Die Speerwurf-Entscheidung wird auch ein Duell der Mütter. Vor sieben Jahren standen Barbora Spotakova (34), Maria Abakumowa (29) und Christina Obergföll (34) im„Vogelnest“ auf dem Podium, heute kommen sie in der Qualifikation nach einer Babypause alle drei wieder zurück.

Der zweifachen Olympiasiegerin aus Tschechien gibt Christina Obergföll die besten Chancen. Das liegt vielleicht daran, dass ihr Sohn Janek schon über zwei Jahre alt ist, während Obergfölls Marlon erst 14 Monate alt ist und die Zwillinge Abakomowas noch jünger sind. „Ich traue Barbora am meisten zu, aber dahinter gibt es sicher zehn Frauen, die die Silbermedaille gewinnen können, es wird die vielleicht spannendste Entscheidung dieser WM“, prognostiziert die 34 Jahre alte Badenerin aus der Nähe von Offenburg. Zu den Medaillenkandidatinnen zählen ganz sicher auch die anderen drei deutschen Frauen.

„Ich habe mir vorgenommen, die Qualifikation zu überstehen, habe gut trainiert und hoffe, dass ich das zeigen kann“, erzählte die Titelverteidigerin, die einen völlig entspannten Eindruck macht. Der kleine Marlon ist daheim bei Christinas Eltern. Weil die Internetkommunikation meistens nicht gut funktioniert, ist auch der Kontakt in die Heimat stark eingeschränkt. „Ich genieße hier eines: Endlich mal wieder richtig ausschlafen“, sagte sie lachend. Seit der Kleine auf der Welt ist, hat sich ihr Leben total verändert, sie und ihr Ehemann Boris, geborener Henry, der in Peking als Herren-Bundestrainer dabei ist, mussten sich völlig neu orientieren, allein was das Training betraf. Statt zwei Einheiten wie früher, gibt es nun nur noch eine längere und intensivere am Tag. „Aber wenn Christina früher vom Training heimkam, konnte sie sich erst mal schlafen legen, das geht heute nicht mehr so leicht“, schildert Boris Obergföll, der ihr sehr viel abnimmt und nachts, wenn Marlon mal unruhig ist, auch aufsteht. „Stand-by Modus“ nennen das die beiden. Das Problem der Leistungssportlerin: Sie kann nicht mehr so schnell regenerieren, einfach so abschalten ist nicht mehr. Aber das kennen ja wohl die meisten Eltern dieser Erde.

Sie hat lange überlegt, ob sie nach Peking fliegen soll, jetzt ist sie da, und jetzt hat sie auch Ansprüche. „Also das ist ja kein Dorfsportfest, da geht es ja um was. Und wenn man so viel erreicht hat wie ich, WM-Titel und sieben internationale Medaillen, dann will man nicht schon in der Qualifikation rausfliegen“, sagt sie, weiß aber, dass alles möglich ist. Nur: „Was zählt, ist Rio 2016, da will ich mit 100 Prozent an den Start gehen.“ Druck verspüre sie keinen. „Wenn überhaupt, sind es die Medien, die ihn machen, aber das ist mir auch wurscht, das war schon immer so, ich werfe ja nicht für andere, sondern für mich“, zeigt sie, dass sie von ihrem Selbstbewusstsein nichts verloren hat. Die Erinnerung an 2008 ist noch wach, als sie die einzige Medaille für die deutschen Leichtathleten holte. „Ich warf damals in der Qualifikation weiter als im Finale und holte Bronze, aber da waren ja auch zwei vorne, die waren sehr, sehr überlegen.“ Spotakova kam auf 71,42, Abakumowa auf 70,78 und Obergföll auf 66,13 Meter. Auf ähnliches wären die drei Mütter nach dem Finale am Sonntag mächtig stolz.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)