehr nah dran, diesmal hat es endlich gereicht“, sagte Eric Frenzel von der Mannschaft des Jahres. Die Biathleten, Frauen und Männer, folgten.

Der Speiseplan gestern Abend: Sternekoch Martin Herrmann präsentierte als Vorspeise Kreation von Ikarimi Lachs mit Gurken und Tomaten. Als Hauptgericht gab es (rosa) gebratenes Roastbeef auf Rahm-Wirsing, Pastinaken und getrüffelten Kartoffeltörtchen. Passionsfrucht-Schokoladenganache wurde als (sehr spätes) Dessert serviert. Der Wein dazu kam aus Edesheim vom Weingut Anselmann.

Unter den Geheimfavoriten vor der Wahl war auch Schwimmer Marco Koch. Er landete auf dem fünften Platz bei der Abstimmung. Koch holte kürzlich bei der Kurzbahn-EM noch zweimal Gold. Koch wurde in dem Jahr geboren, in dem Guido Buchwald seinen größten Auftritt hatte. 25 Jahre ist es her, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Teamchef Franz Beckenbauer den WM-Titel in Rom holte. Und Buchwald, der im Finale den Argentinier Maradona kalt stellte, berichtete, dass er in der Öffentlichkeit immer noch mit dem Spitznamen „Diego“ angesprochen wird, wenn die Leute nicht gleich auf seinen Namen kommen. „Der WM-Titel 1990 war eine ganz tolle Sache, aber das Leben ging weiter, natürlich unter etwas anderen Vorzeichen“, erzählte er, als das ZDF noch nicht auf Sendung war.

Einer, der es ganz sicher verdient gehabt hätte, den Sprung aufs Treppchen zu schaffen, war Philip Köster, zum dritten Mal Surf-Weltmeister. Der Wellenreiter hatte mit Blick auf die Wahl Pech, erneut Champion zu werden, als die ersten Wertungen schon in der Post waren. „Es lief perfekt für mich, das motiviert mich für das kommende Jahr“, sagte der Surf-Champion.

Trainer des Jahres wurde Justus Wolf, Coach der paralympischen alpinen Wintersportler. Und was tat der 32-Jährige auf der großen Bühne? Er lobte die ehrenamtlichen Helfer, ohne die es nicht geht. Die Laudatio hielt Anna Schaffelhuber. Und noch eine Ehrung: Den Sparkassen-Preis bekam der zurückgetretene Freiwasserschwimmer Thomas Lurz, ein großes Vorbild. Und ein witziger Zeitgenosse, wie er da über seine Begegnungen mit Haien, Europaletten, Quallen und dem einen oder anderen Hafenbecken ohne Durchfluss plauderte.

Die Sportler-des-Jahres-Wahl gestern in Baden-Baden – das war wieder eine große logistische Herausforderung. Aber es ging alles gut. Vorsicht ist die Mutter … „Bitte rechnen Sie mit winterlichen Straßenverhältnissen und planen Sie Ihre Anreise entsprechend frühzeitig. Vielen Dank“ war auf der Einladungskarte zu lesen. Mit Blick auf die frühlingshaften Temperaturen das kurze Fazit: Es hat alles geklappt!

Sportlerin des Jahres

  1. Christina Schwanitz (1264)
  2. Katharina Molitor (1260)
  3. Lena Schöneborn (1241)
  4. Carina Vogt (1196)
  5. Natalie Geisenberger (1100)
  6. Gesa-Felicitas Krause (939)
  7. Anna Schaffelhuber (883)
  8. Cindy Roleder (839)
  9. Laura Dahlmeier (509)
  10. Angelique Kerber (508)

Sportler des Jahres

  1. Jan Frodeno (2491)
  2. Severin Freund (2352)
  3. Johannes Rydzek (753)
  4. Erik Lesser (730)
  5. Marco Koch (719)
  6. Felix Neureuther (606)
  7. André Greipel (593)
  8. John Degenkolb (455)
  9. Michael Jung (430)
  10. Markus Rehm (390)

Mannschaft des Jahres

  1. Nordische Kombination (1987)
  2. Biathlon-Staffel Frauen (1761)
  3. Biathlon-Staffel Männer (1631)
  4. 1. FFC Frankfurt (1101)
  5. Mixed-Team Skispringen (760)
  6. Vielseitigkeits-Reiter (582)
  7. Beachvolleyball Frauen (522)
  8. Vierer-Bob (448)
  9. 4x100-m-Para-Staffel (404)
  10. Männer Doppelvierer (394)

So hat die Sportredaktion der RHEINPFALZ gewählt (8 Wähler)

Sportlerin des Jahres

  1. Katharina Molitor (16 Stimmen)
  2. Lena Schöneborn (14)
  3. Gesa Felicitas Krause (11)
  4. Petrissa Solja,
  5. Cindy Roleder, Christina Schwanitz, Pauline Schäfer (9)

Sportler des Jahres

  1. Severin Freund (29)
  2. Jan Frodeno (21)
  3. Raphael Holzdeppe (20)
  4. Marco Koch (12)
  5. Erik Lesser (8)

Mannschaft des Jahres

  1. Team Nordische Kombination (23)
  2. Biathlon Staffel Frauen (17)
  3. Biathlon Staffel Männer (13)
  4. FC Bayern München (9)
  5. Hockey-Nationalteam Männer (9)