Nürnberg/Zweibrücken. Christin Hussong ist auf einem sehr guten Weg zu den Europameisterschaften in Berlin. Am Samstag holte sie sich in Nürnberg ihren zweiten DM-Titel, obwohl sie nach harten Trainingswochen nicht 100-prozentig fit war (die RHEINPFALZ berichtete).

Aus ihrem Klub, dem LAZ Zweibrücken, waren Stabhochspringerin Salome Schlemer und die Familie Beyerlein auf die Tribüne hinter dem Anlauf gekommen, darunter Ines aus ihrer Trainingsgruppe, die auch ein Bändchen erhielt, um auf dem Aufwärmplatz dabei sein zu können. Neben Schlemer wird auch Thomas Beyerlein, der Vizepräsident des Leichtathletikverbandes Pfalz, bei der EM in Berlin als Kampfrichter eingesetzt werden.

Aus Herschberg waren natürlich Mama und Papa gekommen, der Onkel und der Freund, nur Oma Liesel nicht, weil sie auf den Hund aufpassen musste; und aus Köln reiste Schwester Michelle an, die ihren Papa mit Videoaufnahmen beim Coaching unterstützte. Aber Udo Hussong, der erfahrene und unglaublich engagierte Trainer, sah auch mit bloßem Auge, was er sehen wollte: „Ich bin sehr zufrieden heute. Auf links vorne könnte sie ein bisschen größer werden, das linke Bein müsste sie beim Abwurf ein bisschen mehr durchstemmen“, sagte er, der den Regen am Samstag nicht als Problem ansah. Christin Hussong dachte am Morgen sogar noch, sie habe nichts dagegen, wenn es heute regnen würde. Weil sie schon im Mai die EM-Norm geworfen hatte und früh nominiert wurde, hatte das Hussong-Duo komplett den Kopf frei für alle möglichen und notwendigen Trainingsmaßnahmen. Deshalb fühlte sie sich selbst im Wettkampf ein wenig müde. „Ich habe zuletzt schon sehr hart trainiert, das merkt man dann schon“, sagte die 24-Jährige, die alles in die ersten drei Würfe gelegt hatte. Quasi als Test, denn in Berlin muss sie zuerst einmal die Qualifikation überstehen. Was ihr vor zwei Jahren in Amsterdam und bei der WM in London 2017 passierte, es nämlich gar nicht ins Finale zu schaffen, sollen Lehren gewesen sein.

Was man andererseits sehen muss: Die Herschbergerin, die 2012 vom TV Thaleischweiler zum LAZ wechselte, war schon 2011 in Lille U18-Weltmeisterin, holte 2015 in Tallinn den U23EM-Titel, war WM-Sechste im gleichen Jahr und dann 2016 Olympia-Zwölfte in Rio. „Danach musste ich sie ein bisschen rausnehmen, wir mussten einiges im Trainingsprozess ändern. Heute mit dem Sieg bei den deutschen Meisterschaften weiß ich, dass sie noch Reserven hat“, sagte Udo Hussong, der ihr in Berlin einiges zutraut und sehr stolz auf die stets sehr seriöse Vorbereitung seiner Tochter sein darf und auf ihren behutsamen Umgang mit ihrem Körper. Es gibt nicht viele Speerwerferinnen weltweit, die so lange so verletzungsfrei durch die Karriere kamen, denn Speerwerfen zehrt am Körper.

Am Samstag im Regen von Nürnberg spürte die Studentin, dass sie noch hätte zulegen können, wenn ihr eine Konkurrentin näher gekommen wäre. Aber selbst die Weltmeisterin von 2015, Katharina Molitor, schaffte das nicht mehr. Mit fast sieben Metern Vorsprung siegte Christin Hussong, sie warf in einer anderen Liga.

So blieb das einzige Problem die Nässe, die sich durch die Klamotten schaffte, weil Christin Hussong nicht ausreichend frische dabei hatte. Aber mit dem Trocknen ging’s doch ganz gut voran. Am 2. August wird sie nach Kienbaum reisen, von dort am 7. August nach Berlin, zwei Tage später ist ihre Qualifikation im Olympiastadion.

Kraftübertragung von den Rängen: Ein kleiner Fanclub unterstützte Christin Hussong und die LAZ-Starter in Nürnberg. Rechts im Bild die gut gelaunte LAZ-Stabhochspringerin Salome Schlemer.
Kraftübertragung von den Rängen: Ein kleiner Fanclub unterstützte Christin Hussong und die LAZ-Starter in Nürnberg. Rechts im Bild die gut gelaunte LAZ-Stabhochspringerin Salome Schlemer. (Foto: Kullmann)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
21.–22.07.2018 Deutsche Meisterschaften 2018 Nürnberg (Deutschland)
07.–12.08.2018 Europameisterschaften 2018 Berlin (Deutschland)