Bei seinen dritten Olympischen Spielen nach Peking 2008 und London 2012 wollte er in Rio trotz verletzungsgeprägter Saison um die Medaillen mitspringen und fühlte sich zuletzt in Topform. Am Ende reicht es für LAZ-Stabhochspringer leider nicht, um das Finale zu erreichen.

Rio de Janeiro/Zweibrücken. Es war eine Überraschung als Raphael Holzdeppe 2008 mit gerade einmal 18 Jahren für die Olympischen Spiele in Peking nominiert wurde und dort den achten Platz belegte. Es war geplant als er sich für jene in London 2012 qualifiziert, wo er Dritter wurde.

In diesem Jahr musste Holzdeppe um die Teilnahme bangen. Ein schwerer Bänderriss beim Aufwärmen der Deutschen Hallenmeisterschaften im Februar prägte sein Wettkampfjahr. Er kämpfte sich zurück, jedoch nicht rechtzeitig, um die Norm von 5,70 Metern bis zur Nominierung der Olympiamannschaft zu knacken. Mitfahren durfte Holzdeppe dann doch, da der DOSB auf das Können des 26-Jährigen baute, der zu internationalen Höhepunkten stets seine Leistung abrufen konnte. Kurz darauf, bei seiner Olympia-Generalprobe in Mannheim Ende Juli, konnte der Schützling von Andrei Tivontchik diese Entscheidung mit einem Sprung über 5,70 Meter bestätigen.

In der Nacht zum Sonntag, um 1:20 Uhr deutscher Zeit, stand nun neben den „regulär“ qualifizierten Athleten Tobias Scherbarth und Karsten Dilla (beide TSV Bayer Leverkusen) auch Holzdeppe in der Qualifikation. 5,75 Meter beziehungsweise eine Platzierung unter den besten Zwölf wurden für den Finaleinzug gefordert. Raphael Holzdeppe stieg bei 5,45 Metern ein, konnte aber erst im dritten Versuch einen gültigen Sprung zeigen. Bei den darauffolgenden 5,60 Metern gelang ihm dies gar nicht mehr. Nach einem durchgelaufenen und einem nicht durchgearbeiteten Versuch riss er nur knapp mit der Brust. Das Aus für den Bronzemedaillen-Gewinner von London, gefühlt noch bevor der Wettkampf richtig losgegangen war.

Die Enttäuschung stand Raphael Holzdeppe ins Gesicht geschrieben. Zuletzt hatte er sich in Topform gefühlt, seinen Saisoneinstieg immer wieder verschoben, nur auf Rio hingearbeitet. Und nun das: 5,45 Meter und Platz 15. Ein herber Schlag ﹣ auch für circa ein Dutzend hartgesottener Fans, die sich in der Dieter-Kruber-Halle zu später Stunde versammelt hatten, um Holzdeppe gemeinsam zu unterstützen und mitzufiebern. „Netter Abend, scheiß Wettkampf“, fasste Alexander Vieweg wortkarg zusammen, was jeder zu denken schien.

„Ach, im Moment kann ich eigentlich alles nur negativ sehen. Ich habe mich jetzt ein halbes Jahr gequält, um hier dabei zu sein. Das habe ich geschafft. Irgendwann werde ich mich vielleicht darüber freuen. […] Schmerzen habe ich keine mehr, darüber bin ich froh, alles ist gesund.“, versuchte der Vize-Weltmeister Holzdeppe nach dem Wettkampf zaghaft dem Ganzen etwas Gutes abzugewinnen. Doch er merkte auch an, dass er sich trotz der mangelnden Wettkampf-Routine die 5,70 Meter eigentlich zugetraut hätte.

Auch die anderen deutschen Springer fanden nur schwer in den Wettkampf: Tobias Scherbarth und Karsten Dilla, die bereits bei 5,30 Meter einstiegen, gelang erst im zweiten beziehungsweise dritten Versuch ein gültiger Sprung. Bei 5,45 Metern musste Dilla passen, Scherbarth bewältigte diese Höhe wiederum im zweiten Versuch und schied anschließend bei 5,60 Metern aus. Damit konnte sich keiner der deutschen Starter für das Finale qualifizieren und es wird erstmals seit 1992 ohne deutsche Beteiligung stattfinden.

Ach, im Moment kann ich eigentlich alles nur negativ sehen. Ich habe mich jetzt ein halbes Jahr gequält, um hier dabei zu sein. Das habe ich geschafft. Irgendwann werde ich mich vielleicht darüber freuen. Auch 5,60 Meter im Dritten hätten heute nicht gereicht. Ich hätte mir aber auch 5,70 Meter zugetraut. Ich war eigentlich gut drauf. Aber es fehlte nach der langen Pause die Wettkampf-Routine. Der Körper war präsent, von der Form her wäre mehr drin gewesen. Schmerzen habe ich keine mehr, darüber bin ich froh, alles ist gesund. Ja, andere haben sich auch schwer getan. Eine Qualifikation hat ihre eigenen Gesetze. Aber die Bahn und die Anlage sind gut.

Raphael Holzdeppe

Raphael Holzdeppe im dritten Versuch über 5,60 Meter: Sieht vielversprechend aus.
Raphael Holzdeppe im dritten Versuch über 5,60 Meter: Sieht vielversprechend aus.
Raphael Holzdeppe im dritten Versuch über 5,60 Meter. Leider mit der Brust gerissen.
Raphael Holzdeppe im dritten Versuch über 5,60 Meter. Leider mit der Brust gerissen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)