Linkshänder zu sein, ist im Sport nicht immer von Vorteil – In einigen Sportarten sind sie aber gefragt

Ein Spiegelbild der Technik im Kopf entwerfen müssen nicht nur linkshändige Sportler, sondern auch ihre Trainer. Für Helmut Kruber kein Problem. Der Stabhochsprung-Trainer des LAZ ist nämlich selbst Linkshänder.

Zweibrücken. Die Redewendung „Das kriegst du doch mit links hin“ ist uns quasi in Fleisch und Blut übergegangen. Doch wenn Rechtshänder tatsächlich einmal etwas mit der linken Hand ausführen müssen, tun sie sich meist schwer damit. Helmut Kruber (Foto: pma), Trainer beim Leichtathletik-Zentrum (LAZ) Zweibrücken kennt das nur zu gut. Er selbst ist zwar Linkshänder, seine Schützlinge sind es jedoch nicht. „Ich lasse meine Stabhochspringer zwei oder drei Wochen im Jahr mal andersherum fassen und dann springen. Für sie ist das dann schon sehr ungewohnt“, erzählt Kruber, der bis 1997 auch Bundestrainer der Stabhochsprung-Frauen war.

Helmut Kruber
Helmut Kruber

Zum einen ist das Linksherum-Springen eine Ergänzung der immer gleichen Technik-Wiederholungen, sorgt für Abwechslung steigert die Variabilität in der Bewegungsausführung. Zum anderen ist es für den langjährigen Trainer auch ein Test. „In den normalen Bewegungsablauf können sich schon mal Fehler einschleichen, die man nicht sofort bemerkt und die auch dem Athleten nicht auffallen. Wenn der Athlet nun aber auf der anderen Seite springt, dann fallen diese Technikfehler viel stärker auf. Auch dem Athleten werden sie dann bewusst und er kann wiederum auf seiner üblichen Seite den Fehler abstellen“, erklärt Kruber. Linkshändern die Techniken beizubringen sei für ihn nicht sehr schwierig, nur junge Übungsleiter, die die Bewegungsfolgen nur rechtshändigen Abfolgen kennen, könnten Probleme haben. Er selbst hat in seiner aktiven Laufbahn Stabhochsprung betrieben, ist später zum Hammerwurf gewechselt. In beiden Disziplinen spielt es eine Rolle, ob der Sportler Links- oder Rechtshänder ist. Kruber: „Als ich noch den Hammer geworfen habe, gab es oft das Problem, dass sich die Käfige um den Ring nicht verschieben ließen. Aber die waren auf Rechtshänder eingestellt. Ich dagegen drehte andersherum und der Hammer nahm so auch eine anders geschwungene Flugkurve. Wenn der Käfig aber nicht entsprechend stand, dann flog der Hammer immer ins Netz.“

Tennisspieler Rafael Nadal – angelernter Linkshänder
Tennisspieler Rafael Nadal aus Spanien ist nur ein angelernter Linkshänder. Foto: dpa

In anderen Sportarten sind Linkshänder aber gefragt oder sogar gefürchtet. Ein Rechtsaußen im Handball, der mit links wirft, hat einen besseren Wurfwinkel zum Tor. Ein Linkshänder beim Boxen, also ein Rechtsausleger, stellt für einen Normalausleger ein Problem dar. Die Füße ergänzen sich nicht wie beim Tanzen, sondern stoßen aneinander. Um den Schlägen des Gegners auszuweichen, muss der Boxer sich auch andersherum, also in ungewohnter Richtung, um den Gegner herumbewegen.

Im Tennissport gibt es mit Rafael Nadal sogar einen falschen Linkshänder. Der Spanier ist von Natur aus Rechtshänder, spielt aber mit links. Da die meisten Tennisspieler an Rechtshänder gewöhnt sind, können sie seine Schläge schlechter einschätzen und die „schlechte“ Rückhandseite des Rechtshänders wird zu seiner „guten“ Vorhandseite.