Merkur-Interview mit LAZ-Stabhochspringerin Kristina Gadschiew vor dem Start bei der Hallen-EM

Zweibrücken. Die Stabhochspringerin des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, Kristina Gadschiew, hat sich mit ihrem dritten Platz (4,50 m) bei den Deutschen Meisterschaften für die Hallen-Europameisterschaften ab heute in Turin qualifiziert. Merkur-Redakteur Werner Kipper sprach mit der 24-jährigen Lehramtsstudentin aus Hornbach.

Warum sind Sie Stabhochspringerin geworden, und wer hat ihr Talent entdeckt?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> In Zweibrücken ist es schwierig, an dieser Disziplin vorbeizukommen. Ich bin sozusagen da rein gestolpert. Ich wurde im Helmholtz-Gymnasium zu einem Probetraining im LAZ Zweibrücken eingeladen. So bin so in die Welt der Leichtathletik eingestiegen. Ich habe mehrere Disziplinen ausprobiert und bin in der Trainingsgruppe Stabhochsprung bei Helmut Kruber hängen geblieben.</blockquote>

Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie von der Nominierung für die Hallen-EM erfahren haben?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Ich war sehr überrascht, da ich in dieser Wintersaison überhaupt nicht mehr damit gerechnet habe. Die Konkurrenz war sehr stark und meine Hoffnung sehr klein, umso größer war meine Freude über die Nominierung.</blockquote>

Sehen Sie in der Hallen-Europameisterschaften Ihren internationalen Durchbruch?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Da es meine erste EM ist, würde ich nicht gleich vom internationalen Durchbruch sprechen. Ich sehe das eher als eine große Erfahrung und bin auf die Konkurrenz gespannt.</blockquote>

Ist die Hallen-EM zumindest eine kleine Entschädigung für die knapp verpasste Olympiateilnahme?

Gadschiew: Ich würde lügen, wenn ich diese Frage mit Nein beantworten würde. Klar, freue ich mich über einen internationalen Einsatz, egal ob es sich um die Olympische Spiele, Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft handelt.

Welche Maßstäbe setzen Sie sich in Turin, und wer sind für Sie die Favoriten?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Mein Traum wäre es ins Finale zu kommen. Ich glaube, man muss immer mit einer starken russischen und polnischen Konkurrenz rechnen. Muss aber auch sagen, dass meine Teamkollegin Silke Spiegelburg mit ihrer Leistung bei der DM von 4,70 Metern auch ganz gute Chancen hat.</blockquote>

Sie sind mittlerweile ein sichere 4,50-Meter-Springerin. Was hat Ihre Leistungssteigerung bewirkt?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Ich bin die 4,50 Meter in der Wintersaison nur einmal gesprungen. Daher würde ich mich nicht als eine sichere 4,50-Meter-Springerin bezeichnen. Das wäre etwas übertrieben. Ich versuche jedoch, immer meine Leistung zu verbessern.</blockquote>

Welchen Anteil daran hat Ihr Heim- und Bundestrainer Andrei Tivontchik?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Er hat einen sehr großen Anteil an meinen sportlichen Erfolgen. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken und bin froh darüber, mit ihm zusammenarbeiten zu können.</blockquote>

Geht es künftig noch höher hinaus, wenn Sie mit Ihren neuen Stäben springen?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Ich hoffe schon. Denn für die Sommersaison wird meine Bestleistung von 4,52 Metern auf gar keinen Fall reichen. Also Training, Training, Training, heißt die Devise. Die Konkurrenz schläft nicht.</blockquote>

Sie bestreiten in der Regel sehr viele Wettkämpfe. Warum?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Ich kann in Wettkämpfen mit mehr Energie und Power springen und dadurch werde ich auch von Mal zu Mal besser. Es könnte auch daran liegen, dass ich diesen Konkurrenzkampf brauche und nur so mein Leistungsniveau erhöhen kann. Wettkampf und Training sind für mich zwei verschiedene Paar Schuhe.</blockquote>

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Leistungssport und Ihrem Studium an der TU in Kaiserslautern?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Es ist nicht einfach. Durch meinen Leistungssport wird sich mein Studium ein wenig in die Länge ziehen. Ich kann nicht immer alle Kurse belegen, dazu fehlt mir einfach die Zeit. Man muss sehr viel organisieren und sehr diszipliniert an die Sache dran gehen, dann geht das schon. Werde jedoch mehr Semester benötigen, als die Regelstudienzeit vorschreibt.</blockquote>

Welche Ziele streben Sie sportlich und beruflich in diesem Jahr noch an?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Ich möchte in diesem Jahr noch meine Zwischenprüfung in Chemie angehen. Natürlich träume ich davon, mich für Berlin im August zu qualifizieren. Bei der WM im eigenen Land dabei zu sein, das wäre einfach unglaublich.</blockquote>

Ist es für Sie frustrierend, dass die Russin Jelena Isinbajewa die absolute Überfliegerin ist?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Nein, denn durch sie rückt der Stabhochsprung in den Vordergrund und wird dadurch populärer.</blockquote>

Sie wohnen noch zu Hause. Brauchen Sie das familiäre Umfeld, um Höchstleistungen zu bringen?

<blockquote><strong>Gadschiew:</strong> Natürlich ist meine Familie eine große Unterstützung für mich, und sie steht auch immer hinter mir. Darauf möchte ich derzeit ungern verzichten.</blockquote>
Kristina Gadschiew beim richten ihrer Stäbe
LAZ-Stabhochspringerin Kristina Gadschiew läd ihre Stäbe vor dem Abflug zur Hallen-EM auf. Foto: pma