Ein letztes Mal Atmosphäre schnuppern in der Altstadt. Und ein Metro-Test. Tamer (42), der Emsige und stets Gutgelaunte, ein Katarer, organisiert an meinem/unserem Fünf-Sterne-Hotel Windham Regency (die Nacht für 80 Euro), das in der Mitte zwischen der modernen City, der West Bay, und dem Khalifa Stadium liegt, in beide Richtungen sind’s fünf Kilometer, den Journalistenbusverkehr. Er bestellt uns Taxis und hat auch sonst ein Ohr und gute Ratschläge für alles.

„Ja, der Gold-Souq hat heute geöffnet.“ Was heißt der Souq. Es sind Dutzende. An diesem Feiertag flutscht es mit dem Taxi bis zur Metro Station West Bay. Kein Reisender fährt da, nur viele Stewards und Stewardessen stehen in Uniform herum, wie stets zuvorkommend. Sie preisen die neue Metro, helfen beim Ticketkauf und erzählen. „Mittags ist nie was los, aber morgens und abends sind die Metros voll“, sagt Lilaf und strahlt. Man glaubt es nicht, dass es so ist. Seit Mai läuft die erste von drei Linien. Die rote. Von Nord nach Süd. Die goldene und die grüne sind definitiv bis zur Fußball-WM 2022 fertig. Bis dahin wird wohl in den Köpfen der Katarer angekommen sein, dass es sinnvoller, schneller und bequemer ist, als im Auto durch die Stadt zu stehen. Und die WM-Touristen werden voll des Lobes sein.

Beeindruckend. Umwerfend. Das Modernste überhaupt. Diese Metro ist der ganze Stolz der Einheimischen. Fährt ohne Fahrer, aber mit Kontrolleuren. Ich nehme ganz vorne Platz, an der Stelle, wo der Fahrer sitzen könnte. Ich steuere sozusagen die Metro durch den Untergrund. Sechs Riyal kostet das Tagesticket. 1,50 Euro.

In der Altstadt, in Msheireb, was später der Knotenpunkt aller drei Linien sein wird, steige ich aus und quäle mich durch die Mittagshitze. Vorbei an den Falken. Sie sind so etwas wie das Nationaltier. Die Falkenjagd ist Nationalsport, ein alter, traditionsreicher Sport. Ein Falke ist auch das lustige Maskottchen der WM. Falah heißt es.

Keine Ahnung, weshalb ich, irgendwo zwischen Bankenstraße und dem Falkenmarkt, in den „Marhaba“, in einen von diesen kleinen, vielleicht 400 Schmuckläden in Doha, gehe. Vielleicht, weil zwei Frauen in der Abaya als Kundinnen drinnen stehen und ich denke, wie bei der Suche nach Restaurants, wenn da Einheimische sind, ist der Laden gut.

Aisha und Wadha, in der schwarzen Abaya mit Kopftuch, überschlagen sich vor Freundlichkeit. Ihr Alter ist schwer zu schätzen. Vielleicht 40. Sie verhandeln für mich, sie suchen aus, sie erzählen mit mir und wollen, dass ich 2022 wiederkomme. „Allah hat uns das Gas geschenkt, Gott hat uns den World Cup geschenkt, er wird weiter an uns denken“, sagt Aisha.

Erinnern Sie sich noch, wie ich anfangs meine Reise hierher hinterfragte mit „Geht’s noch?“ Ja, es geht sehr gut. Mag sein, dass mich jemand wieder Verharmloser nennt. Ich versuche, Land und Leute zu verstehen. Die Seele. Die Religion. Nicht von draußen aburteilen, sondern von drinnen beurteilen. Ich fühle, ich könne – sorry, wenn ich das so ausdrücke – hinter die Kopftücher schauen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)