Zweibrücken. Auf dem Weg ins Olympiastadion war noch Zeit für einen Post auf die eigene Facebook-Seite. „Ab heute ist der lange Weg zurück beendet und die Olympischen Spiele beginnen endlich für mich! Das Kämpfen über die letzten Monate hat sich gelohnt und ich freue mich auf meine dritte Olympiade. Es kann endlich losgehen!!!“, schrieb Raphael Holzdeppe. Im Wettkampf, der Qualifikation fürs heutige Finale im Männer-Stabhochsprung, wich dann die große Freude maximaler Enttäuschung.

Der Achte der Spiele von Peking 2008 und Bronzemedaillengewinner von London 2012 schaffte die 5,60 Meter nicht. Aus nach sechs Sprüngen. Platz 25 bei den dritten Spielen. Die Vereinsfreunde vom LAZ Zweibrücken konnten es einfach nicht fassen. „Das passt überhaupt nicht zu den letzten Eindrücken. Raphael war absolut zuversichtlich, durfte es auch sein“, konnte sich LAZ-Sportvorstand Alexander Vieweg einfach keinen Reim auf das am frühen Sonntagmorgen Geschehene, live Verfolgte machen. Trotz so überragender Konkurrenz wie Weltrekordler Renaud Lavillenie (Frankreich), Weltmeister Shawnacy Barber aus Kanada, dem starken US-Amerikaner Sam Kendricks oder dem von den Heimspielen beflügelten Brasilianer Thiago Braz da Silva hatte Vieweg auf einen neuerlichen Medaillengewinn Holzdeppes gewettet. Der Bänderriss vom Februar ist verheilt, die Olympia-Form war spätestens mit dem beeindruckenden, unter ungünstigen Bedingungen in Mannheim ersprungenen 5,70 Meter rechtszeitig vor Rio nachgewiesen.

Dann das gestern am frühen Morgen: 30 Springer traten zur Auslese der zwölf Finalisten an, im ersten Versuch übersprungene 5,60 Meter hätten Holzdeppe zur Teilnahme gereicht. „Ein guter Sprung ist mir gelungen“, musste sich „Raffi“ nach zwei Stunden Wettkampf eingestehen. So fassungslos und verständnislos. Den dritten Versuch über 5,45 Meter meinte er. Mit ihm, ein „Haus“ über seine Anfangshöhe bauend, wie die Stabhochspringer sagen, hielt sich der LAZler nach zwei „Tauchern“ noch einmal im Wettbewerb, ehe er dann dreimal an 5,60 Metern scheiterte. Wie bei den 5,45 Metern betrieb er zweimal Stabakrobatik vor der Latte, brach den Sprung vorm Aufrollen ab. Im dritten Versuch an den 5,60 Metern war die Höhe da, allein die Technik stimmte nicht. Der Abstand zur Latte war falsch gewählt.

Der Rest war die schwierige Aufgabe, die Enttäuschung hinter guter Mine halbwegs zu verstecken. „Jetzt bleibe ich noch bis zum Ende der Spiele hier und mache mit meinen Freunden Sightseeing“, ließ Holzdeppe die rätselnden Olympia-Berichterstatter beim Auszug aus dem Stadion wissen. Dass die beiden anderen Deutschen, der Leverkusener Sieger des diesjährigen Zweibrücker Himmelsstürmer-Cups, Tobias Schwerbart (5,45 Meter, Platz 14 in der Holzdeppe-Qualifikationsgruppe A), und Karsten Dilla (5,30, 13. und Vorletzter Gruppe B) das Touristenschicksal teilen, macht es nicht leichter. Im Gegenteil. Ohne deutsche Beteiligung werden heute Nacht, 20.35 Uhr Rio-Zeit, 1:35 Uhr in Deutschland, Gold, Silber und Bronze vergeben. Morgen dann, Mittwochfrüh, 1.35 Uhr beziehungsweise 2 Uhr, sind Freundin Sosthene Moguenara und Vereinskameradin Christian Hussong fast zeitgleich im Weitsprung und Speerwurf bei ihren Qualifikationen dran. Der ungewollt frühe Olympia-Tourist wird dann zum gewollten Daumendrücker.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)