Von Donnerstag bis Sonntag treffen sich die besten Leichtathleten der Altersklasse U23 zur Europameisterschaft in Tallinn in Estland. Mit dabei sind zwei Sportlerinnen des LAZ Zweibrücken: Sprinterin Sina Mayer und Speerwerferin Christin Hussong. Mit durchaus unterschiedlichen Zielsetzungen.

Zweibrücken/Tallinn. Sina Mayer ist erst einmal froh, dass sie gestern überhaupt nach Litauen reisen konnte. „Wir freuen uns, dass wir zusammen hinfahren können“, sagte sie. Die 20-Jährige hatte sich nämlich vor etwas mehr als einer Woche bei der Bauhaus-Junioren-Gala in Mannheim eine Verhärtung im Oberschenkel zugezogen, so dass ihr Start auf der Kippe stand. Ihr Ziel ist es, in Tallinn in der deutschen 4x100-Meter-Staffel zu laufen. Deren Besetzung sollte eigentlich in Mannheim geklärt werden, das klappte aber nicht. „Ich bin schmerzfrei. Am Montag letzter Woche habe ich pausiert, am Mittwoch wieder mit 60 bis 70 Prozent trainiert“, verdeutlichte die Sprinterin aus Schönenberg-Kübelberg, die beim LAZ Zweibrücken noch bis Herbst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert.

„Ich möchte schon gerne in der Staffel dabei sein. Ich habe in Wetzlar gezeigt, was ich kann“, sagte Mayer selbstbewusst. Vor allem angesichts ihres vierten Platzes über 100 Meter Mitte Juni eben in Wetzlar und ihrer neuen tollen Bestzeit von 11,67 Sekunden. „Den Bundestrainer hat sie auch mit ihrem 200-Meter-Lauf beeindruckt. Besonders ihr Lauf in der Kurve war sehr, sehr stark“, attestierte LAZ-Trainer Karl-Heinz Werle seinem Schützling. Sie sei über 100 Meter beispielsweise eine schnellere Zeit gelaufen als Staffelkonkurrentin Amelie-Sophie Lederer. Und Mayer könnte aufgrund der guten Kurventechnik vielleicht die Startposition in der Staffel einnehmen. Werle sieht die Nominierung als Belohnung für Mayers Weiterentwicklung im technischen Bereich und dafür, dass sie sich in der deutschen Elite etabliert hat. „Ich glaube aber auch, dass es vor Ort in Tallinn noch ein kurzes Ausscheidungsrennen gibt“, erklärte er. Die deutsche Staffel ist am Sonntag ab 11.40 Uhr in den Startblöcken. Mayer steht nach der U20-Weltmeisterschaft in Eugene/ USA,wo sie nur Ersatz in der Staffel war, vor ihrer zweiten großen internationalen Meisterschaft. Einmal kann sie danach noch bei einer U23-EM antreten.

Für Speerwerferin Christin Hussong ist Tallinn dagegen der Abschluss ihrer Juniorenzeit. „Trotz bisher schon vieler Einsätze freue ich mich darauf, wieder im Nationaltrikot zu starten“, sagte die Herschbergerin vor dem Abflug. Ein bis zwei Tage vor dem Wettkampf fange es spätestens an zu kribbeln. „Es kann immer viel passieren im Wettkampf, aber eine Medaille ist mein Ziel“, sagte die 21-Jährige ganz klar, die vergangene Woche noch mal in Kienbaum trainiert und sich eine leichte Erkältung eingefangen hatte. „Nichts Dramatisches, das hat mich überhaupt nicht behindert“, wiegelte sie gleich ab, auch angesichts der erwarteten geringen Temperaturen von 17 Grad und Regen zu ihrer Qualifikationszeit am Donnerstag um 15 Uhr Ortszeit (14 Uhr MESZ).

„Wir haben in Kienbaum eine ganz normale Vorbereitung gemacht“, berichtet Hussong vom Training mit Papa Udo. Der reist im Übrigen erstmals in offizieller Funktion als Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nach Estland. „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, das ist auch für mich Neuland“, sagte Udo Hussong dazu, dass er sich vor Ort nicht allein um Christin kümmert, sondern gemeinsam mit Frauen-Bundestrainer Boris Obergföll auch um Christine Winkler. „Da gibt es sicher immer vieles abzusprechen“, sagte Udo Hussong.

Tochter Christin war froh, dass sie bei der U23-DM in Wetzlar mit dem Siegwurf auf 61,57 Meter die Norm für die Weltmeisterschaft in Peking (22. bis 30. August) geknackt hat. „Wenn man die Norm als Schallmauer geknackt hat, läuft es danach einfacher“, meinte sie. Das gebe ein gutes Selbstbewusstsein. Das Ziel vor der Saison sei gewesen, konstant 60 Meter zu werfen – und dazu Ausreißer nach oben zu haben. „Ich habe schon vor, in Tallinn auf die Weite von Wetzlar noch was draufzulegen.“ So gesehen ist Estland fast nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zur WM, aber eine wichtige mit Medaillenambitionen. „Und zwei Wochen nach der U23-EM ist ja schon wieder die deutsche Meisterschaft in Nürnberg“, skizzierte die 21-Jährige ihren weiteren Wettkampf Sommer. Mit einer EM-Medaille im Gepäck ließe sich auch dort und vielleicht in Peking noch mal weiterwerfen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
09.–12.07.2015 U23-Europameisterschaften 2015 Tallinn (Estland)