Kristina Gadschiew vom LAZ Zweibrücken erreicht als Letzte das Stabhochsprungfinale Die Latte hüpft auf dem Aufleger, dreht sich um ihre Achse, fällt, zittert - und bleibt liegen. Die Zuschauer im Berliner Olympiastadion brechen in Jubel aus. Unten auf der Matte löst sich Stabhochspringerin Kristina Gadschiew aus ihrer gespannten Erstarrung, springt auf und ballt die Fäuste. 4,50 Meter sind übersprungen, gleich im ersten Versuch. Aber so jäh, wie er begonnen hat, bricht der Jubel auch wieder ab. Der Kampfrichter hebt die rote Fahne. Versuch ungültig. Er hat einen Regelverstoß gesehen, als die Latte auf die Aufleger zurückfiel.

Dann läuft die Wiederholung über die Leinwand im Stadion und es ist deutlich zu sehen: Die Latte hat sich nur gedreht. Das ist erlaubt. Der Versuch zählt. „Ich hatte noch nie in meiner Karriere soviel Glück. Bisher ist die Latte in solchen Situationen immer runtergefallen“, sagte Gadschiew. Und wie sich später herausstellen sollte, bedeutete dieser im wahrsten Sinne des Wortes geglückte Sprung in der Qualifikation der Leichtathletik- WM für die 25-Jährige vom LAZ Zweibrücken den größten Erfolg ihrer Karriere. Sie erreichte das Finale und reihte sich ein unter die zwölf besten Stabhochspringerinnen der Welt.

Doch bis dahin hatte Gadschiew erneut bange Momente zu überstehen. Momente, in denen ihr die Tränen der Enttäuschung schon in den Augen stachen, weil sie dachte, sie sei ausgeschieden. Denn 4,50 Meter war die letzte Höhe, die Gadschiew übersprang. Ihre Versuche über 4,55 Meter, bei denen sie mehrmals den Stab wechselte, gingen alle gründlich daneben. Da aber nur elf Springerinnen die 4,55 Meter schafften und Gadschiew als einzige der Nachfolgenden alle Höhen im ersten Versuch übersprungen hatte, rutschte sie in das Feld, das heute ab 18.45 Uhr um die Medaillen springt.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mit 4,50 Metern ins Finale kommen könnte“, sagte Gadschiew und strahlte dabei über das ganze Gesicht. „Aber solches Glück werde ich hier garantiert nicht noch einmal haben.“ Deshalb will sie auf jeden Fall noch einige Zentimeter drauflegen. Sie fühlt, dass noch mehr in ihr steckt. „Wenn man das Finale erreicht hat, dann will man immer noch mehr“, sagte die 25-Jährige.

Mehr will dann auch die russische Favoritin Jelena Isinbajewa, die am Samstag bei 4,55 Metern in den Wettkampf einstieg und damit nur ihre Pflicht erledigte. Mehr wollen dann aber auch Gadschiews Teamkameradinnen Silke Spiegelburg und Anna Battke, die ebenfalls eine Runde weiter kamen. „Es ist toll, dass alle drei Deutschen im Finale sind. Es hilft sehr, zusammen in den Wettkampf zu gehen“, freute sich Gadschiew.

Kristina Gadschiew bei den WM in Berlin
Ein banger Blick nach oben, dann grenzenloser Jubel: Die Stabhochsprunglatte bei 4,50 Metern blieb liegen. Für Kristina Gadschiew vom LAZ Zweibrücken bedeutete das den Einzug ins WM-Finale. Foto: dpa