Kristina Gadschiew setzt nach verpasster Olympia-Teilnahme alles auf die WM – Qualifikation morgen

Im letzten Jahr war sie noch ganz knapp an der Olympia- Teilnahme gescheitert, nun startet Stabhochspringerin Kristina Gadschiew vom LAZ Zweibrücken bei ihrer ersten WM, und das noch vor heimischem Publikum in Berlin. Merkur-Mitarbeiterin Stefanie Marsch sprach mit der 25-Jährigen.

2009 war für Sie bisher ein erfolgreiches Jahr: Fünfte bei der Hallen-EM in Turin, Dritte bei der Universiade in Belgrad und jetzt die Teilnahme an der WM in Berlin. Ist das der endgültige Durchbruch?

Kristina Gadschiew: Genau kann man das erst in ein paar Jahren sagen. Die Konkurrenz im Stabhochsprung liegt sehr eng beieinander. Aber es war schon ein wichtiger Schritt.

Im vergangenen Jahr haben Sie die Olympia-Teilnahme trotz erfüllter Norm knapp verpasst, weil Sie bei den Deutschen Meisterschaften nur Vierte wurden. Wie lange hat das an Ihnen genagt?

Gadschiew: In den ersten Wettkämpfen danach hat sich das schon ausgewirkt. Ich war einfach sehr enttäuscht. Aber dann hat es mich angetrieben und ich habe mir gesagt: Das darf Dir nicht noch einmal passieren.

Ist es auch nicht. Dieses Jahr hatten Sie die Norm und wurden bei der DM Zweite.

Gadschiew: Das hat mir viel bedeutet. Die Konkurrenz ist auch in Deutschland sehr groß. Da ist es nicht leicht, sich zu behaupten. Aber das ist auch gut so. Es hält die Spannung, weil man immer auf hohem Niveau springen muss, nie nachlassen darf.

Raphael Holzdeppe hat die WM-Qualifikation verpasst, weil ihn eine Verletzung zurückwarf. Wie fühlt man sich da als Teamkollegin?

Gadschiew: Es ist sehr schade, dass sich die Verletzung so lange hingezogen hat. Ich kenne Raphael schon sehr lange und hätte es ihm so gegönnt. Er kommt aber zu meinem Wettbewerb und sieht zu. Das finde ich sehr stark. Ich weiß nicht, ob ich das an seiner Stelle gekonnt hätte.

Es ist Ihre erste WM. Gibt es schon Anzeichen von Aufregung?

Gadschiew: Noch nicht. Ich durfte ja schon bei der Hallen- EM bei einem großen Ereignis Erfahrungen sammeln und war ganz überrascht, weil ich überhaupt nicht nervös war. Ich dachte die ganze Zeit: Mensch, das ist eine EM, Du müsstest doch riesige Angst haben, einen Salto Nullo hinzulegen. Aber ich bin sicher, diesmal werde ich nervös sein.

Was vermuten Sie, wie hoch Sie springen müssen, um ins Finale zu kommen?

Gadschiew: Vielleicht wäre es ganz gut, wenn ich das gar nicht wüsste. Ich bin der Typ, der gern einfach so in alles reinmarschiert. Aber ich schätze mal, die Qualifikationshöhe wird bei 4,60 Metern liegen.

Das wäre für Sie neue persönliche Bestleistung.

Gadschiew: Ja, es wäre doch toll, sie erstmals bei einer Heim-WM zu überspringen.

Wie hoch kann es für Sie in Zukunft noch gehen?

Gadschiew: Natürlich würde ich gern 4,70 Meter springen. Aber ich habe es mir abgewöhnt, höhenspezifisch zu denken. Ich will mich jetzt erst auf die Technik konzentrieren. Meine Sprünge könnten flüssiger sein. Außerdem will ich eine stärkere Automatisierung erreichen. Momentan ist es noch zu oft so, dass nach einem guten Sprung zehn schlechte kommen.

Aber jeder Sportler hat doch einen Traum, auf den er hinarbeitet.

Gadschiew: Ich möchte an Olympischen Spielen teilnehmen. Die Nächsten wären 2012 und das ist für meine Verhältnisse schon sehr weit vorausgedacht.
Auf einen Blick

Die Qualifikation im Stabhochsprung der Frauen beginnt morgen um 19 Uhr. Das Finale findet am Montag ab 18.45 Uhr statt. Beim Meeting in London ist Kristina Gadschiew bereits gegen die Weltelite, darunter auch Weltrekordlerin Yelena Isinbayeva gestartet. Dort gewann jedoch die Polin Anna Rogowska. Zum erweiterten Favoritenkreis zählt auch die Brasilianerin Fabiana Murer. Beste Deutsche in diesem Jahr ist die Leverkusenerin Silke Spiegelburg mit 4,70 Metern. Die Mainzerin Anna Battke übersprang 4,68 Meter, Gadschiew 4,58 Meter. uo

Bilder
Stabhochspringerin Kristina Gadschiew in London
Mit vielen Teilnahmen an internationalen Meetings wie hier in London hat sich Stabhochspringerin Kristina Gadschiew vom LAZ gezielt auf die WM vorbereitet. Foto: dpa

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.07.–12.08.2012 Olympische Sommerspiele 2012 London (England)
08.–24.08.2008 Olympische Sommerspiele 2008 Peking (China)