Dortmund. Die Erleichterung war David Storl nach seinen 21,19 Meter im fünften Versuch bei den deutschen Meisterschaften anzusehen. Der 27 Jahre alte Kugelstoßer ist auf dem Weg zurück in die Weltspitze, und dieser führt über die Hallen-Weltmeisterschaften nächste Woche in Birmingham. Storl ist neben dem Zweibrücker Raphael Holzdeppe der einzige Weltmeister im 21-köpfigen Team.

Storl hatte sich in Dortmund schwer getan, den Rhythmus zu finden und in Stimmung zu kommen. Allzu lange hatte er keinen Wettkampf mehr in der Umsprungtechnik gemacht. „Sie war eigentlich keine Option mehr, aber inzwischen macht sie mir mehr Spaß als die Angleittechnik“, sagte er.

Storl hatte handeln müssen. 2016 und 2017 lief es nicht mehr so wie gewohnt. Der zweifache Freiluft-Weltmeister (2011, 2013), der in der Halle zweimal WM-Silber holte (2012, 2014), machte schwierige Jahre durch. Der Körper rebellierte, das Knie streikte. Und irgendwann auch der Kopf. Die Zusammenarbeit mit Erfolgstrainer Sven Lang zerbrach, seit Wochen erst trainiert er mit Wilko Schaa, dem Bundestrainer.

Die beiden kannten sich flüchtig, jetzt müssen sie sich finden. So gesehen ist die Hallen-WM eine Generalprobe, „auch für meinen Trainer ist das eine neue Situation“, sagte Storl, der am Tag nach der DM nach Lanzarote flog, um sich auf Birmingham einzustimmen. „Ich bin in England oft an den Start gegangen, freu mich drauf, aber letztlich spielt die Meisterschaft keine große Rolle. Und die EM in Berlin ist ja erst im August“, sagte Storl grinsend.

Sein Hauptaugenmerk lag zuletzt nur auf dem Knie, „und das tut nicht mehr weh“. Weil Wilko Schaa die Trainingsbelastung anders steuerte und stabilisierende Übungen angeschlagen haben. Storl hatte neue Reize gesucht und eine richtig gute Lösung mit Schaa gefunden.

„Ich lass’ mich überraschen, was da raus kommt“, sagte er. Als Achter der Welt fliegt Storl nach Birmingham. Der Tscheche Tomas Stanek führt die Jahresweltbestliste mit 22,17 Meter an. Storl muss sich über den Kampf und die Routine an die Medaillenplätze herankämpfen. Wenn überhaupt von müssen die Rede sein kann. Storl setzt andere Prioritäten. Die EM in Berlin und die Olympischen Spiele in Tokio heißen die Ziele. Olympia ist im Jahr 2020. Storl wäre dann 30. Ein gutes Alter für Kugelstoßer.

WM-Aufgebot

Männer: 60 m: Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar), Peter Emelieze (ASV Köln) – 3.000 m: Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen), Clemens Bleistein (LG Stadtwerke München) – 60 m Hürden: Erik Balnuweit (TV Wattenscheid) – Hochsprung: Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen) – Stabhochsprung: Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) – Dreisprung: Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz) – Kugelstoßen: David Storl (SC DHfK Leipzig) – Siebenkampf: Kai Kazmirek (LG Rhein/Wied)

Frauen: 60 m: Tatjana Pinto (LC Paderborn), Yasmin Kwadwo (TSV Bayer 04 Leverkusen) – 400 m: Nadine Gonska (MTG Mannheim) – 1.500 m: Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt), Hanna Klein (SG Schorndorf) – 3.000 m: Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen) – 60 m Hürden: Cindy Roleder (SV Halle), Ricarda Lobe (MTG Mannheim) – Stabhochsprung: Lisa Ryzih (ABC Ludwigshafen) – Weitsprung: Alexandra Wester (ASV Köln) – Dreisprung: Neele Eckhardt (LG Göttingen)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
01.–04.03.2018 Hallen-Weltmeisterschaften 2018 Birmingham (Vereinigtes Königreich)