LAZ-Hürdensprinter Jens Werrmann bereitet sich gezielt auf die neue Saison vor

Optimismus versprüht der Hürdensprinter des LAZ Zweibrücken, Jens Werrmann. Sich gegen die deutsche Spitze durchzusetzen und den Abstand zur europäischen zu verringern, lautet die Kampfansage des EM-Sechsten von 2006.

Zweibrücken. Jens Werrmann sprintet locker durch die Dieter- Kruber-Halle. Sein Trainer Karl-Heinz Werle beobachtet aufmerksam jede Bewegung. Der Hürdensprinter des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken scheint wie beflügelt. Doch das war nicht immer so. Denn der 24-Jährige hat eine zweijährige Verletzungs- Odyssee hinter sich und erst in der vergangenen Saison wieder Fuß gefasst. Wider Erwarten, hatte er seine Bestleistung beim Decanation im Nationaltrikot in Paris Anfang September auf 13,51 Sekunden gesteigert. Drei Hundertstel schneller als je zuvor. Dabei hing die Karriere des Sechsten der EM 2006 von Göteborg an einem seidenen Faden.

Doch Jens Werrmann, der im Februar seine Ausbildung an der Polizeischule in Cottbus abgeschlossen hatte, hat trotz aller Nackenschläge seinen Optimismus nicht verloren. „Ich habe einen starken Charakter“, erklärt er und lacht.

Karl-Heinz Werle
Karl-Heinz Werle

Seit Mitte Oktober laufen die Vorbereitungen für die kommende Hallen- und Sommersaison. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig im Sommer. Ziel ist die Europameisterschaft im August 2010 in Barcelona. Jens Werrmann und sein Trainer Karl-Heinz Werle (Foto voj) sind ein eingespieltes Team. Schon seit Jahren. Doch seit dem vergangenen Sommer bewährt sich eine Kombination mit Bundestrainer Idriss Gonschinska. Abwechselnd trainiert Werrmann in Zweibrücken und dann wieder in Leipzig. „Hier kann ich mit den Spitzenleuten Thomas Blaschek, Willi Mathiszik, Alexander John und Erik Balnuweit trainieren.“ Das sei zweifellos ein Vorteil gegenüber Zweibrücken, wo er weitestgehend als Alleinunterhalter auftritt. Zumal sein Vereinskamerad Marlon Odom derzeit wieder in die USA zurückgekehrt ist .

Leipzig habe den Vorteil, dass in jeder Trainingseinheit ein gewisser „Wettkampfcharakter“ (Werrmann) vorherrsche. Zudem pusche man sich gegenseitig hoch. Doch trotz aller sportlichen Konkurrenz habe sich eine Freundschaft unter den Athleten entwickelt. „Das macht die Wettkämpfe gegeneinander leichter. Man hat weniger Respekt“, bringt es Jens Werrmann auf den Punkt.

Was dagegen seine Saisonziele angeht, hält sich der gebürtige Waldgrehweiler zurück. „Zuerst muss ich gesund bleiben“, lautet seine Kardinalforderung. „Wir wollen uns auf jeden Fall verbessern“, wird sein Trainer Werle schon deutlicher. Verbessern heißt vordergründig, in dieser Vorbereitungsphase die Kraftdefizite, vornehmlich im Rumpfbereich, auszugleichen. „Durch seine Verletzungen hat er in diesem Bereich eine Schonhaltung eingenommen“, ergänzt Werle. Zugleich stehen längere Läufe auf dem Trainingsprogramm, das in der vergangenen und dieser Woche immerhin neun Einheiten „mit wenig Hürden“ (Werrmann) umfasst.

„Bis auf eine Einheit mit hoher Qualität bei einem DLV-Kaderlehrgang in Kienbaum sind die Hürden derzeit noch tabu“, erklärt der Vierte der Deutschen Meisterschaft, womit er knapp an der Qualifikation für die WM in Berlin vorbeigeschrammt war. Doch peu à peu werden die hürdentechnischen Einheiten in den kommenden Wochen zunehmen.

Mut hat allerdings Jens Werrmann der Test in Kienbaum gemacht. Dies belegt auch die Bilanz der vergangenen Saison, wo er sich langsam wieder in die deutsche Spitze hineingetastet hat. „Jens liegt mit seinen Durchschnittszeiten in Deutschland an zweiter Stelle“, klärt sein Trainer auf. Schließlich sei der Hürdensprint in Deutschland „eine Hausnummer“, wobei sieben Läufer sich in einem Bereich von zwei Zehntelsekunden bewegen. „Jens hat im Durchschnitt bei zehn Läufen 13,61 Sekunden stehen“ (Werle). Das sei umso erstaunlicher, da er damit seine Bestzeit aus dem EM-Jahr 2006 auf Anhieb erreicht habe. „Dass er das schafft, hatten wir gehofft, aber nicht damit gerechnet“, betont Trainer Werle.

„Das Gefühl für die Hürden ist wieder da.“
Jens Werrmann, LAZ-Hürdensprinter

Doch sei das kein Grund zur Selbstzufriedenheit, aber immerhin eine Basis. „Ich musste in der vergangenen Saison erst wieder das Gefühl für die Hürdenüberquerung bekommen“, betont Werrmann. Doch nun sei es wieder da, und nun gelte es, an der Konstanz zu arbeiten. „Einmal war der Start gut, und der Lauf nach hinten raus schlecht und dann wieder umgekehrt“, blickt Werle zurück.

„Unser Ziel ist es, sich gegen die deutsche Spitze durchzusetzen und den Abstand zur europäischen zu verkürzen“, lautet die Marschroute Werles, wobei er ein zustimmendes Nicken seines Schützlings Jens Werrmann erntet. Das erfordere Zeiten zwischen 13,30 und 13,40 Sekunden. „Das ist durchaus machbar“, behauptet der LAZ-Trainer zielstrebig.

Jens Werrmann muss vermehrt Gewichte stemmen
Vermehrt Gewichte stemmen muss Jens Werrmann in der Vorbereitungsphase in der Dieter-Kruber-Halle. Foto: voj