Leichtathletik: Sosthene Moguenara fliegt bei der Hallen-EM im Weitsprung zur Silbermedaille. Der Franzose Renaud Lavillenie meistert 6,04 Meter im Stabhochsprung. Die Ludwigshafenerin Lisa Ryzih verpasst wegen einer Verletzung das Finale.

PRAG. Als der französische Superstar Renaud Lavillenie seinem Beinamen „Air“ mit einem erfolgreichen Stabhochsprung über 6,04 Meter und drei knapp gescheiterten Versuchen über die neue Weltrekordhöhe von 6,17 Metern wieder einmal gerecht wurde, hatte Sosthene Moguenara ihren ganz persönlichen Langstreckenflug bei den Halleneuropameisterschaften in Prag bereits hinter sich. Die Weitspringerin vom TV Wattenscheid spitzte die Lippen nach ihrem ersten Satz und als „6,83“ auf der Anzeigetafel aufleuchteten, traute sie ihren Augen kaum.

„Dass er so weit war, damit hätte ich nicht gerechnet“, erzählte die frisch gekürte Silbermedaillengewinnerin fünf schlechtere Sprünge und viele Umarmungen später. „Jetzt bin ich einfach überglücklich“, sagte die 25-Jährige, die einen Tag nach dem EM-Titelgewinn von Kugelstoßer David Storl die zweite Medaille für den bislang nicht allzu erfolgreichen Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sicherte. Sie musste sich nur der favorisierten Serbin Ivana Spanovic geschlagen geben, die bei 6,98 Metern landete. Melanie Bauschke aus Berlin wurde nach einem soliden Wettkampf Sechste mit 6,59 Metern.

Die erste innige Umarmung hatte Sosthene Moguenara mit Weitsprung-Coach Ulrich Knapp ausgetauscht, bei dem sie in Saarbrücken die meiste Zeit trainiert. „Es ist unsere Medaille. Er hat immer Geduld mit mir gehabt. Wir hatten so viele Höhen und Tiefen in den letzten Jahren“, sagte sie. Vor zwei Jahren war die EMVierte von 2012 auf 7,04 Meter geflogen, hatte die Erwartungen danach aber bei den wichtigen Wettkämpfen nicht erfüllen können. „Jetzt bin ich einfach froh, dass der Knoten geplatzt ist und ich dafür belohnt wurde, wofür ich so lange gearbeitet habe“, sagte Moguenara.

Medaillen könnte es für DLV-Athleten auch am Abschlusstag wieder geben. Im Siebenkampf geht Artur Abele aus Ulm nach persönlichen Bestleistungen über 60 Meter (6,93 Sekunden), im Weitsprung (7,56 Meter), im Kugelstoßen (15,54 Meter) und im Hochsprung (1,92 Meter) als Anwärter auf Gold in den zweiten Tag. 1500Meter-Titelkandidat Homiyu Tesfaye aus Frankfurt stürmte mit der schnellsten Vorlaufzeit fürs Finale.

Mit neuer Bestzeit glänzte Verena Sailer. Die Sprinterin der MTG Mannheim drückte als Siegerin ihres Vorlaufs den persönlichen Rekord über 60 Meter um zwei Hundertstel auf 7,10 Sekunden. „Diese Zeit hatte ich auch nicht so erwartet. Ich habe versucht, einen guten und lockeren Lauf zu machen. Das ist mir anscheinend gelungen“, sagte die 29-Jährige. Wie die 100-Meter-Europameisterin von 2010 erreichte auch ihre Trainingspartnerin Alexandra Burghardt das Halbfinale an diesem Sonntag, in 7,23 Sekunden lief auch sie so schnell wie nie zuvor. Rebekka Haase kam ebenso eine Runde weiter wie Lucas Jakubczyk, Julian Reus und Christian Blum.

Stabhochspringerin Lisa Ryzih vom ABC Ludwigshafen musste ihre Medaillenhoffnungen verletzungsbedingt begraben. Die EM-Vierte von Zürich 2014, die erst vor eineinhalb Wochen ihre persönliche Bestleistung auf 4,72 Meter geschraubt hatte, musste gestern den Start im Finale an diesem Sonntag wegen Wadenproblemen absagen. Die Beschwerden waren bei der deutschen Hallenmeisterin am Freitag in der Qualifikation aufgetreten, die sie mit 4,55 Metern als Achte beendet hatte. „Wir bedauern den Ausfall sehr, weil Lisa in guter Form und aussichtsreicher Position war“, erklärte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
06.–08.03.2015 Hallen-Europameisterschaften 2015 Prag (Tschechien)