Landau. Carsten Dilla ist der zweite Deutsche mit der Olympia-Norm von 5,70 Meter. Der 26-Jährige von Bayer Leverkusen nahm die Höhe gestern Abend beim Landauer Stabhochsprung-Meeting auf dem Obertorplatz in der Innenstadt. Der Brasilianer Thiago Brazda Silvagewann mit 5,80 m. Bei den Frauen siegte Annika Roloff vom MTV Holzminden, die 25-Jährige überquerte 4,60 m – persönliche Bestleistung.

Landau gestern Mittag. Von Frankreich nähert sich eine riesige Regenwolke, eine Wetter-App verheißt nichts Gutes für das Meeting ab Nachmittag. Regen, insbesondere wegen des Anlaufens der Athleten auf einem Steg,wäre der schlimmste Fall für den Ausrichter, den TV 1861 im ASV Landau. Gleich das Gute: Die leicht dunklen Wolken, die den ganzen Tag über dem Platz hängen, halten dicht.

Er liebe diese Atmosphäre in Landau, sagt Raphael Holzdeppe später. Der 26-Jährige vom LAZ Zweibrücken,gerade genesen von einem Bänderriss, hat seinen zweiten Versuch, die Olympia-Norm zu erfüllen, nicht mit Erfolg gekrönt. Der Vize-Weltmeister von 2015 in Peking nimmt die 5,40 m bei aufmunterndem Applaus der geschätzt wieder 2000 farbenfrohen Zuschauer, die ihn von allen Seiten des Laufstegs anfeuern, im ersten Versuch. Es ist Saisonbestleistung. Für 5,60 m reicht es noch nicht. „Es fühlt sich alles gut an, es fehlt noch an der Routine“, sagt Holzdeppe. Diese Chance bleibt ihm noch, um nach Rio zu kommen: die Europameisterschaft. Heute in acht Tagen ist die Quali in Amsterdam.

Der Erste, der Dilla nach dessen 5,70-Meter-Sprung gratuliert, ist der deutsche Meister Tobias Scherbarth – der an dieser Höhe scheitern wird. Sein Leverkusener Vereinskollege Athlet bekommt viel Applaus. Glückstränen hat Dilla in den Augen, als er verkündet, den Wettbewerb nicht fortzusetzen: Nach der Norm-Erfüllung sei die Luft heraus, sagt er. Die Sorge, sich jetzt noch zu verletzen, ist plötzlich groß.

Nur zwei sind deshalb bei 5,80 m noch im Rennen. Der Grieche Konstantinos Filippidis (29) hat die 5,70 im dritten Versuch genommen. Er ist der Titelverteidiger, gewann voriges Jahr mit Meetingrekord 5,85 m und trifft im „Finale“ auf den Brasilianer Thiago Braz da Silva, der bei der WM 2015 nicht ins Finale der Besten kam. Der 22-Jährige hinterlässt einen bärenstarken Eindruck in Landau. Der Schnellste auf dem Steg steigt bei 5,60 m ein und nimmt die 5,80 m im ersten Versuch. Das Publikum liegt ihm zu Füßen. Einen möglichen Meetingrekord verpasst er, weil er nach Filippidis’ Scheitern 6,00 m auflegen lässt. Sein dritter Versuch ist der beste,aber die Latte fällt.

Im Wettbewerb der Frauen waren bei 4,50 m noch vier im Rennen. Femke Pluim, Anjuli Knäsche und die deutsche Meisterin Martina Strutz, die Zweite wurde, scheiterten. Roloff flog im ersten Versuch drüber und dann im dritten über 4,60 m.