Rheinstetten. Ganz klar: Stabhochspringer Renaud Lavillenie setzte mit seinem Sprung über 5,91 Meter das Glanzlicht beim 32. Indoor-Meeting in der ausverkauften Karlsruher Messehalle 2. Doch längst nicht nur die Weit- und Hochsprungsieger Julian Howard und Marie-Laurence Jungfleisch wussten aus deutscher Sicht zu überzeugen.

Mit neun Sprüngen gewinnt der 29 jährige Hallenweltrekordhalter (6,16 m) an guten Tagen drei Wettbewerbe. Am Samstag aber brauchte er bei allen drei Höhen (5,70, 5,84 und 5,91 Meter) jeweils drei Anläufe. Andererseits: Ein andere Springer wäre vielleicht gar nicht angetreten, wäre ihm das gleiche Missgeschick passiert wie Renaud Lavillenie am Tag zuvor.

Da war er nämlich im Training umgeknickt. Aber anstatt nach Hause zu fahren, tapte er seinen rechten Knöchel dick und ließ es sich nicht einmal nehmen, sogar über 6,01 Meter alle drei Versuche zu absolvieren. „Der Mann kennt keine Schmerzen, und er kennt keine Grenzen“, sagte der eine Franzose, Sportdirektor Alain Blondel, über den anderen Franzosen, Renaud Lavillenie. „Ich wäre auch mit einem Sprung über 6,01 Meter zufrieden gewesen“, meinte Blondel, „aber er sagte mir, nein, ich springe solange, wie es geht“. Vielleicht ist Lavillenie ja genau deshalb der Publikumsliebling in Karlsruhe. Dreimal hintereinander sprang er nun Meetingrekord, vor allem aber seine Art und Weise des Springens, es sieht alles so federleicht bei ihm aus, begeistert die Menschen, die mit Dauerklatschen Danke sagen.

Raphael Holzdeppe, der Vize-Weltmeister aus Zweibrücken, übt sich in Geduld. Er musste sich mit 5,70 Meter und dem dritten Platz begnügen. „Am Ende hat mein Körper Müdigkeit verspürt, nachdem ich den dritten Wettkampf in sieben Tagen gemacht habe“, sagte er. Schade, denn so war früh der mit großer Spannung erwartete Dreikampf, in dem Weltmeister Shawn Barber aus Kanada mit 5,84 Zweiter wurde, geplatzt.

Langweilig aber wurde den 4500 Zuschauern nie. Bei allen guten Verpflichtungen aus dem Ausland, ganz gleich ob Dafne Schippers oder Mike Rodgers – einem deutschen Publikum gefallen junge deutsche Athleten, die durch Leistung glänzen. Kaum hat sich Gesa-Felicitas Krause mit dem dritten WM-Platz von Peking in die Herzen gelaufen, muss sich der deutsche Fan schon einen neuen Namen merken: Konstanze Klosterhalfen. Für den 1500-m-Lauf war keine Tempomacherin verpflichtet worden, aber die 18-Jährige wich einfach nicht von den Fersen der Äthiopierin Axumawit Embaye. 4:08,38 Minuten ließ sie anschreiben – U20-Europarekord. Ein Paukenschlag.

„Ich bin beinahe sprachlos und weiß gar nicht, was ich sagen soll. Im Training haben wir nichts Großartiges umgestellt. Ich mache eine Einheit mehr die Woche, aber das war's eigentlich schon“, sagte die lange dünne Konstanze Klosterhalfen. Sie wird sich an so volle und stimmungsvolle Hallen gewöhnen müssen. Derweil hat die fast ebenso große Marie-Laurence Jungfleisch ein ganz anderes, persönliches Problem: Die WM-Sechste im Hochsprung sorgte weniger mit übersprungenen 1,93 m für Aufsehen als vielmehr mit ihrer Rasta-Mähne. „Ich muss mich erst etwas daran gewöhnen, mit meinen neuen Haaren zu springen“, sagte die Stuttgarterin, „ich wollte Erste werden. Die Höhe ist in Ordnung.“ Mag sein, dass sie mit dem Trubel um Ariane Friedrich weniger einverstanden war. Diese stand nämlich mit ihrem Comeback im Mittelpunkt, obwohl sie nur 1,84 überflog, 1,87 ausließ und bei 1,90 Meter scheiterte. „Das war noch gar nichts“, sagte Friedrich selbstkritisch.

Im Vorjahr 8,04, am Samstag 8,03 Meter: Julian Howard (26) fühlte sich in seiner Rolle als Lokalmatador pudelwohl. Als erster Deutscher übersprang der Karlsruher die Acht-Meter-Marke, und das, obwohl er, der Mathe und Sport im siebten Semester studiert, morgens noch in der Bibliothek büffelte. „Der Sprung war ziemlich flach, ich habe da von meiner Geschwindigkeit gelebt. Wenn ich richtig das Brett treffe, sind die 8,15 Meter wohl kein Problem“, sagte er. Und das wäre dann die Olympianorm für Rio. „Auf jeden Fall war es ganz toll, wie die Leute heute mitgegangen sind, das beflügelt sehr“, meinte Howard.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
06.02.2016 IAAF Indoor Meeting Karlsruhe 2016 Karlsruhe (Deutschland)