In meinen jüngsten Kolumnen habe ich vor allem die Entwicklung von Talenten verstärkt unter die Lupe genommen. Dabei ist noch einmal zum Ausdruck gekommen, welche Mosaiksteinchen, welche Rädchen ineinander greifen müssen, damit letztlich der größtmögliche Erfolg verbucht werden kann. Doch was ist der größtmögliche Erfolg? Ist dies bei einem Fußballspieler als Quintessenz der Stammplatz bei einem Erst- oder Zweitbundesligisten oder gar die Zugehörigkeit zum Kader der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft? Sicherlich ist zumindest schon als ein Erfolg zu verbuchen, wenn die Talente die regionalen Hürden genommen haben, und die Bundestrainer, ganz gleich in welcher Sportart, die Leistungsentwicklung besonders beobachten.

Dass von den angehenden Leistungssportlern auch private Opfer verlangt werden, ist selbstverständlich. Zugeständnisse werden erwartet. Das familiäre, aber auch das schulische Umfeld müssen dem Leistungssport untergeordnet werden. Das verlangt sehr viel Selbstdisziplin. Auch schon in jungen Jahren.

Vor einem großen familiären Einschnitt stand vor rund zweieinhalb Jahren Dennis Walzer aus Großbundenbach. Der damals 17-Jährige, der bei den verschiedenen Jugendmeisterschaften im Shorttrack gezeigt hatte, dass er zu den hoffnungsvollsten deutschen Talenten zählt, stand vor der Frage, wie er künftig Leistungssport und Schule unter einen Hut bringen könnte. Bisher für den Mannheimer ERC startend, stieß der Kaderathlet, aufgrund seiner Belastungen bei Trainingslagern, als Schüler der 10. Klasse des Hofenfels-Gymnasiums immer mehr an seine Grenzen. Die Fehlzeiten häuften sich an. Auf Dauer mussten die schulischen Leistungen zunehmend dem Leistungssport Tribut zollen.

Deshalb blieb nur der Wechsel in eines der Trainingszentren, in denen Schule und Leistungssport unter einen Hut zu bringen waren. Als „Partnerschule des Sports“ hat das LAZ Zweibrücken mit dem Hofenfels-Gymnasium Anfang des Jahres eine Leichtathletik-Kooperation abgeschlossen. Zunächst als zweijährige Versuchsphase angelegt, in dem Verein und Schule ausloten können, wie leistungssportliche Ansätze durch ein vermehrtes Sportangebot mit dem Alltag vereinbart werden können.

Diese Hürde hat das Sportgymnasium in Dresden schon längst genommen. Ist es doch gleichzeitig auch eine Kaderschmiede der deutschen Shorttrack-Elite. Junioren und Aktive trainieren mit dem Bundestrainer unter einem Dach. Nicht verwunderlich, dass Dennis Walzer hier, trotz der räumlichen Trennung von der Familie, sehr schnell heimisch geworden ist. Der heute 19-Jährige hat den Schritt nie bereut, zumal ihm auch als Leistungssportler in Dresden ein besonderes Privileg zuteil wird. Er legt, im Gegensatz zu den „normalen“ Mitschülern, nicht nach zwölf, sondern erst nach 13 Jahren sein Abitur ab. Hier wird dem Leistungssport Rechnung getragen.

Dennis Walzer muss keineswegs weniger leisten als seine Mitschüler, sondern ihm wird einfach mehr Zeit gegönnt, den Lehrstoff zu verarbeiten. Bei Bedarf werden auch Hilfestellungen angeboten. Nur so können Schule und Leistungssport funktionieren. Wenn gegenseitiges Verständnis aufgebracht wird.

Denn Trainingslager oder internationale Wettkämpfe wirbeln den Stundenplan zum Teil gehörig durcheinander. Dem Athleten darf nicht das Gefühl vermittelt werden, etwas zu versäumen. So etwa auch, wenn der Großbundenbacher, der in dieser Saison bereits den Sprung ins Weltcup-Team geschafft hat, bei der Junioren-WM ab 9. Januar im kanadischen Sherbrooke startet.

Dennis Walzer ist das beredte Beispiel dafür, dass die Rahmenbedingungen für Schule und Leistungssport stimmen müssen. Nur so ist Leistung in allen Bereichen abrufbar. Hier lassen einige Sportarten ihre Leistungssportler oftmals noch im Regen stehen, lassen sie mit ihren Problemen alleine.