Na bitte, beim Stabhochsprung-Meeting am Mittwoch in Jockgrim wird sich Lisa Ryzih als amtierende deutsche Meisterin vorstellen. Sie holte sich gestern in Erfurt ihren dritten deutschen Freilufttitel nach 2014 und 2015 im Stabhochsprung. Als hohe Favoritin mit insgesamt sieben Sprüngen. Die 28-Jährige vom ABC Ludwigshafen überflog mit einem blitzsauberen dritten Versuch die 4,70 Meter.

„Die wollte ich auf alle Fälle springen, aber danach musste ich aufhören. Körperlich fühlte ich mich nicht mehr wohl, es hat ja auch mal wieder sehr lange gedauert“, sagte Ryzih. „Das Wichtigste war der Titel, egal wie die Bestenliste vorher aussah. Es ist Stabhochsprung, da muss man erst mal reinkommen.“ In der Tat: Die 4,45 und 4,60 Meter sprang sie erst im zweiten Versuch. Super fand sie, dass auch die wiedererstarkte Silke Spiegelburg, zweimal WM-Vierte, und die junge Friedelinde Petershofen die WM-Norm von 4,55 Meter überflogen. „Es wäre ja schlimm, wenn nur ich als einzige Deutsche bei der WM in London teilnehmen würde“, sagte eine äußerst zufriedene Ryzih. Sie hatte allen Grund zum Strahlen.

Der Gesichtsausdruck der zweiten Pfälzerin auf dem Treppchen einer technischen Disziplin sprach auch Bände: ratlos, frustriert, traurig kam Christin Hussong (LAZ Zweibrücken) daher, trotz der Silbermedaille. „Im Training läuft’s super, aber ich kriege es im Wettkampf nicht hin, den Speer zu treffen. Das nervt richtig“, sagte die 23 Jahre alte Vorjahresmeisterin aus dem südwestpfälzischen Herschberg, die mit 59,54 Metern derWeltmeisterin den Vortritt lassen musste.

Katharina Molitor holte sich nach 2010 und 2015 ihren dritten Meistertitel, war aber auch nicht glücklich. „Klar fühlt sich der Titel gut an, aber die Weite eben nicht. Da passt oben und unten nichts zusammen, mein Gefühl stimmt nicht“, beklagte sie nach ihren 61,16 Metern. Mit drei Versuchen war sie weiter als Hussong, deren Speere förmlich abstürzten und deren Vater und Trainer Udo Hussong feststellte: „Sie stellt die Speere einfach zu hoch in den Wind. Aber wir wissen, dass sie eigentlich Zug dahinter hat.“

Die beiden haben sich für die WM bereits qualifiziert, Molitor wirft heute in London, Hussong am Dienstag in Luzern, und beide hoffen, dass der Knoten endlich platzt, damit die einstige deutsche Vorzeigedisziplin nicht total vom Winde verweht wird, jetzt, da gestern Linda Stahl und Christina Obergföll, die einstigen Europa- und Weltmeisterinnen, offiziell aus der Nationalmannschaft verabschiedet wurden. Obergföll erhielt außerdem den Rudolf-Harbig-Preis für vorbildliche Leistungen in der deutschen Leichtathletik.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–09.07.2017 Deutsche Meisterschaften 2017 Erfurt (Deutschland)