Zweibrücken. Der Morgen ist kurz vorm Grauen, in der Dieter-Kruber-Halle ist das Grauen schon da. „Oh neiiiiiiiiiin! Schei..“ Um 3.36 Uhr bricht sich die Anspannung unter den rund ein Dutzend Freunden und Vereinskameraden des LAZ Bahn. Im Olympia-Stadion von Rio de Janeiro ist die Latte zum dritten Mal in der Stabhochsprung-Qualifikation für Raphael Holzdeppe gefallen. Und auch an der fürs nächtliche Public Viewing genutzten Wand in der Leichtathletikhalle. Unfassbar.

Die Enttäuschung sitzt tief bei den sich vor der Beamer-Wand in Sofas und Gartenstühlen gedrückten Freunden. Handball-Bundesliga-Spielerin Elisa Burkholder ist da, Physio Klaus Ambrosch, der Raphael Holzdeppe bis zur Abreise nach Rio betreut hat und den Rio-Start erst ermöglichte. Vereinstrainer Alexander Gakstädter, Sportvorstand Alexander Vieweg. Enttäuschung? Eigentlich ist es mehr Mitgefühl. „Was für eine beschi.... Saison für Raffi“, fasst Vieweg das gerade Gesehene, aber auch die Wochen, die Monate seit Holzdeppes bei den deutschen Hallenmeisterschaften erlittenen Bänderrissen im Sprunggelenk, zusammen.

5,60, 5,70 Meter musste man spät am Samstagabend in Rio, früh am Sonntagmorgen Zweibrücken-Zeit, springen, um am morgigen Finale teilnehmen zu können. Über seine Einstiegshöhe 5,45 Meter rettete sich Holzdeppe im dritten Versuch. Wie ein Fahrlehrer mitkommentiert von Stabhochsprung-Trainer Alexander Gakstädter. „Zu weit weg“ „zu spät“ „passt“, analysiert er die Versuche vom Vereinskameraden und 2013er-Weltmeister. Weil Holzdeppe, hoch motiviert im Olympiastadion, zu schnell anlief, stimmte bei den ersten Versuchen nicht der Einstichwinkel seiner Stäbe zum Kasten der Sprunganlage. „Yeah“, schreien die Schlaflosen, als „Raffi“ im dritten Versuch bei 5,45 Metern „ein Haus“ über die Latte baut. „Da waren bestimmt 30 Zentimeter Luft“, meint Gakstädter.

„Dass der Kerl es immer so spannend machen muss. Immer im dritten Versuch. Wisst ihr noch ...“, erinnern andere an manch’ glücklich ausgestandene Zitterpartie mit „Raffi“. Voriges Jahr gewann er so Silber bei der Weltmeisterschaft. Die Zuversicht war da, bis ... ja bis, der Freund und 5,90-Meter-Springer kurz nach halb Vier in Rio im dritten Versuch an 5,60 Metern mit der Hüfte, der Brust die Latte abstreifte. Raus in der Qualifikation, Ende der „Schlaflos in Zweibrücken“-Nacht in der Dieter-Kruber-Halle.

Morgen heißt es Daumendrücken für Christin Hussong, die um – Zweibrücken-Zeit – Mittwoch, 1.35 Uhr, in der Speerwurf-Qualifikation antritt. Ohne Public Viewing in ihrer Trainingshalle. Vielleicht besser so.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)