Zweibrücken. Bei den deutschen Stabhochspringern war bislang der Wurm drin. Bis gestern Nachmittag hatte noch keiner die Olympianorm (5,70 Meter)übersprungen. Dann jedoch schraubte sich der Leverkusener Tobias Scherbarth über diese Höhe und gewann den Himmelsstürmer-Cup in Zweibrücken. Bei den Frauen siegte Weltmeisterin Yarisley Silva(4,65/Meetingrekord).

„Ich bin guter Dinge, dass wir drei Starter in Rio haben“, sagte Männer Bundestrainer Jörn Elberding zuversichtlich, „es sind einige Kandidaten da, auch bei den jungen Springern“. Einer der Kandidaten ist Vize-Weltmeister Raphael Holzdeppe vom Leichtathletikzentrum Zweibrücken, der gestern nach einer längeren Verletzungspause sein Comeback geben wollte. Da er gegen Ende des Einspringens Probleme bekam, verzichtete er kurzfristig auf seinen Start.

„Eine Muskelverhärtung lässt sich bis Mittwoch oder Donnerstag beheben, ein Muskelriss nicht“, sagte er. Eine schwere Verletzung würde das Aus seiner Olympiaträume bedeuten. „Er hat sich in dieser Situation clever verhalten“, sagte Elberding mit Blick auf die Entscheidung des 26-Jährigen. Holzdeppe muss bis zum 10. Juli die Norm erfüllen, am 11. Juli nominiert der Verband für Rio.„Ich gehe fest davon aus, dass ich am Sonntag bei den deutschen Meisterschaften in Kassel an den Start gehe“, sagte Holzdeppe.

Die Einstiegshöhe von 5,20 Metern im Männerwettkampf war gestern für den jungen Briten Adam Hague, amtierender U20-Europameister, zu hoch. Er kämpfte mit den zu Beginn des Wettkampfs schwierigen Bedingungen. Böiger Wind, leichter Regen, das spielte den erfahrenen Springern in die Karten. Als die äußeren Voraussetzungen im Westpfalzstadion gut wurden, waren nur noch zwei Springer im Wettbewerb: Scherbarth und der Franzose Valentin Lavillenie, der Bruder des Weltrekordlers Renaud. Während Lavillenie im ersten Versuch über 5,60 Meter knapp scheiterte, sprang Scherbarth die Höhe mit reichlich Luft zwischen Körper und Latte. Das sah gut aus. Im dritten Anlauf schaffte Lavillenie die Höhe. Über 5,70 Meter benötigte Scherbarth erneut zwei Versuche, Lavillenie drei. Der 25-jährige Franzose hätte die 5,81 Meter–für beide hätte dies eine neue Bestleistung bedeutet – in seinem dritten Versuch fast überwunden. Scherbarth lief zweimal durch. Als sein Sieg feststand, verzichtete er auf seinen dritten Versuch. „Als ich die Olympianorm gesprungen bin, fiel so eine Anspannung ab. Da ist man falsch programmiert im Kopf“, sagte der 32-Jährige. Es sei schwierig, sich während des Wettkampfs auf ein neues Ziel einzustellen.

Scherbarth geht am Sonntag als Höhenbester in Kassel als Favorit an den Start. „Raphael ist eine Wundertüte“, sagte er mit Blick auf den gestern pausierenden Konkurrenten, den er nach wie vor auf dem Zettel hat.

Ebenfalls Olympianorm sprang gestern Silke Spiegelburg, die mit 4,50 Metern Dritte in der Frauenkonkurrenz wurde. „Das war quasi mein zweiter Wettkampf“, sagte sie zufrieden. Souverän siegte Weltmeisterin Yarisley Silva. Die Kubanerin sprang 4,65 Meter, wollte nach einem heftigen Regenschauer nichts mehr riskieren und packte deshalb ihre Stäbe als Siegerin ein.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
11.–12.06.2016 Himmelsstürmer-Cup 2016 Zweibrücken (Deutschland)