Große Diskussionen hat Felix Magath, Trainer des Bundesligisten Schalke 04, ausgelöst, der den 17-jährigen Julian Draxler dazu ermuntert haben soll, die Schule in der elften Klasse einer Gesamtschule abzubrechen und Profifußballer zu werden. Doch nicht der Trainer, sondern die Eltern sind für mich die Übeltäter. Sie hätten darauf drängen müssen, dass ihr Filius vor der Fußballkarriere mit lukrativem Vertrag eine vernünftige Schulausbildung erhält.

Doch allen hochtrabenden Plänen hat das Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Julian Draxler muss bis zum Ende des Schuljahres 2012 die Schulbank drücken.

Ein derartiges Verhalten wäre bei Zweibrücker Leistungssportlern undenkbar. Hier genießt die Schule vor dem Sport absoluten Vorrang. Beste Beispiele gibt es zuhauf. Explizit soll das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken genannt werden. Bereits die Initiatoren Professor Dieter Kruber, selbst Hochschullehrer an der Universität in Landau, und sein Stellvertreter Karl-Heinz Werle als Pädagoge haben stets die Schule vor dem Sport favorisiert. Diese Mission verfolgt auch der heutige Vorsitzende Josef Scheer, früher Lehrer am Hofenfels-Gymnasium und Koordinator des Sports an der FH in Zweibrücken.

Ihre Philosophie der dualen Ausbildung propagieren die Verantwortlichen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Speerwerfer Till Wöschler haben es schon während ihrer Schulzeit am Helmholtzund Hofenfels-Gymnasium geschafft, Schule und Leistungssport zu koordinieren. Als Olympia-Achter von Peking 2008 hatte der 18-jährige Holzdeppe für Furore gesorgt, während Till Wöschler im gleichen Alter U 20-Weltmeister in Kanada 2010 geworden war. In ihre Fußstapfen tritt der 18-jährige Stabhochspringer Daniel Clemens als deutscher Hallenmeister 2010 und Dritter der U 18-WM von 2009. Zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur versucht er, am Wochenende bei der Jugend-DM seinen Titel zu verteidigen. Fakt ist: Die Leistungssportler, die unter profiähnlichen Bedingungen wie die Fußballer trainieren, sind überzeugt, dass sie sich über eine gute Schulausbildung die Voraussetzungen schaffen müssen, um später auch beruflich Fuß zu fassen. Das trägt zur Sicherheit und zusätzlich zur Leistungssteigerung bei. Allerdings sind die LAZ-Verantwortlichen bestrebt, ihren Kaderathleten eventuell auch eine Ausbildung in Zweibrücken zu ermöglichen. So sollen mithilfe der Industrie Praktikantenoder Ausbildungsstellen für Leistungssportler rekrutiert werden, wie dies jüngst Josef Scheer beim Merkur-Sportstammtisch erklärte. Dabei müssten eventuell angesichts der hohen sportlichen Belastung und Trainingslagern natürlich längere Ausbildungszeiten einkalkuliert werden. Derartige Bestrebungen, die auch für die übrigen Leistungssport treibenden Vereine in Zweibrücken gelten, stecken noch in den Kinderschuhen.

Sicherlich sind die LAZ-Kaderathleten, aber auch die Kaderschwimmer der Wassersportfreunde Zweibrücken leichter von einer dualen Ausbildung zu überzeugen, da zwischen ihrer Entlohnung und der eines Profifußballers Welten liegen. Dabei hinterlassen Stresssituationen, wie etwa bei Klausuren Abiturvorbereitungen oder körperlichen Belastungen auf der Arbeit bisweilen eine Leistungsdelle. Betroffen davon ist etwa Florian Schmidt, Deutscher Jahrgangsmeister über 200 Meter Schmetterling und Auszubildender bei der Gewobau Zweibrücken, oder der Gymnasiast der elften Klasse, Till Pallmann, der auf dem Sprung in den JEM-Kader des Deutschen Schwimmbundes ist. Die Trainer nehmen darauf Rücksicht, sind sich der Probleme ihrer Schützlinge bewusst.

Dass sich aber auch die Eltern ihrer Verantwortung ihren talentierten Kindern gegenüber bei allem Talent bewusst sind, beweisen wiederum die Familie Schmidt in Webenheim und die Familie Bohl in Einöd. Der 16-jährige Daniel Bohl ist vor dieser Saison vom 1. FC Saarbrücken in die B-Jugend des Bundesligisten Mainz 05 gewechselt, und der 17-jährige Patrick Schmidt, ebenfalls vom FCS-Nachwuchs gekommen, versucht beim Bundesligisten VfB Stuttgart seinen Traum vom Profifußballer zu verwirklichen. Allerdings ohne die Schule zu vernachlässigen.

Darauf legt auch der DFB bei den beiden Auswahlspielern größten Wert. Nur wenn die Noten in den Leistungsfächern stimmen, werden Einladungen zu Lehrgängen oder Einsätzen in den Jugend-Nationalmannschaften ausgesprochen. So musste Daniel Bohl im November Jahres zwischen zwei U 17-Länderspielen in Ägypten gar eine Mathe-Arbeit schreiben, die sein Lehrer aus Mainz zusammengestellt hatte. Der DFB hatte eigens einen Lehrer mitgeschickt, damit die schulischen Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert werden.

Noch im Ohr klingen mir die Äußerungen des Ehrenvorsitzenden des Judoclubs Zweibrücken, Günter Hahn: „Gute Sportler sind in der Regel auch gute Schüler.“ Die Zweibrücker Sportler sind der beste Beweis.