Zweibrücker LAZ-Stabhochspringer bestreitet heute seinen Olympia-Qualifikationswettkampf in Peking

Unzählige Daumen werden heute in Zweibrücken und in Leichtathletikkreisen gedrückt. Der 18-jährige Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken startet ab 13 Uhr bei den Olympischen Spielen in Peking, um sich für den Endkampf am Freitag zu qualifizieren.

Zweibrücken/Peking. Noch am Montagnachmittag hat Raphael Holzdeppe vom Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken den deutschen Stabhochspringerinnen Carolin Hingst und Silke Spiegelburg die Daumen beim Endkampf im Olympiastadion in Peking gedrückt. Mit Erfolg: Beide meisterten im „Vogelnest“ 4,65 Meter und belegten die Plätze sechs und sieben.

Heute nun werden ab 13 Uhr unzählige Daumen in Zweibrücken für den 18-jährigen LAZ-Stabhochspringer beim Qualifikationswettkampf gedrückt. Sicher sind ihm schon die 1200 Daumen seiner Mitschüler am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium. Aber auch seine Vereinskameraden beim LAZ hoffen, dass sich der Jüngste der deutschen Stabhochspringer für das Finale am Freitag ab drei Uhr unserer Zeit qualifiziert.

„Wir haben extra in der abgeteilten Westpfalzhalle eine Public-Viewing-Veranstaltung organisiert“, erklärte am Montag seine Leiterin des Leistungskurses Sport am Helmholtz- Gymnasium, Ulrike Rohnert. Mittels eines Beamers wird die Fernsehübertragung auf eine große Leinwand überspielt. „Sollte Raphael noch den Endkampf erreichen, werden wir uns noch etwas überlegen“, betont Ulrike Rohnert.

Ihre Public-Viewing-Veranstaltung im Kleinen organisieren Raphaels Eltern zu Hause. „Wir werden zusammen mit Freunden den Wettkampf verfolgen“, sagt seine Mutter.

Raphael Holzdeppe selbst verspürte vor seiner Abreise nach Peking keinerlei Anspannung. „Warum soll ich mich unter Druck setzen? Ich habe doch eigentlich schon mehr erreicht als ich vor der Saison zu hoffen gewagt hatte.“ Sicherlich werde die Nervosität steigen, je näher der Wettkampf kommt, dessen ist er sich sicher. „Aber wann bin ich schon einmal vor über 90 000 Zuschauern im Stadion oder einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen gesprungen!“

Um optimal auf den Wettkampf vorbereitet zu sein, musste er vor seiner Abreise noch einige Besorgungen erledigen. Magnesium, ein neues Maßband und neue Kontaktlinsen standen noch auf seinem Einkaufszettel. „Ich reibe mir lieber die Hände mit Magnesium ein, als dass ich irgendeinen Kleber verwende“, erläutert er das Prozedere. Dagegen war sein altes Maßband verschlissen – und mit den Kontaktlinsen hofft er den „richtigen Durchblick“ zu haben, erklärt er und lacht spitzbübisch.

Wenn der Gymnasiast heute auf dem Bildschirm erscheint, hat er all die Vorbereitungen für seinen Wettkampf schon getroffen. Seine Anlauflänge beträgt exakt 41 Meter oder 16 Schritte. „Bei 17 Metern habe ich noch eine Zwischenmarkierung, die mein Trainer Andrei Tivontchik (Foto: sad) von der Tribüne aus beobachtet.“

„Das gibt mir ungeheure Sicherheit, dass mein Trainer hautnah dabei ist. Er weiß genau, wie ich ticke.“ Meistens schaffe er ja auch, im Wettkampf ruhig zu bleiben. Doch Olympia sei nun einmal stressiger als jeder Quali-Wettkampf. Sicherheit gibt ihm auch, dass er mit seinen eigenen Karbonstäben springen kann. Sechs Stück hat er im Gepäck. „Früher bin ich mit den Glasfiberstäben von Weltmeister Dmitri Markov gesprungen. Doch die Karbonstäbe strecken sich schneller.“ Raphael geht von einer Qualifikationshöhe von 5,70 bis 5,75 Meter aus. „Eine Höhe, die ich schaffen kann, wenn alles gut läuft.“

Wertvolle Ratschläge kann ihm zumindest sein Trainer Tivontchik geben, der 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta unter Wladimir Ryshich die Bronzemedaille gewann. Doch im Wettkampf gelte das Prinzip: „Nimm den Stab in die Hand und springe drüber“, scherzt er. Doch, wie der Wettkampf ablaufe, sei nur schwer vorherzusagen. Als Beispiel führt er Sergej Bubka an, der 1992 bei den Olympischen Spielen als haushoher Favorit „genullt“ hatte. Sollte Raphael den Endkampf unter den weltbesten Springern erreichen, dann wäre das schon „eine Weltklasseleistung“, schickt Tivontchik voraus. Damit ihm dies gelingt, werden in Zweibrücken unzählige Daumen gedrückt.

Bilder
Hoch hinaus soll es heute beim Qualifikationswettkampf in Peking für Stabhochspringer Raphael Holzdeppe gehen
Hoch hinaus soll es heute beim Qualifikationswettkampf in Peking für Stabhochspringer Raphael Holzdeppe gehen. Foto: pma/Hensel

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–24.08.2008 Olympische Sommerspiele 2008 Peking (China)