Nürnberg. Diskuskrimi mit Happy-End für Robert Harting, Rekorde von Pamela Dutkiewcz und Speerwerfer Andreas Hofmann: Die deutschen Leichtathleten erlebten rund zwei Wochen vor der HeimEM in Berlin (6. bis 12. August) eine emotionale Generalprobe und haben Hoffnungen auf einen erfolgreichen Saisonhöhepunkt in der deutschen Hauptstadt gemacht.

Dort wird der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sehr wahrscheinlich mit einem Rekordaufgebot an den Start gehen. Und auch London-Olympiasieger Robert Harting wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dabei sein. Vier Diskuswerfer kämpften bei den deutschen Meisterschaften am Samstagabend um noch zwei EM-Tickets – und es wurde dramatisch. Lediglich 20 Zentimeter lag Harting als Dritter (63,92 m) vor Martin Wierig (Magdeburg/63,72) auf Platz vier.

Vorgeschlagen zur Nominierung werden Harting und der Olympiadritte Daniel Jasinski (Wattenscheid/64,82), der auf Platz zwei landete. Heute fällt die finale Entscheidung, diese sollte allerdings nur noch Formsache sein.

„Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es ein unangenehmes Gefühl ist. Ich schäme mich fast ein bisschen. Es war nie mein Anspruch, Situationen hervorzurufen, dass etwas unklar ist“, sagte Harting gestern dem SID: „Ich kann mehr, als ich zeigen konnte.“ Sein Bruder und Rio-Olympiasieger Christoph Harting siegte dagegen mit 66,98 m ungefährdet – und geht mit Medaillenambitionen in die EM.

Das starke deutsche Speer-Trio hat ebenfalls fest das EM-Podest im Visier und sorgte für das sportliche Highlight der Meisterschaften. In einem hochklassigen Wettbewerb setzte sich Andreas Hofmann (Mannheim) mit Meisterschaftsrekord von 89,55 m vor Olympiasieger Thomas Röhler ( Jena/88,09) und dem zuletzt an einer Verletzung laborierenden Weltjahresbesten, Titelverteidiger und Weltmeister Johannes Vetter (Offenburg/87,83) durch.

Vetter (92,70), Hofmann (92,06) und Röhler (91,78) haben alle in dieser Saison bereits die 90-Meter-Marke geknackt und belegen in der Weltjahresbestenliste die Positionen eins, zwei und drei.

Insgesamt schickt der DLV fünf Titelverteidiger bei der EM ins Rennen. Neben Kugelstoß-Europameisterin Christina Schwanitz gewannen von diesen auch ihr Disziplinkollege David Storl (Leipzig/21,26) und Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause (Trier/9:34,58 Minuten) ungefährdet die Titel.

Für Hürdensprint-Europameisterin Cindy Roleder (Halle) kam dagegen früh das Aus. Sie verpasste nach einem Fehlstart im Halbfinale das Duell mit der WM-Dritten Dutkiewicz. Die Wattenscheiderin siegte im Endlauf eindrucksvoll in Meisterschaftsrekord von 12,69 Sekunden – ein deutliches Zeichen in Richtung EM.

Dreisprung-Europameister Max Heß (Chemnitz) stieg wegen Problemen mit dem Beuger vorsichtshalber aus dem Wettbewerb aus. Bis zur EM „sollte das alles wieder funktionieren. Dort werde ich wieder Vollgas geben“, sagte er. Der ehemalige Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe (Zweibrücken) verzichtete im Dauerregen von Nürnberg am Samstag ganz auf einen Start.

Mittelstreckenhoffnung Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen) verteidigte über 1500 m ihren Titel erfolgreich und knackte in 4:06,34 Minuten auch die EM-Norm.

Ein Überraschung gab es über die 100 m der Männer. Dort entthronte der erst 20 Jahre alte U23-Meister Kevin Kranz (Wetzlar/10,28) den Seriensieger und deutschen Rekordler Julian Reus (Erfurt/10,32), der zuletzt fünfmal in Folge gewonnen hatte. Bei den Frauen siegte wie im Vorjahr Sprint-Hoffnung Gina Lückenkemper (Leverkusen/11,15) – sie liebäugelt mit einer Medaille in Berlin.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
21.–22.07.2018 Deutsche Meisterschaften 2018 Nürnberg (Deutschland)
07.–12.08.2018 Europameisterschaften 2018 Berlin (Deutschland)