Die Fußball-Vereine, wie der Bundesligist 1. FC Kaiserslautern, und die Oberligisten FC Homburg und SVN Zweibrücken haben erkannt, dass nicht nur die Qualität der Trainer, sondern auch die Infrastruktur eine große Rolle für den Nachwuchs im gegenseitigen Konkurrenzkampf spielt. Allerdings haben die Vereine den Vorteil, dass durch die Medienpräsenz Fußball immer noch die Sportart Nummer eins ist. Hier nehmen die Eltern selbst weite Trainingsfahrten in Kauf, um ihre talentierten Kinder zu fördern.

Aber spätestens in der C-Jugend trennt sich die Spreu vom Weizen. Den Sprung zu den Profis, wie Julian Derstroff in dieser Saison beim FCK, schaffen nur wenige. Der Zweibrücker, der nach der E-Jugend beim SV Ixheim alle Jugenden bei den „Roten Teufeln“ durchlaufen hat, setzt nach dem Fachabitur an den Berufsbildenden Schulen in Zweibrücken vorerst ganz auf die Fußball-Karriere.

Schwerer hat es das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken, an seine Talente heranzukommen. Deshalb wird alljährlich im Sommer ein Crosslauf, der frühere Langlauftag, und im November der Talent-Cup veranstaltet. Am Freitag wurde den Schülern der Jahrgänge 1998 bis 2003 die Möglichkeit geboten, sich in einem leichtathletischen Fünfkampf zu bewähren. Nach einem ausgeklügelten Muster wurden bereits zum zwölften Male gewisse Fähigkeiten, wie Sprintfähigkeit, Sprung-, Rumpf- und Armkraft sowie die Ausdauer getestet. Sie geben den LAZ-Trainern mit Organisator Matthias Brockelt erste Aufschlüsse. Die Besten eines jeden Jahrgangs werden anschließend vom LAZ eingeladen, sich in weiteren Trainingseinheiten zu bewähren.

Aber im Gegensatz zum Fußball wird in der Leichtathletik der Erfolg nicht gleich offensichtlich. Bis etwa zum 15. Lebensjahr steht eher die ganzheitliche Ausbildung im Vordergrund, ehe die Spezialisierung erfolgt. Dies schreckt scheinbar nicht ab, wie die Rekordzahl der 363 Schüler von 15 Grundschulen und sechs weiterführenden Schulen bewiesen hat. Die ausgezeichnete Infrastruktur mit der Dieter-Kruber-Halle und dem Westpfalzstadion sowie die qualifizierten Trainer sind ein Plus des LAZ. Das Team aus Diplom-Sportlehrern, A-Lizenz-Trainern, ehemaligen Weltklasseathleten, Bundes- und Landestrainern ist im überregionalen Vergleich einzigartig. Sie garantierten zunächst Erfolge auf Bezirks-, Pfalz- und Landesebene, ehe die überregionalen Wettkämpfe anstehen. Hier werden die ersten Signale ausgesendet, über welches Talent der Leichtathlet verfügt. Voraussetzung ist ein großes Durchhaltevermögen und eine eiserne Disziplin in dem mehrmaligen wöchentlichen Training unter leistungssportlichen Gesichtspunkten.

Für das Bundesleistungszentrum, das dem Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saar angeschlossen ist, spricht das Konzept, das sich im Laufe der Jahre herauskristallisiert hat. Sich auf das Machbare, wie die Disziplinen Stabhochsprung, Lauf und Hürden sowie Wurf und Stoß, zu konzentrieren, hat sich bewährt. Die nationalen und internationalen Erfolge in den nunmehr 23 Jahren sind der eindeutige Beweis.

Als Zugpferde für den Nachwuchs gelten derzeit die Olympiakandidaten für London 2012, die Stabhochspringer Kristina Gadschiew und Raphael Holzdeppe sowie Speerwerfer Till Wöschler. Vielleicht kann auch noch 110-Meter-Hürdensprinter Marlon Odom auf den Olympia-Zug aufspringen. Das Bundesleistungszentrum ist damit seinem Anspruch gerecht geworden, möglichst viele Jugendliche in die nationale Spitze zu führen, und einige auch international konkurrenzfähig zu machen. Der Anspruch lautet, ähnlich wie bei den Fußballvereinen, dass einem Talent jährlich der nationale, wenn nicht gar der internationale Durchbruch gelingen soll.

Die bisherige Bilanz spricht für das Förderkonzept des LAZ. Weltmeistertitel, Medaillen bei Olympischen Spielen und Europameisterschaften sowie 53 Deutsche Meistertitel sprechen eine deutliche Sprache, machen das LAZ in der deutschen Leichtathletik-Szene unverwechselbar. Das LAZ hat Zweibrücken über die Grenzen hinaus bekannt gemacht.

Parallelen zum Fußball lassen sich aber auch in der Leichtathletik-Ausbildung festmachen. Nachwuchsarbeit kostet zunächst einmal Geld. Geld das über Mitgliedsbeiträge, Zuwendungen der Stadt, Zuschüsse der Landesverbände und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes sowie Sponsoren gewonnen wird. Das ist ein mühsames und schwieriges Unterfangen, denn die Leichtathletik hat nicht die wöchentliche Darstellung wie der Fußball, selbst in den untersten Ligen. Sie wird erst öffentlich, wenn sich erste Erfolge einstellen.

Ähnlich strukturiert sind auch die Wassersportfreunde (Wsf) Zweibrücken. Während die Talente über ein ausgeklügeltes System für den Leistungssport herausgefiltert werden, trainieren sie anschließend meistens außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Im Gegensatz zu den LAZ-Kaderathleten, die in Zweibrücken trainieren, müssen die Schwimmer nach Saarbrücken in den Olympiastützpunkt ausweichen.

Vom Talent zum Spitzensportler ist es ein weiter, mühsamer Weg. Nur wenige schaffen den Durchbruch.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.07.–12.08.2012 Olympische Sommerspiele 2012 London (England)