Es sind die Menschen und die in vielerlei Hinsicht interessanten Begegnungen, die einem den Alltagstrott erleichtern und die gelegentliche zwischenmenschliche Langeweile (Kumpel Bernhard Kunz ist ja nicht mit) nehmen. Zugegeben: Über einen Smalltalk geht das selten hinaus. Aber oft reicht ja auch ein Lächeln und ein Zwinkern, ein „Have a lovely day“, um aus einem Brummbären einen Gute-Laune-Bären zu zaubern.

Oder halt ein Joke. Ein Spaß. Mein Favorit unter den einheimischen Spaßvögeln ist eindeutig Danni Fullilove. Schon dieser Name! Dem graugelockten Danni (58) springt der britische Humor aus den Augen. Er kontrolliert am Medieneingang. Von Weitem rufe ich schon – wenn ich komme, herrscht meist noch Ruhe vor dem Sturm – „Hi Danni, how are you?“. Das trägt zur lockeren Kontrolle entscheidend bei. Vorgestern wollte er meine wertvollen Biskuits von Fortnum & Mason, das Stück für 1,20 Euro, nicht durchlassen und für sich beiseiteschaffen. Spaßeshalber. Und gestern „telefonierte“ er sekundenlang und lautstark mithilfe meiner mitgebrachten Banane. Und die Sprüche, herrlich.

Wenn sich die Athleten dieser Welt treffen, treffen sich auch Journalisten aus aller Welt. Mal wieder als einer der ersten im Pressezelt begrüßte mich ein Pärchen, dem gegenüber ich Platz genommen hatte. Freundlicher waren die beiden, Miri und Shmuel, als Tage zuvor die drei grimmigen Kenianer. Sie fragten mich, woher ich komme, und als ich Germany sagte, frohlockten sie. Sie wollten wissen, wie man Mateusz Przybylko ausspricht, und ich erzählte ihnen gerne, wie Mateusz das in Erfurt bei den Meisterschaften so anschaulich erklärte. Finger auf den Mund und wie in der Grundschule „Psssch-bylko“. Die beiden vom israelischen Fernsehen lachten. Ihr Hochspringer Tzur Lieberman ist verletzt, ihre Dreispringerin Hanna Knyazyeva-Minenko wurde Vierte; die beste Platzierung fürs Team. Przybylko wie auch mein langer Bekannter Tihomir Ivanov (sie erinnern sich) haben übrigens gestern früh das Finale erreicht.

Es ist vielleicht eine Gruppe von zehn deutschen Zeitungs- und Agenturjournalisten, die sich die Mühe machen, sich von ihrem Stadionplatz zu erheben, um vom zweiten Stock im Stadion in den Ground Zero zu rennen. In der Mixed Zone werden ein paar Infos ausgetauscht, Witze gerissen, gewartet und mordsmäßig abgelästert. Und das, ehrlich gesagt, wenn es um die Fernseh- und Hörfunkjournalisten geht, oft zu Recht. Ist überhaupt nicht persönlich gemeint, nein. Ich kenne Norbert König vom ZDF recht gut (wir hatten uns einmal mehr vor drei Wochen zufällig im Kurzurlaub in St. Ulrich im Schwarzwald getroffen) oder den Radio-Mann Jens-Jörg (JJ) Rieck. Nette Kollegen. Aber die Art der Fernsehleute, die Athleten mit Interviews aufzuhalten, geht uns Schreibenden, wie Johannes Vetter gestern sagte, auf den Sack. 35 Minuten hatten wir auf ihn gewartet. Da geht sehr viel Zeit verloren, die man zum Schreiben bräuchte, und die Wettbewerbe sieht man in dieser Zeit auch nicht live im Stadion. Als ob die WM dem Fernsehen gehört ...

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)