Diese Woche ist für Silke Spiegelburg wieder Zweibrücken-Woche. Seit November fährt die beste deutsche Stabhochspringerin jeden Monat für eine Woche von Stuttgart hierher und trainiert mit Bundestrainer Andrei Tivontchik. Am Wochenende geht es für die 29-Jährige von der Westpfalz zum Diamond League-Meeting nach Paris.

Die letzten Tage in Zweibrücken waren ungewohnt für die Sportlerin des TSV Bayer 04 Leverkusen: Sie trainierte im Westpfalzstadion, nicht weit von ihrem Hotel entfernt – und hatte ansonsten frei. Denn ihre Bachelor-Arbeit in Gesundheitsökonomie ist fertig, muss nur noch korrigiert und an der Uni Köln abgegeben werden. Daran hatte sie seit dem Winter-Trainingslager und immer in den Zweibrücken-Wochen intensiv geschrieben. „Der größte Stress ist weg“, sagt sie. Das Studium sei in den letzten Jahren aus sportlicher Sicht schon mehr Ballast als Ablenkung gewesen. „Immermehr Reisen, immermehr Druck. Das war schwer für mich, ich hatte in den letzten Jahren gefühlt keine Minute Pause“, verdeutlicht sie.

Den Weg nach Zweibrücken als Trainingsort beschreibt Spiegelburg als schleichenden Prozess. Der vierte Platz bei den Olympischen Spielen 2012 in London habe sie echt fertig gemacht. „Das war eine harte Zeit, da habe ich auch mal dran gedacht, die Stäbe beiseite zu stellen“, sagt sie rückblickend. Der Manager und die Familie hätten sie aber bestärkt, weiterzumachen. „Und ich bin eh nicht der Typ, der kampflos aufgibt.“ Im Jahr 2013 habe sie angefangen, mit Andrei Tivontchik zu trainieren. Der sei damals einmal pro Woche nach Leverkusen gekommen.

2014 stand dann für Silke Spiegelburg – nach neun Jahren bei Bayer 04 – ein richtiger Tapetenwechsel an.Der Vertrag ihres Mannes an der Uni Duisburg lief aus, im Frühjahr gab es ein gutes Angebot aus Stuttgart. „Wir haben mit allen gesprochen und dann beschlossen: Das machen wir.“ Der „Frische-Effekt“ mit neuen Reizen, die andere Wortwahl, „auch wenn der Trainer eigentlich das gleiche sagt“, waren gewollt. Seitdem trainiert sie nach Tivontchiks Trainingsplänen alleine in Stuttgart, das Läuferische erledigt sie in der Trainingsgruppe des Ex-Hürdensprinters des LAZ Zweibrücken, Marlon Odom.

Im Winter stieß der Bundestrainer immer an zwei Tagen dazu, in der Freiluftsaison mit den vielen Meeting-Terminen und Reisen dann seltener. Aber dafür ist Spiegelburg ja jeden Monat eine Woche in Zweibrücken – im besten Fall immer dann, wenn ihr Mann sowieso auf Dienstreise muss. „Dann trainiere ich hier ganz intensiv mit Andrei und Todd Henson“, sagt sie. Sie fühlt sich wohl in der Gruppe der Zweibrücker „Stabis“. Und durch das Hin und Her zwischen Stuttgart und Zweibrücken sei es nie langweilig. Das komfortable Hotel-Leben genießt sie dabei. Mit dem Saisonverlauf ist sie bisher zufrieden. Gar nicht so leicht nach ihrem Kahnbeinriss im rechten Fuß samt Operation im Sommer 2014, langer Verletzungspause und fast einem Jahr ohne Wettkampf. „Ich bin dadurch lockerer und gelassener geworden. Das war schwer, aber eine interessante Erfahrung“,meint sie.

„Ich will erst mal in die Weltspitze zurückfinden, von Wettkampf zu Wettkampf stabiler werden.“ Bisher klappte das prima: Shanghai 4,38 Meter („das war zum Ausprobieren schön anonym“), Hengelo 4,55 m, Zweibrücken 4,60 m und zuletzt bei der Team-EM in Cheboksary wieder 4,75 m, nahe an ihrem deutschen Rekord (4,82 m). „Das dachte ich zum ersten Mal wieder: Ach, die Höhe kenne ich doch, hier gefällt’s mir“, sagt sie schmunzelnd. 2015 sieht sie nach der Verletzung als Übergangsjahr, mit Blick auf Olympia in Brasilien 2016. „Ein paar Jahre mache ich das schon noch, bis 2018 will ich springen“ erklärt sie. Für die Diamond League morgen in Paris hofft sie auf gute Sprünge und liebäugelt mit einer Höhe um 4,70 Meter. „Ich hoffe, es wird nicht zu heiß. Wir sind aber erst um 19 Uhr dran.“

Und obwohl die Saison noch läuft und die Weltmeisterschaft in Peking (22. bis 30. August) vor der Tür steht, auf eines freut sie sich schon jetzt riesig: den Urlaub Ende September, Anfang Oktober. Dann völlig ohne Uni Stress und lernen für Klausuren. „Ich glaube, danach gehe ich so ausgeruht wie noch nie ins Wintertraining“, meint Silke Spiegelburg lachend.

Stabhochspringerin Silke Spiegelburg ist auf dem Weg zurück in die Welt- spitze – auch dank der Trainingseinheiten in der Westpfalz.
Stabhochspringerin Silke Spiegelburg ist auf dem Weg zurück in die Welt- spitze – auch dank der Trainingseinheiten in der Westpfalz. Foto: Moschel

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.07.2015 Meeting Areva 2015 Paris (Frankreich)
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)