Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken hat sich endgültig in der absoluten Weltklasse zurückgemeldet. Bei der Team-EM in Tscheboksary sprang der 25-Jährige mit 5,85 Metern Saisonbestleistung und musste sich als Zweiter nur dem höhengleichen Weltrekordler Renaud Lavillenie geschlagen geben – genauso wie das deutsche Team, das die Titelverteidigung knapp verpasste.

Tscheboksary. Bis zum Schluss tapfer gekämpft, aber dann doch deutlich verloren: In der „Höhle des Löwen“ haben den deutschen Leichtathleten am Ende 22 Punkte zur Titelverteidigung bei der Team-Europameisterschaft gefehlt. Gastgeber Russland wurde am Sonntag in Tscheboksary seiner Favoritenrolle gerecht und etablierte sich mit 368,5 Zählern schon zum vierten Mal seit 2010 als Nummer eins in Europa. Hinter den Russen, die sich am zweiten Tag mächtig steigerten, und Deutschland (346,5) landete Frankreich mit 319,5 Punkten auf Platz drei.

Großen Anteil am erfreulichen deutschen Abschneiden hatte auch Raphael Holzdeppe, der im Stabhochsprung wertvolle Punkte für sich und seine Nationalmannschafts-Kollegen erkämpfte. „Es geht Stück für Stück nach oben“, betonte der 25-Jährige direkt nach seinem Wettkampf, „ich bin im Endeffekt wunschlos glücklich und konnte mit elf Punkten dem Team gut helfen.“ So hoch wie seit seinem WM-Triumph 2013 (5,89m) nicht mehr ist der LAZ-Athlet gestern gesprungen. Seiner Kampfansage Richtung Rekordmann Renaud Lavillenie („Man muss ihn unter Druck setzen, dann kann man ihn auch schlagen“), hat der Weltmeister von 2013 Taten folgen lassen. Auch wenn es für den ganz großen Coup am Ende nicht gereicht hat, seinen Widersacher brachte er diesmal in arge Bedrängnis. Der große Favorit aus Frankreich musste zunächst zittern, denn er startete mit Fehlversuchen über 5,75 und 5,80 Meter in den Wettbewerb, bevor er im ersten Anlauf 5,85 Meter überqueren konnte. Dagegen wahrte Holzdeppe bis zu 5,75 Meter seine weiße Weste und bestätigte seine ansteigende Form der letzten Wochen. Dann ließ er 5,85 Meter auflegen. Nur in drei Wettkämpfen war er zuvor höher hinausgekommen. Dreimal musste er anlaufen, dann flog er drüber – und war sogar bei 5,90 Metern nicht chancenlos. „5,85m!! Einfach nur ein geiles Gefühl, wieder fliegen zu können. Außerdem bin ich mega stolz, Teil des Teams gewesen zu sein. Zweiter Platz bei der Team EM ist einfach nur klasse!“, schrieb der Zweibrücker noch am Abend auf seiner Facebook-Seite.

Das Holzdeppes Form endlich passt, stimmt auch den sportlichen Leiter des LAZ, Alexander Vieweg, mit Blick auf die anstehende WM im August zuversichtlich. „Raphi fühlt sich momentan bei Höhen von 5,70 und 5,80 sehr sicher. Beim Himmelsstürmer-Cup hat er sich so richtig in diesen Bereichen eingesprungen und ist jetzt wieder in der Lage, die ganz Großen bei den Meetings zu ärgern.“

Auch ohne Diskus-Ass Robert Harting, der sich nach seinem Kreuzbandriss gerade wieder in Top-Form bringt, boten Holzdeppes Teamkollegen zwei Monate vor den Weltmeisterschaften in Peking eine starke Vorstellung. Sonntagssiege feierten im Stadion Olimpijskij aber nur Kugelstoß-Europameisterin Christina Schwanitz vom LV 90 Erzgebirge und 3000-Meter-Mann Richard Ringer (Friedrichshafen). Am Ende reichten sechs Einzelsiege, fünf zweite und sechs dritte Plätze aber nicht, um den Coup von Braunschweig zu wiederholen. Das Fazit von DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska nach zwei intensiven Tagen in Cheboksary: „Vor dem Hintergrund des Heimvorteils und der sehr ausgeglichen besetzten russischen Mannschaft war es das Ergebnis, das wir erwartet hatten“, erklärte er. „Wir haben uns sehr dicht an unserer Prognose bewegt und die Teams aus Großbritannien, Polen, Frankreich hinter uns gelassen.“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
20.–21.06.2015 Team-Europameisterschaften 2015 Cheboksary (Russland)