Eine alte Binsenweisheit, aber sie bewahrheitet sich immer wieder. Diesmal im Fall des Zweibrücker Stabhochspringers Raphael Holzdeppe. Der erlebte 2008 ein wirkliches Glanzjahr: Junioren-Weltmeister in der Halle und im Freien, zwei Junioren-Weltrekorde, dazu Zweiter der Deutschen Meisterschaft der Erwachsenen und damit verbunden die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Dort sprang der gerade 18-Jährige auch noch ins Finale, wurde am Ende Achter. Die Zweibrücker Leichtathletik-Anhänger flogen quasi auf einer Euphoriewelle hinterher. Kein Zweifel, das sind großartige Leistungen für einen jungen Stabhochspringer.

Doch genauso bestand kein Zweifel daran, dass es „Raffi“, wie er genannt wird, schwer haben würde, das in diesem Jahr noch zu toppen. Zum einem, weil der Athlet des LAZ Zweibrücken im Frühjahr sein Abitur am Helmholtz-Gymnasium machte, dafür die Hallensaison sausen ließ. Zum anderen, weil er nicht nur schulisch und beruflich einen neuen Lebensabschnitt beginnt, sondern auch sportlich. Jetzt ist er auch aus leichtathletischer Sicht kein Jugendlicher mehr, sondern ein Erwachsener. Zwar noch startberechtigt für die Juniorenklasse U 23, aber die Schonfrist ist vorbei.

In der sehr starken deutschen Disziplin Stabhochsprung, die sich durch eine große Leistungsdichte sowie eine Mischung aus erfahrenen Haudegen und einer Menge vielversprechender Talente auszeichnet, ist es ohnehin nicht einfach, sich zu etablieren. Dazu kam für Raphael Holzdeppe im Mai unglücklicherweise eine Muskelverletzung, die die Vorbereitung auf die Freiluftsaison unterbrach und ihm einen Trainingsrückstand bescherte, den er so schnell nicht aufholen konnte.

Der Druck, der aus dieser Situation erwuchs, muss enorm gewesen sein. Im vergangenen Jahr der Shootingstar der europäischen Leichtathletik (Auszeichnung durch den europäischen Verband), in diesem Jahr für viele nur der, der der Norm für die Weltmeisterschaft in Berlin hinterher springt. Das mag so sehr hart klingen. Auch ich habe mich das eine oder andere Mal dabei ertappt bei dem Gedanken „Mist, hat schon wieder nicht geklappt mit der Norm“. Nur, um mich dann gleich selbst zu korrigieren, immerhin sind 5,60 Meter nach einer Verletzung in der direkten Saisonvorbereitung auch nicht ohne.

2008 war zweifelsfrei ein Super-Jahr für Holzdeppe. Aber es wird auch nicht das Letzte gewesen sein. Der Zweibrücker ist ein Riesentalent, vielleicht hat er uns im vergangenen Sommer nur ein bisschen von dem gezeigt, was in ihm steckt. Talent verschwindet nicht von heute auf morgen. Aber es entfaltet sich auch nicht sofort. Mit 19 Jahren ist der Abiturient noch längst nicht am Ende seiner Leistungskurve angekommen. Wir können uns also auf noch viele Super-Jahre gefasst machen. Aber nur, wenn wir uns in Geduld üben und versuchen, den Druck auf den Schultern dieses jungen Athleten so gut wie möglich zu verringern. Auch wenn die Saison 2009 bisher im Vergleich zum Vorjahr schlechter abschneidet. Die Leistung, die dahinter steckt – sportlich und schulisch – ist trotzdem riesengroß.